bist des Todes, du teilst mein Lager oder wir sind auf ewig geschieden wie zwei Felsen durch einen Wasserstrom!"
Da regte sich die Gestalt, da schien sie zu verschwinden, trat aber dann den Weg hinauf ganz in der Gestalt seiner Frau, nur war sie, wie der Sternenschein aussagte, in ihrem Angesichte frischer, sie trat auf ihn zu, umfasste ihn und konnte nicht reden. Wenn aber der Wolf seinen Fang sucht, da ist er still, dass seine stimme nicht erschrecke, so still zwang Anton die Gestalt seinem Willen und sie schien dem Zwange mit zögerndem Wunsche zu begegnen, sie entschliefen beide in Lust und der Wind, der auf Blumenrädern, und der Sturm, der auf Eisnadeln über sie hin fuhr, konnten sie nicht erwecken. Als aber die Sonne aufging, da träumte Anton, er falle in eine Höhle, die bis in den Kern der Erde gehe, er wollte sich helfen und erwachte, der Zaubertrank der Zigeuner war verraucht, er sah die Frau an seiner Seite, um die er sich und die Stunde verflucht hatte, in der er sie wieder berühre, und die Stunde hatte schon lange ausgeschlagen und der Fluch brannte in seinem haupt wie brennender Zunder, der einem Pferde in das Ohr gesteckt ist, dass es durchgehe; es schauderte ihm, dass das Messer in seiner Schale zitterte, das am Gürtel hing, er zog es und rief: "Du oder ich!"
Das Messer war in Frau Annas Brust, sie war es gewesen, sie selbst, sie war vom Weine in Gedanken verwirrt, von dem zug der Frauen abgekommen; unbekannt mit der Gegend war sie ihrem Mörder in die arme gelaufen, den sie mit ihrer Gunst stillschweigend zu versöhnen trachtete, denn sie kannte ihn sonst zwar heftig, aber ohne Falsch und was er sonst küsste, das war ihm heilig dadurch auf immer und ewig.
Jetzt zogen die grauen Wolken über ihr und sie wusste nichts davon, die Zugvögel flüchteten vor dem neuen Wetter, sie aber war schon weiter gezogen, der dürre Jäger stand aber hinter dem erstarrten Anton und fragte ihn: "Bruder, ein Wildbret, du fällst mir in meine Jagdgerechtigkeit, soll ich dich auf einen Hirsch schmieden und durch den Wald jagen, was hast du geschossen, was so schweisst, deck deinen Mantel auf, wir wollen teilen!"
"Nimm uns beide", rief endlich Anton und schlang die goldne Halskette, die er zum Geschenke erhalten hatte, um seine beiden hände, dass er festgebunden war, "diese gib der Erde, mich aber übergib dem Richter, der an Gottes Stelle auf Erden richtet, mich bringe als Mörder nach Waiblingen, so will ich dich zum Erben setzen von allem, was noch auf Erden mein ist."
"Nicht also, guter Bruder", sprach der dürre Jäger, "haben wir gewettet; ich habe auch mein Weib umgebracht, wir kennen uns nun besser einander und keiner hat dem andern was vorzuwerfen, sei kein Tor, dich den Gesetzsprechern auszuliefern, die doch keinen Armen vor Mord und Totschlag in dieser Zeit schützen können und viel tausend Landsleute um eine Frage, die keiner versteht, niederhauen lassen, ich meine, du bist eines vornehmen Herren Kind, ich habe auch vom Grafen Rappolt gehört, zieh ab, hier ist kein Boden für uns beide, was hält dich noch hier?"
"Mein Kind!" seufzte Anton, "und diese Leiche."
"Fort mit ihr in den Strom, der sich hier durchquält, er mag sie tragen, wohin er will!"
So tat der Jäger, eh' er's sprach, und als Anton sich ihm nach werfen wollte, trug er nur noch den Brief auf seiner Fläche, der aus Frau Annens Busen gefallen war, und legte ihn dem Erstarrten zu Füssen. Der Anblick hielt ihn zurück, er trat in das Bewusstsein eines grösseren Geschickes, dem nicht zu entfliehen sei, seine Augen weilten auf der ewig wandelnden, ewig gleichen Fläche des Stroms, der jetzt Katarinens verweintes Angesicht ihm abspiegelte, wie sie den kleinen Wilhelm auf dem arme, den kleinen Anton an der Hand mit Güldenkamm und Susanna über die Wiese aus dem Pachtofe fortzogen, während die Pforzheimer, die sich alle Pferde der Sicherheit wegen zugeeignet hatten, über das Feld fortjagten, dass sie der Grenze entkämen. Nimmer war eine sehnsucht nach dem tod in Antons Seele erwacht, jetzt aber war seine Seele in den Worten: "Mir wäre besser, dass ich tot, als dass durch mich solches Unheil in die Welt gekommen." – Katarina ihm gegenüber seufzte in den Wind, der gleichgültig über alles hin das Tal mit dem Flusse hinabgleitete: "Mir wäre besser die Schande, als eine Ehre, die mir den Geliebten entrissen!"
Beide standen so von einander getrennt und achteten nicht, was rings geschah, da pfiff es aus allen büsche, und wie in einem Wirbelwind auf einen Kreis aller bewegliche Staub und gelbe Blätter zusammengedreht sich vereinet, so standen sie plötzlich zu beiden Seiten von den gelben bestaubten Scharen der Zigeuner umgeben, die Anton wieder erkannte, mit der Hand von sich fortwinkte, die hände dann faltete und von sich fort zu beschwören schien. Die Zigeuner versammelten sich aber, mit der Begleitung vieler Maultrommeln und Querpfeifen singend, immer näher um Anton und Katarinen, dass ihr Hauch im Aufschreien die blonden Locken durchschauderte:
Zigeuner
Betet nur kein Vaterunser,
Ihr