Abreise entlaufen und zu mir gekommen war. Einstmals machte mich dieser auf ein vielstimmiges Vogelgeschrei aufmerksam. Ich ritt voll Neugierde nach dem seltsamen Zauberklange und fand mich von einem goldnen Netze gefangen, der Ritter hatte es über mich geschlagen, indem dessen Enden an eine goldne Krone befestigt waren. So hatte sich alles erfüllt, mit vielen Küssen erzählte er mir, dass er den Auftrag meines Vaters, die lang bewahrte Krone der Hohenstaufen zu rauben und durch deren Überlieferung seine Versöhnung mit dem Kaiser zu machen, erst erfüllt habe. Die Krone sei in seiner Gewalt, er habe sein Gelübde erfüllt und nichts hindre unsre Verbindung. Da wendete sich mein Herz ganz zur Freude, der Diener pfiff fröhlich, er war immer mit seinem Herrn im Einverständnisse gewesen. Nach dem ersten Freudenergusse berichtete er mir, wie ihn das Geschick begünstigt habe, die Krone in seine Gewalt zu bekommen. Seht hier das dritte Gewebe, den Glasturm in der Mitte des Wassers und hier den kühnen Schwimmer auf dem abgerissenen, treibenden Holzstamme, die Krone auf dem haupt." – Hier hielt sie inne, aber der Prior bat dringend, um die Erzählung, er habe so oft von der Burg der Kronenwächter gehört und nimmer den Ort sich deutlich machen können, wo sie zu finden. – Die edle Frau fuhr dann fort: "Ich lass mich heute einmal gehen, ich weiss nicht warum, doch ihr seid gute Seelen und werdet mich nicht den Unerbittlichen verraten, die mir den Gemahl raubten. Der Ritter hatte durch seinen früheren Aufentalt einige Kunde, in welcher Richtung das Schloss zu suchen sei. Vierzehn Tage war er einsam mit seiner Liebe zu mir durch Wälder und Auen hingestrichen, ein schmerzlich süsses Leben, doch ungewiss seines Entschlusses, es kostete ihm viel, den Willen meines Vaters zu erfüllen. Rätselhaftes, trostloses Geschick, seine Heiligen hat uns der Himmel entzogen, sie wandeln nicht mehr unter uns, die Engel verstekken sich den ernsteren Tagen, und die Gewalt der Jahrhunderte fällt wie ein Fels unerwartet, oft unerkannt auf die Brust des Erwachsenen, der gegen sie immer nur ein Neugeborner ist, und wer ist der Engel bedürftiger, als wir Abkömmlinge grosser begebenheiten." –
"Wir", sagte der Prior mit Bedeutung. "Aber in so trauriger Welt wiegten sich dennoch", fuhr die edle Frau fort, "alle Liebesgedanken an mich mit den klingenden Federspielen auf wilden Rosen des Weges, die Quelle des Weges glänzte von dem Heiligenschein, den sie der Welt zurückstrahlte, nichts entreisst dem jugendlichen Herzen Hoffnung und Reiselust. Endlich wurde ihm der Weg ungewisser, die Hirten seltener, die Wälder hörten auf, Wolken versteckten ihm die Gegend, sie lagerten sich feucht um ihn her und die Sonne ging über ihm, wie ein trübes Mondlicht in schwankender Bewegung. So kam der Abend still und anteillos, als ob er in eine andre Welt übergestiegen, es wurde immer kälter, ein Steinbock, der über eine nahe Klippe sprang, entdeckte ihm, dass er an einem Abgrunde stehe, in welchem zwei Geier mit gewaltigem Flügelrauschen sich um ein zerschmettertes Ziegenlamm mit den Schnäbeln zerzausten, dass ihm die Federn ins Gesicht flogen. Hier musste er sich wenden, er hoffte auf nahe, menschliche wohnung, weil er diese so lange nicht wahrgenommen, musste aber immer weiter von den Menschen fort, immer höher hinauf eine Eisebene ansteigen, die jetzt noch leichter, als im Spätsommer zu überschreiten war, weil das Tauwasser noch keine bedeutende Risse darin gesprengt hatte. Es war ihm schmerzlich so weglos zu irren, aber die hohe Luft füllte ihn mit einem seligen Mute: er müsse seiner Liebe folgen und die alten Schmerzen seines Hauses enden. Da traten über ihm die Sterne aus blauer Himmelswoge hervor und er war gewiss, auch ich müsste in dem Augenblicke zu ihnen aufblicken und für ihn beten, wie er für mich. Und als er so still an einem Eisaltare betete und seine Tränen, die er nicht halten konnte, zum Opfer brachte, da hörte er jenseits einen Zug geharnischter Männer rasseln, die heftig gegen einen unter ihnen tobten, und ihm den Tod schworen, weil er auf der Wacht eingeschlafen sei, nun müssten sie darum in der kalten Nacht wie Gemsen auf den Gletschern herumsuchen, wo der Fremdling tot oder lebendig zu finden und zu fangen sei den ihnen der Hirte beschrieben. Ein paar liessen sich den Fremden beschreiben und der Ritter erkannte sich deutlich an dem Panzerhemde, das rot besetzt sei, an dem grünen Barett. So furchtbar diese Drohung war, so ging ihm doch ein Licht auf, er sei nahe der Kronenburg. Er versteckte sich so gut, dass sie ihn nicht erblickten, obgleich ihr Atem von der wehenden Luft sichtbar über ihn hingetrieben wurde; dann sprang er freudig auf, als sie vorüber, schritt über Eisspalten und kletterte über Felsenstücke, die auf der höchsten Bergebene wie Riesensitze zur Beratung zusammengetragen schienen. Und als er auch diese überschritten hatte, da senkte sich das Eisfeld nach der andern Seite. Er schritt um so schneller, je leichter es ihm jetzt wurde, auch war hier kein Gletscher, mildere Luft wehte ihn an und in der fernen Tiefe glaubte er ein Städtlein mit brennenden Lichtern zu erblicken, das von einem Freudenfeste wach erhalten worden. Er sehnte sich nach Ruhe, bald bemerkte er aber, dass es der Widerschein der Sterne gewesen, in einem grossen Gewässer, das unbegrenzt vor ihm ausgebreitet lag, was er für Lichterglanz gehalten, bald