auf: "Der Kreuzritter!" und lief davon, ihr folgten die andern mit der Äbtissin, nur Apollonia, deren Kleid sich an einen Haken, woran der Teppich befestigt werden sollte, gehängt hatte, konnte nicht aufkommen. Ihr war, als halte sie eine Hand, aus der Erde erwachsen, endlich riss sie sich los und sprang den andern, aller Beruhigungsworte des Priors ungeachtet, wie ein verschüchtert Füllen blind nach, aber er sowohl, wie der Baumeister und Bertold, folgten ihr. Das war auch nützlich, denn an der Tür des nahen Klosters, die von den geschreckten Jungfrauen zu übereilt geschlossen war, fanden sie Apollonien in einer Art Betäubung niedergesunken. "Was ratet Ihr jetzt?" fragte der Prior "Machen wir Lärmen an der tür, so öffnen sie diese darum doch nicht in ihrer Furcht und der Lärmen könnte noch mir und dem Kloster in dieser argwöhnischen, geschwätzigen Zeit eine üble Nachrede machen." – Der Baumeister schwieg, indem er Apollonien unterstützte, deren Lamm unser guter Bertold sorgfältig auf den Arm genommen hatte. Endlich ermunterte sie sich mit heftigem Weinen, indem sie ihren Ruf und die Liebe ihres Vaters schon als gänzlich verloren betrachtete. Umsonst suchte sie der Baumeister aufzurichten, sie sprach immer von der Strenge ihres Vaters und wie sie im Kloster so glücklich gewesen, das ihr nun auf immer verschlossen. Der Prior sah in der Ferne einige Leute, er drängte zu einem Entschluss, schlug Bertolds Haus vor, aber das lehnte Apollonia mit einem Seufzer ab, weil sie sich mit ihrem Vater auf ewig verfeinden würde. Die Tritte der Leute auf den Pflastersteinen wurden immer hörbarer, da führte der Baumeister die Betrübte fort, indem er zum Prior sagte, er wolle sie zu einer fremden Frau von gesetztem Alter bringen, die einen Sohn suche und gewiss an dieser Tochter ihre Freude finden würde, es sei dies dieselbe Bürgerin aus Strassburg, in deren Angelegenheit er ebenfalls einen Grund seiner Reise gefunden. "Das hätte Euch gleich einfallen sollen", sagte der Prior ungeduldig, "mir ist nie so seltsam bange gewesen, wie in dieser Verwirrung."
Sie gingen schnell und schweigend, endlich klopfte der Baumeister bei einem kleinen wirtshaus an, schnell wurde aufgetan und der Prior äusserte sich sehr überrascht, so viele Leute bei grosser Erleuchtung in dienender Tätigkeit zu finden. "Sie ist reich, diese unsre Mitbürgerin", sagte der Baumeister, "auch fordern die Sitten unsrer Stadt mehr Glanz und aufsehen, als wirkliche Verschwendung, wir tragen schon etwas vom Stempel unsrer Nachbarn, der Franzosen." – Der Baumeister ging voran, und die andern blieben in einem hell erleuchteten Vorzimmer, Apollonia und Bertold sahen einander angenehm verlegen an, der Prior kneipte ihnen die Backen und fragte: "Kinder, habt ihr euch denn nichts zu sagen?" – Da trat in sehr bescheidner Tracht, aber mit edlem, festen Anstande eine Frau in dem Alter ein, wo eine gewisse Fülle reicht noch den verlornen Reiz erster Jugend ersetzt, es war ein so wohlwollendes Gesicht, das jeden aus der Verlegenheit riss. Sie hob das Kinn Apolloniens mit ihrer flachen Hand in die Höhe und; sagte ihr: "Schweig nur, ich weiss alles schon, Geheimnisse sind meine einzige Freude auf Erden und ich weiss lange keine Nacht, die sie sich mir so schön angefangen. Wundert Euch nicht, Herr Prior, wenn ich von der Nacht, wie andre vom Tage, rede, ein seltsames Gelübde verpflichtet mich, den Tag zu meiden, das Antlitz der Sonne nie aus Absicht wieder zu sehen! Es war ein sehr unglücklicher Tag, der mir diesen Schwur abzwang, ich verlor Mann und Sohn in einer Stunde durch die verruchten Kronenwächter." "Schweigen wir davon", sagte der Baumeister ernst, "wir sind in der Fremde, wir sind nicht mehr im Verbande treuer Städte und Ihr kennet am besten ihre Kundschafter, wo sie herrschen." "Freilich", sagte die Frau, "aber wer kann sich immer bezwingen, es fällt mir so manches ein, indem ich die beiden jungen Leute betrachte! Du bist recht hübsch Apollonia, bilde dir nichts darauf ein, man achtet's nur, so lange man andern gefallen will; deine Augen sind gross und weit auseinander, wie ich es gern habe, der Mund ist fein geschnitten, die Nase recht gut gebogen, – die ganz krummen Nasen kann ich nicht leiden, sie sitzen im Gesicht, als ob sie die Veilchen der Augen absicheln wollten, – dein Wuchs ist kräftig, du wirst noch wachsen; ohne gemein auszusehen, könntest du dich aller schweren Arbeit unterziehen. Aber Kind, so gut deine hände gebaut sind, waschen musst du dich!" – "Es kommt von den Blumen", antwortete Apollonia, "mit denen das Lamm bekränzt war und auf die ich vor dem Kloster mich stützte." – "Einerlei", sagte die Frau, "du musst dich waschen – ein Waschbecken ihr Leute!" – Die lebhafte Frau liess sich nicht einreden und im Augenblicke trugen ein paar Mädchen ein silbernes Waschbecken mit wohlriechendem wasser und ein Handtuch herbei, das mit Spitzen besetzt war. Der Baumeister war sichtbar wegen dieser Waschung in Verlegenheit, aber er begnügte sich ans Fenster zu treten, als ob er die Adspekten der Sterne belauern wollte. Der Prior trat einen Augenblick zu ihm und sagte: "Was ist das für eine seltsame Frau, unter dem