, Enten und Hühner sehen mit Neid die fröhlichen Zugvögel fortziehen, alle Tiere macht der Winter ernst und boshaft und der Mensch, der alle beherrschen sollte, verkriecht sich furchtsam vor ihnen und liest in dem Fluge, in dem Geschrei der Tiere abergläubische Zeichen einer höhern Gewalt.
Du armer Mensch, wärst du doch wie jene Murmeltiere einem Winterschlafe wenigstens unterworfen, wenn du nicht mit den Zugvögeln dich in die Gegenden ewigen Frühlings flüchten kannst oder wie die Wasserlilien nur zum Blühen an die Oberfläche kommst, o dass du ihnen nicht gleichtun kannst und schlafend, oder wandernd, oder versinkend dem Winter entkommen magst; keiner von uns mag so schnell ziehen und versinken, um der Kälte zu entkommen, die in einer Nacht halbe Weltteile überfliegt, und wer schliefe so fest, dass ihn der Frost und der Sturm nicht weckten, so schlafen nur die Toten. Die Lebenden aber wie das Grün, das noch aus dem Schnee wunderbar hervorblickt, strecken ihre arme von ihrem Lager in die Welt, der Sonne entgegen, aber sie wärmt nicht mehr, sie erschrecken vor ihr wie vor einer alten Freundin, die in einem Augenblicke ihnen fremd geworden ist. Aber die Trompeten schmettern in allen Strassen, gedämpft von den Schneelagen, doch hörbar, der Feind ist nahe, der Freund ist in der Not, Not und Ehre rufen ihn, doch der die ganze Welt vergessen möchte, die Schüsse fallen immer näher, das Laufen der Flüchtenden hallt immer schneller, er fühlt keinen Frost mehr, ihm ist heiss wie in Frühlingsluft, die Ahnung, hier müsse er kämpfen, durchlebt ihn, ob der Himmel hell oder dunkel, nur eine Tätigkeit in ihm und um ihn her, nur ein Bestreben, denen, die ihn vom traurigen tod des Erfrierens erweckt haben, sich anzuschliessen, ihre Feinde sind seine Feinde und wäre es die ganze Welt.
Mit solchem herz voll Ahnungen des Mutes sprang Anton unter der Schneedecke hervor, die ihn während des festen Schlafes am Waldabhange unsichtbar gemacht hatte, das grüne Gras sah gedrückt, doch hell an der Stelle hervor, wo er gelegen hatte, und dampfte von seiner Lebensglut, die zu ihm übergegangen war, er sah es noch, so träg und trüb war seine Seele, trotz der dringenden Gefahr der Seinen, die ihn anriefen, mit seinem Zigeunernamen: "Huty, Huty, wenn nur unser Huty bei uns wäre."
Auf der andern Seite sahen ihn die Juden und riefen ihm zu: "Komm zu uns Simson, du sollst unser Führer sein, zieh aus dein Schwert!"
Der dürre Jäger weckte ihn und rief: "Komm zu uns, denn bei uns ist deine Schwester, deine Kinder, Susanna und Güldenkamm!"
Diese Worte hätten Anton entschieden, sein Schwert gegen die Zigeuner zu wenden, da erschienen ihm die Seinen wie goldne Morgenflammen, wie sie am Berge fortzogen und nach ihm riefen, weil sie ihn überall vermisst hatten. "Anton! Anton!" schallten ihm die teuren Stimmen, die nach ihm riefen, und er wandte sich zu ihnen zurück, sie sahen ihn und sprangen noch bleich vom Schrecken auf ihn zu. "Steh Katarinen bei", rief Güldenkamm, "sie ist mit ihren Jungfrauen im stärksten Kampf beim schmalen Wege am Sumpfe."
Anton eilte mit einer allmählichen Erwärmung seines Gemüts nach jener Seite, es war ihm, als hätte er nach einem Vierteljahre Kerkernacht wieder die Sonne erblickt; ihm war, als ob er noch zu etwas tauge, und eine Rührung durchschnitt ihm das Herz, als dränge ihm ein blankes Schwert hindurch und machte es der Last seines Lebens frei; die Reue war ein Greuel in diesem leib gewesen, der sich nicht beugen konnte, weil er zu stark war, der sich nicht vor der Welt büssend im Staube verkriechen konnte, weil er zu gross gewachsen. Es war ihm ein Bewusstsein geworden und er sah sich in der Tat, wie der volle Mond das erleuchtete Viertel sieht und auch in klarer Nacht an seinem rand gesehen werden kann, er handelte, er wusste, dass er handelte, und so riss ihn nichts mehr unwissend fort. Zwischen Klotilden, die mit ihren ergebnen Zigeunermädchen die brücke besetzt hielt, und zwischen den Juden, die sich zum Angriffe mit Jagdspiessen anschickten, war noch ein gegenseitiges Zuschrein und wildes Unterhandeln; die Juden meinten sie durch Überredung von ihrem Passe zu vertreiben und schickten sich nur ungern dazu an sie anzugreifen, die ihnen mutig mit gutem Degen unter die Augen trat. Der dürre Jäger trat endlich zwischen beide und suchte beide zu besänftigen, sein Anblick aber mehrte so gewaltig die Wut der Jungfrauen, dass sie mit dem Geschrei "Tod dem Verräter" auf ihn eindrangen, eben als Anton ganz in ihre Nähe getreten. In diesem Augenblicke schwärzte sich der ruhelose Nachtimmel und hoch in den Lüften erschallte durch die schwarze Luft ein kriegerischer Marsch in harter Tonart, scherzend in Wildheit. Die Juden schrieen auf: "Das wütende Heer, werft euch nieder!"
Alle warten sich nieder wie schwarze Garben auf der weissen verschimmelten Flur, auch die Jungfrauen warfen sich nieder und schimmerten wie Blutstropfen in dem weissen unschuldigen Lammfelle der Erde, Anton aber beugte sich nicht, sondern hob drohend über sich sein Schwert. Und bald sahen die wütenden Scharen auf ihn und zogen doch weiter wie Kriegsvölker, die vor der Bildsäule eines feindlichen Helden lobend vorüberziehen und in sich denken, dass die Lebenden recht behalten. Welch ein Gewirre von Trachten,