aber alle mit Blut bezeichnet, leicht und flatternd in ihren Hemden liefen in fröhlichem Gesange; die an Wunden gestorben, ihre Rüstung war ihnen abgenommen und ihr Fähnlein war aus zerschossenen Hemden zusammengepflastert, darauf stand geschrieben, gegen welches Volk sie gestritten, gegen welches sie um Rache schrieen; ein trockenes Lazarett, das aus dunklen Kasematten auf eine grüne Wiese ausgeführt wird, wo ihre Geliebten ihnen volle Becher alten Weines reichen, so dass sie in Licht, Wein und Liebe zugleich ersoffen sich alle gesunder fühlen, als da sie noch gesund waren, so zog dieser mutwillige Haufen, jeder mit seiner Geliebten, mit Blumen und bunten Bändern geschmückt, und wüteten hinkend auf den verstümmelten Gliedern. Zwischendurch drang die rührende Tonart des Kriegsgesanges der Gerüsteten, die mit den Waffen in der Hand vor dem Feinde gefallen; ihre grossen Fahnen aus allen zeiten, hatten sie mit hinübergenommen, teils die eigenen, teils feindliche, sie liessen Anton ihre Zeit erraten, sie forderten keine Rache; denn ihnen war geschehen, wie sie gewollt; aber ein feierlicher Ernst, eine Gewissheit ihrer selbst, erhielt sie in einer wohlwollenden Rührung, sie wären gern gnädig gewesen aller Welt und wollten für die Ihren am jüngsten Tage reden.
Diesem Heldenzuge des wütenden Heeres entgegen, zog der wilde Jäger aus Osten, ein herrlicher Mann auf hohem Rosse, vor ihm her ein Wolkenzug von ähnlichen weissen Jagdhunden, die suchend liefen, in ewiger Dummheit bellten und am Himmel kein Gewild erspüren konnten, hier roch einer an die Spitze einer Tanne, dass die Nacht ein Hase in ihrem Schatten geschlafen hatte, gleich kamen alle im Kreise, und rochen und bellten, bis der wilde Jäger sie mit starker Jagdpeitsche heulend in die Weite trieb. Die beiden Züge drangen gegen einander und wie sie einander berührten brannte ein Blitzstrahl nieder, dass die Welt in einem Feuerabgrund zu versinken schien, dann war es schwarz vor Antons Augen, er fühlte um sich und fühlte nichts, er wusste nicht, wohin er entrückt war, es war still um ihn her, weder Jagd noch Krieg, aber ein tiefes Atmen, als sei er ein Früherwachter unter vielen Langschläfern.
Endlich berührte seine Hand eines Menschen Mund und mit einem Schrei hörte er wieder die stimme seiner Schwester: "Anton, du lebst, nun so lass uns zu Gott beten, der uns erschüttert hat."
Anton aber fragte: "Katarina, wo sind wir, in welcher Tiefe büssen wir unsre Sünden?"
KAtARINA: "Wir allein stehen aufrecht, wie wir standen, um uns her liegen Freunde und Feinde im Grase hingestreckt und wagen nicht aufzublicken. Aber sprich Anton, was berührst du so stillschweigend meine Augen?"
ANTON: "Siehst denn du mit deinen Augen, warum deckst du mir die Augen zu."
KAtARINA: "Herrlich glänzen deine Augen, wie ich nimmer sie gesehen, weitinleuchtend über die erschreckte Flur und die Feinde, statt zu streiten, beten demutvoll zu dir und bitten dich um Frieden." – Anton fühlte, er sei vom Blitzstrahl geblendet, aber er schämte sich, es zu gestehen, so verlassen von Gott und von der Welt hatte er sich nie gefühlt, als die Feinde ihm den Jäger gebunden überschickten, dass er und die Zigeuner ihnen Frieden und Freundschaft schenken möchten, nachdem der Blitzstrahl ihren alten Anführer Niklas erschlagen habe, der unter ihnen Manasse geheissen.
Anton befahl, den Gefangenen wohl zu bewachen, und die Seinen, die sich jetzt allmählich um ihn versammelt hatten, hoben Geiseln aus, um ihre kleinere Zahl gegen die Übermacht dieser Höhlenbewohner zu sichern. Aber alle diese Bewegungen, diese Vorsicht, alles schien noch durch die betäubende Erscheinung verwirrt, es war als ob ein Menschenfuss durch ein paar Heere streitender Ameisen geschritten, ihre Wut ist in der allgemeinen Zerstörung erloschen und die ergrimmten Feinde suchen gegenseitig bei einander Zuflucht. Da die Herzogin der Zigeuner nicht gegenwärtig war, so hatte das allgemeine Zutrauen Anton als Führer emporgehoben, er aber starrte in eine ewige Nacht und wenn er es ihnen auch zu verbergen trachtete, und jeden Augenblick das Licht der Welt erwartete, so konnte er doch nur nach langsamer Ausfrage gebieten, was der Augenblick erheischte. Aber der Friede war den Menschen aufgedrungen in dem gemeinschaftlichen Schauder vor grösseren Ereignissen, die sich der Welt nahten und die jeder vorerst in seinem Kreise sich zu deuten suchte.
"Den wilden Jäger kennen wir wohl", sagte ein Bewohner der Höhlen, "es ist der Hackelnburg mit der Tut Ursel, sie ziehen vor allen grossen Festlichkeiten aus ihrem Gebirgswinkel heraus; – wie mögen sie aber heute sich entsetzt haben, als ihnen das wütende Heer in den Weg getreten ist, denn das bedeutet grossen Krieg, und wo die alten erschlagenen Landsknechte herziehen, daher kommt es über Deutschland, das wilde Kriegswetter."
"Wie ist die geschichte mit dem Hackelnburg?" fragte Susanna, die Anton wieder traurig auf den Boden hinstarrend erblickte, wie er oft getan, seit dem tod seiner Frau.
Ein alter Jude antwortete: "Wir haben viel von dieser geschichte im land gehört, in unsern Büchern steht nichts davon. Er soll ein gewaltiger Jägersmann gewesen sein, der Hackelnburg, die Tut Ursel aber eine Nonne, die in ihrer höchsten Andächtigkeit die andern Nonnen mit ihrer schrecklichen grunzenden stimme gestört hat, Hackelnburg hat ihre stimme im Chore gefallen, weil sie der eines wilden Ebers ähnlich, er entführte sie, verliess sie aber im wald wegen eines Traumes, der