deckte ein allgemeiner Nebel die ganze Aussicht, er konnte nicht weiter gehen ohne Gefahr, auch übermannte ihn der lange zurückgewiesene Schlaf. Ich lag damals schlaflos auf weichen Betten, sein Lager war hart, auch weckte ihn zuweilen Hunger, ohne dass er ihn vor Müdigkeit aus seiner Reisetasche befriedigte, sondern er schlief immer wieder zu schnell ein, die Kälte mochte dazu mitwirken. Endlich wachte er ganz vom Einstrahlen der Sonne, aber er öffnete nur mit Mühe die Augen, denn die Sonne, die aus dem wasser emporgestiegen, blendete seine Blicke, die über tausend Wunder, wie über Traumbilder ungläubig hinirrten! Die beschneiten Wipfel hinter ihm wie Paradiesesmauern; Alpenrosen und Bergtymian blühten neben ihm, ein freudiger, wundervoller Teppich, wie er ihn oft in seiner Weberei ersonnen und doch nicht ganz erreicht hatte; vor ihm ein endloses Gewässer, der Bodensee, der über seine Ufer ausgetreten war und in den noch immer die Wasserfälle mit ausgerissenen Tannen und Felsenstücken niederdonnerten, die Sonne aber schwamm ruhig auf ihm, wie ein Glutschiff. Er ging entzückt taumelnd einige Schritte, sah nieder und warf sich erschreckt auf den Boden, schloss die Augen und drückte die Steine an sich, wie seinen letzten Halt. Über dem wasser schien er sich zu schweben und ohne Hoffnung an dem glatten Felsen niederzugleiten, der gerundet ihm die Gefahr versteckt hatte, bis er in träumenden Gedanken die Höhe der Wölbung erreicht hatte und schon zwischen Himmel und wasser schwebte. Sich selbst aufgebend, meiner noch denkend, liess er sich einige Ellen niedergleiten, da stand sein Fuss an einem Vorstoss fest. Er blickte hin und sah, dass er einen gehauenen, schmalen Felsensteig erreicht hatte, der ihm von der Felsenwölbung versteckt gewesen war, er sah jetzt eine Felsenbucht zu seiner Linken, die nur durch diesen Fussgang eingänglich schien, das wasser brauste gewaltig in Strudeln, und in der Mitte dieses Wellenschaums stand fast wie der Schatten eines Schlosses ein siebentürmiges, eckiges Schloss, das in seinen Türmen völlig durchsichtig und von Glasstücken erbaut schien, da jeder der Türme einen bunten Regenbogen auf die entfernte, schwarze Wasserfläche der Bucht und auf die schwarzen Felsen warf. Er hatte nie einen so gewaltsamen Anblick erlebt, die Sonne schien dienstbar dem Menschenwerke und gleich stand seine Überzeugung fest, dies sei die Kronenburg, die Pfalz der Hohenstaufen. Alle Furcht war verschwunden und Glut durchkochte seine Wangen, die Krone zu gewinnen, die ihm durch seine Geburt gehörte. Er eilte den Felsenweg nieder; sah, dass die kunstreiche, eiserne Laufbrücke über das wasser gespannt war. Schon glaubte er alles gewonnen, da sah er vor der brücke zwölf alte, starke, geharnischte Männer, ihre Füsse blutig, als ob sie beim schweren Steigen über Gletscher sich selbst verwundet hätten, um einen Anhalt an der glatten Fläche zu gewinnen. Es waren dieselben, die ihn so zornig auf dem Gebirge suchten, aber sie schliefen jetzt wie todmüde Menschen unerwecklich, schienen aber nicht willig eingeschlafen, denn sie hielten noch ihre Schwerter, als wachten sie bei der brücke. Da war's, als ob der Tod schon hinter ihm mit der Sense gehe, als ob die Engel ihm die Füsse vorwärts höben und stellten, dass er die brücke überschreite, so schneidend sauste die Luft hinter ihm, als er über die hochschwebende, eiserne Stufenbrücke schritt, so sorglich umflogen ihn die Tauben, dass er sich nicht einsam fühle und schwindle. Ich kenne euch Regenbogenhälse, dachte er, seid ihr heimlich mir nachgeflogen, ihr waret meine einzige Gespielen auf Hohenstock, leitet mich, ihr treulich Liebenden! So gelangte er an den hohen Eingang und erblickte an jeder Seite zwei eiserne Männer mit grossen Doppelschwertern. Er zog sein Schwert, dass er nicht ungerächt fiele, aber sie standen still und er sah, dass ihr Antlitz von Glockengut bei der Berührung hohl erklang; diese herzlos Gewaltigen waren angekettet, weil die Wächter draussen auf Kundschaft harrten. Glorreich in sich betrat er den ersten Platz, da sangen die Vögel in ewigem, sichern Frieden und die Blumen schienen keinen Winter zu kennen, die Erde schuf sie in einer Fülle der Kraft, wie nirgend sonst; Fruchtbäume an Glasstäben der Glasmauer aufgebunden, standen in voller Blüte, grosse, bunte Schmetterlinge flatterten hier wie eine Herde. Und er trat weiter in den zweiten Hof, der von Wohnungen umgeben war, da stand ein hoher Schleifstein, der von einem rieselnden wasser wie eine Mühle getrieben wurde und Schwerter lagen umher, die frisch geschliffen waren. Nie hatte er solchen Klingenglanz erblickt, er warf sein Schwert fort und wählte sich das schönste, der feine Sand des Mühlsteins war davon noch nicht abgewischt. Aber kaum war er so bewehrt, da brüllte ihm ein Löwe entgegen, der ein ganz junges Kind, als wär es von ihm geraubt, an den Windeln, worin es eingeschlagen, trug. Mitleid mit dem kind unterdrückte jede Rücksicht, er trat auf den Löwen zu, der das Kind nun fallen liess. Der Löwe erhob sich auf seine Hintertatzen, er durchstach das gewaltige Ungeheuer. Das Kind schrie, er hob es auf, es schien unversehrt, das Kind war ihm lieb wie die Krone, er hatte es erstritten, er konnte es nicht lassen. Nun eilte er von einem Turme zum andern, die Krone zu finden, durch das Gepränge der Silbergefässe in den engen, gewölbten Gängen. Nicht schreckten ihn in doppelten Farbenspiegelungen die gemalten Wächter, nicht die Schneckentreppen in freier Luft, nicht die einzelnen