seid unser,
Stehet auf der Wegesscheide,
Euer Weg, der führt zum Galgen
Und der unsre führt zum Balgen,
Ihr seid auch von unsern Leuten,
Uns hilft Streiten und Erbeuten.
Sehet euch nicht um und weinet,
Ihr versteinet,
Eure Stadt seht ihr nicht wieder
Euer Haus geht auf in Feuer,
Werdet frei von dem Gemäuer,
Lasst euch nirgend wieder nieder,
Maurer, Zimmerleut sind Feinde
Und die Welt ist die Gemeinde.
Die Zigeunerkönigin
Einer sehe nicht nach den andern,
Ihr müsst wandern.
Wo kein andrer ist geboren,
Überm Stroh geschorner Felder,
Überm Besenreis der Wälder,
Wo der König steht verloren,
Von der Erd löst euch die Schuld,
Steigt durch Tat zu Himmelshuld.
Zigeuner
Springt das Grün aus Frühlingstrieben,
Sollt ihr lieben,
Sind verguldet alle Saaten,
Müsst ihr ernten ohne Säen,
Scharfe Schwerter können mähen,
Haun aus jedem Schwein die Braten;
Graben wir nach fetten Dachsen,
Knarren bald die Wagenachsen.
Betet nur kein Vaterunser,
Ihr seid unser,
Müsst mit uns auf Felsen klimmen,
Ihr seid nirgend mehr willkommen,
Wollt ihr zu einander kommen,
Müsst ihr wie die Fische schwimmen,
Wer noch durch die Luft gezogen,
Hat den Teufel drum betrogen.
Die Zigeunerkönigin
Hunger lehrt euch prophezeien,
Lasst euch weihen,
Sagt erst Kindern, was sie wollen,
Jungen Mädchen sprecht vom Knaben,
Heimlich kommen euch die Gaben,
Klebt ihr nicht an Erdenschollen,
Ahnen euch der Wittrung Taten; –
Helden kann ein Held erraten.
Propheten sprechen oft zu uns aus unserm eigenen mund, an das Unbedeutende heften sie den blick mit Ahnungen und wir fühlen ein gemeinsames Leben mit aller Welt. O ihr Ahnungen, wunderbare Seher der Zukunft, eure Sternzeichen leuchten in der unerschöpflichen Tiefe unsres Herzens, ihr seid das Licht, ihr seid das Auge zugleich und darum seid ihr nicht zu erkennen und zu begreifen mit der Vernunft. Mit wechselnder Schnelligkeit hebt überfliessend der Eimer des neuen Lebens, dass sein herabfallender Überfluss im Brunnen uns erst hörbar wird, wenn der geleerte Eimer schon in leerer Gegenwart schwankend niedersinkt. Das Herrlichste erkennt sich erst, wenn es vorbei, und darum begrüsse ich euch dankbar und locke euch liebevoll, ihr viel verschmähten Ahnungen; aus euch atme ich hoffend und leicht in die Welt, durch euch schlägt jede Ader mächtiger und freut sich ihrer unendlichen Verflechtungen, die ein Vorbild sind, wie die unendlichen Geschlechter der Erde aus einem Blute stammend auch an ein Blut glauben sollen, das für alle vergossen, alle zur Seligkeit führen wird. Wie sehen wir ahnend so anders in die Welt, und in dem Himmel sehen wir, wie ein allumfassendes Blau die verbrennenden Gestirne ernährt und herstellt, woraus wird uns in Ahnungen so wohl? – O könnten wir doch auch rückwärts unsern blick in eurer Kraft wenden und die Welt verstehen lernen, die unsere Erinnerung belastet, könntet ihr das Vergessene und Verborgene uns wiederbringen, erst dann wäre unsre Welt unendlich und dazu möchte ich euch zur Stunde meiner Geburt hinwenden, das Gefühl zu wissen, mit dem der Mensch sein Auge zum erstenmal öffnete, zu wissen, wie er dann in der Wiederkehr des Jahres, nachdem er den grossen Kreis das erste Mal durchwandert, den Jahrestag seiner Geburt feierte, ja dann wüsste ich, wie die Erde fühlt mit ihren Saaten und Wäldern in jeder Jahreszeit, ob die Tiere ihr Leben rühmen, das auf einen Jahreslauf beschränkt ist, oder ob sie neidend den überlebenden Geschlechtern, sich vor der Luft verkriechen, die sie erweckt hatte, und entschlummern. Dann wüsste ich, wie jedem Geschlechte der Tiere zu Mute ist, wenn der Tod des Jahres, der Winter, alle Blätter abstreift; – was die Vögel singen, wenn diese gleich ihnen durch die Luft fliegen, was das Gewild schreit, wenn sie ihnen das Gras bedecken und die Fische, wenn sie wie unzählige kleine Nachen auf der Wasserfläche umhergaukeln bis sie versinken. Eine schwerere Decke überzieht aber bald mit gleichem Weiss die vielfarbige Erde, wie mögen die Ameisen erschrecken auf ihren weiten Wanderungen, wie mögen die Bienen trauern, wenn sie ihren Vorrat, die goldene Erinnerung unzähliger Blumenküsse in der Not angreifen, was mögen die Fische träumen, wenn eine harte, trübe Eiswölbung sie in härterer Gefangenschaft hält als die Netze, denen sie so oft entschlüpft sind, und sie von der Oberfläche bannt, an der sich das wasser erneut, in der sie so oft fröhlich des Sonnenscheins rauschten, wie sie erschrecken, nun der Hirsch, den der Teich so lange tränkte, verwundert über ihr Haupt hintobt und mit hartem Hufe anklopft, bis er die Eisdecke eingeschlagen und dann selbst erschreckt den Kopf zurückzieht, wenn ihm die scheuen Bewohner des so spiegelnden Elements ungeduldig entgegentreten, weil sie schon erstickt sind in der kalten Nacht und verkehrt oben aufsteigend kaum noch die Flossen zu regen vermögen. Wie sich in der Liebeszeit des Jahres die Tiere über einander fröhlich verwunderten über alles, was jedem besonders verliehen, wie die Krähen da sich Flöckchen Wolle zu ihrem Neste von der Fülle des Schafs abrissen und der treue Hund, der es nicht leiden wollte, ihnen kaum eine Feder ausreissen konnte und den sichern Fang erstaunt in die Luft emporsteigen sah und vergebens danach emporsprang, wie der ergrimmte Hahn die Enten auf dem wasser nicht weiter verfolgen konnte, die seinen Hühnern das Futter weggefressen, so beneiden einander alle in der Schreckenszeit, die Krähe sieht von ihrem dürren Ast den dichten Pelz des Schafes mit Neid und möchte sich darin kleiden