Himmel in Blitzen sich leer.
Gärende Tiefe will neu sich erheben,
Unterweltschatten durchstossen im Beben
Lieblicher Auen blühenden Grund,
Jupiter schleudert vergebens die Blitze
Von des dröhnenden Götterbergs Spitze
Nach des Vulkanes eröffnetem Schlund.
Weh! die Titanen sich wieder erkühnen,
Schon die feurigen Augen erschienen,
Schon der dampfende Atem sich hebt,
Schön wie ein Fruchtbaum im Herbste zu schauen,
Aber den Früchten ist nimmer zu trauen,
Denn sie zerschmettern bald alles, was lebt.
Sehet die Zähne im geifernden mund
Reissen dem Berge die berstende Wunde,
Lange verschloss er die glühende Wut,
Sehet, der Atem der Riesen entbrennet,
Zündend mit bläulicher Flamme hin rennet,
Sticket der Menschen erdreistenden Mut.
Könnten sie dräuend die Glieder noch regen,
Tapfer die Brust entgegen ihm legen,
Fühlten sie rächend dies Leiden nicht ganz,
Aber die glühenden arme, sie schwinden,
Mutige Augen im Feuer erblinden,
Jammernd verrinnet begeisternder Glanz.
Erde und Himmel zusammen sich brennen,
Chaos, das alte will keiner erkennen,
Wehe dem letzten, der alles das sieht.
Jeglicher glaubt sich geblendet der letzte,
Ehe die strömende Lava sich setzte,
Wie sie jetzt dampfend hernieder sich zieht!
Doch da stehet der Glutstrom gebannet,
Langsam sich jeder vom Schrecken ermannet,
Suchet und findet das eigene Haus,
Findet die Seinen und forschet entzücket,
Wie sie dem Feinde alle entrücket,
Alle erkennen ein Wunder im Graus.
Leiser ertönet der siegende Himmel
Ziehet zum Berge der Wolken Getümmel
Ströme zum alten Bette zurück.
Kühlende Blitze durchspielen die Ferne.
Einzeln entzünden sich wieder die Sterne
Wie der Versöhneten liebender blick.
Luna, die ziehet im glänzenden Wagen
Schauet verwundert die Freuden und Klagen,
Leuchtet, beleuchtet das Wallen der Welt,
Dass die Verirrten die Strassen erkennen
Und die Verwirrten sich freudig anrennen.
Antons Vermählung mit Susannen
Wie beide der Erde schon abgewendet, vor dem Lichte ihrer Gedanken die Sterne erlöschen. – Geistesverklärte haben keine Planeten. – Auf der gläsernen Säule ist ihr Ehebett, der Alte hat sie eingesegnet, eh er sich in die Luft hat sprengen lassen. Anton findet beim Erwachen Susannen nicht mehr und glaubt sie aufgeküsst zu haben, sie spricht in ihm, aus ihm. Preis der Liebe des Alters, der reinen geistigen und ihrer ewigen Lust. In ihrem Lobe, im Vertrauen auf die Krone stirbt er. Der Hunger ist ihm nicht schmerzlich – er hat kein Verlangen nach Speise, selbst die Luft ist ihm zu schwer.
Das Rätsel der Krone
Sie hat die Eigenschaft zu verschwinden, wenn ein Böser sie tragen will; sie besteht aus zwei in einander steckenden Kreisen und Gewölben, beim Bauernaufruhr will Seger sie führen, da ist sie verschwunden.
Das Rätsel der Krone soll sich lösen, wenn die in einander gewundenen Kreisgewölbe, den letzten Stamm darstellend, als zwei, die in eins zusammen gehen, und aus diesem einen wieder dreie von verschiedenen Namen hervorgehen. Dies trifft ein: Anton und Seger, verwechselte Zwillinge, gehen in eins zusammen, und aus dem einen stammen drei von verschiedenen Namen: Antons erster Sohn Anton; der Sohn seiner Schwester Katarina, Wilhelm, den er seiner Frau zum Ersatz für den Sohn des Bertold übergab, dann sein jüngster Sohn, den er unter dem Namen Fortunat mit Frau Anna gehabt.
Nach Antons Tod steigt der Älteste mit seinen Brüdern hinauf und findet die Krone neben dem Leichnam des Vaters, er teilt sie zwischen beiden, indem er die gewölbten Kreise auseinander hebt, den einen Bruder sendet er nach Norden, den andern nach Süden er selbst setzt sich den eisernen Reifen auf, worauf die Krone gestanden, es ist die Mauerkrone, er ist Burgherr. Güldenkamms, oder wie er in letzter Bearbeitung des ersten Bandes umgetauft wurde: Grünewalds geschichte. Er hat sein Leben verwettet in einem Gedichte und dann hat er nicht den Mut, sich ins wasser zu stürzen, nun schämt er sich seines Lebens; er hat die Furcht in sich entdeckt und ist nun in allem gehemmt. Will in ein Kloster flüchten, kommt vom Glockengeläute fortgezogen zum Trauerzug des letzten Stammherrn von Hohenstock, gedenket der zeiten und Abenteuer, die er mit Susannen bestanden, und an die hingerichtete Katarina. Seine Erschütterung, da man die Särge in die Gewölbe nieder gelassen: Tiefster unendlicher Schlaf, bei dir nur findet das
Senkblei
Ruhe inmitten der Sorgen, tief in die Erde versenkt. Selber der Träume strahlendes Licht verschwindet da
unten,
Und die durchsichtige Flut, scheinet da über mir
schwarz.
Ach und so schwer mein Herz – Senkblei kann ich's
wohl nennen,
Hoffnung zum Himmel entstieg, blieb nur
Erinnerung drin.
Hier verlorne Liebe – dort die verlorne Geliebte! – Ja der gedoppelte Schlag wecket unendliche Ruh! Hier verlöschen die Kerzen am Sarge erträumeter
Liebe,
Dort am gemordeten Leben gehen sie glühender
auf.
Bin ich denn noch nicht gestillt? – erziehn mich nicht
schmerzliche Tage!
Jagen Geschütze nicht lange, ernst den flüchtigen
Puls? –
Sah ich Zerschmetterte doch mit Gleichmut in
zückenden Haufen,
Warum erschrecket mich denn, was mir so fern und
vorbei? –
Denn ich suche dein Grab, Susanne, – es liegt mir so
ferne.
Was dem Herzen so nah, lieget doch immer so fern. Löwen, die möchte ich senden die heilige Stätte zu
hüten,
Seit du bei Menschen nicht mehr, scheinen mir
Menschen zu schlecht,
Güte und Schönheit such ich fortan bei Tieren des
Waldes,
Eigen waren sie dir, sie bewährt ewig dein
menschlichGeschick,
Bricht der