durfte er sich den Sporn anschnallen, erst dann durfte er sie umarmen, dann wechselte sie im Beisein aller Pforzheimer die Ringe mit ihm, die sie dem toten Bürgermeister abgezogen hatte, als Zeichen ihres Verlöbnisses. Als er sie an seinen Mund, an sein Herz gedrückt hatte, da fühlte er erst seine Wunden und sank auf seine Knie und küsste ihre hände. Sie liess es geschehen, sie sah den Sieger, den Ihren gern zu ihren Füssen, sie fragte ihn, welcher Zufall ihn in ihre Nähe geführt. Er sprach, wie er ihr noch recht lange habe nachsehen wollen, ihr und dem zug, so sei er von Hügel zu Hügel hinter ihnen hergegangen, er habe aber nicht gewagt sich ihnen zu nähern, er habe sie mit Herzensjubel zuletzt auf dem feld belauscht, wie sie die Feldzwiebeln neben sich geköpft, auch sei er schon bereit gewesen ihr zu hülfe zu eilen, als die Winzer sie ergriffen, doch ihm habe es geschienen, als sei es mit ihrem Willen. Leise sei er endlich dem zug der fröhlich mit Weinlaub Geschmückten gefolgt, bis er ihren Ruf nach hülfe und Rache vernommen. "Mir ist alle Seligkeit geworden auf Erden", so sprach er, "du hast zum Ritter mich geschlagen, dein hohes Blut mit mir verlobt, und wie ein Pferd bei einer vollen Krippe, nachdem es seines Lebens satt und froh mit seiner Halfterkette spielt, so will ich mit dem Ringe spielen, wenn mich die Kraft verlässt noch die geliebten hände festzuhalten."
Bei diesen Worten sank er um, erst jetzt sah Katarina, dass er an zwei starken Stichwunden in der Seite verblutet war, o du armer Stolz der Erde, jeden Tropfen des gemeinen Blutes hätte sie gern mit ihrem hohen Blute erkauft, ihre Hand, die ihm den Himmel aufschliessen konnte, hatte keine Macht ihn auf der Erde festzuhalten und ihre Augen, die ihm sonst in steter seliger Nähe vorschwebten, versanken in die unendlich tiefen Brunnen voll Tränen wie fallende Sterne am Todestage der Welt. Rings um den Sterbenden waren alle Lebenden auf ihre Sicherheit bedacht, sie gedachten aber nicht, welches Pfand der Unverletzlichkeit ihnen geblieben, die Kinder der Stadt, die sich in dem Garten beim Spiele eben so rauften wie ihre Väter beim Weine, erst bei den Klagen der Weiber, die aus dem feld heimkehrend das Schrecken erfuhren und um ihre Kinder fleheten, dass man sie ihnen zurückgeben solle. Aber Blaubart erkannte schnell seinen Vorteil, er versprach ihnen Schonung der Kinder, wenn sich alle Bewohner von Waiblingen während der Nacht in die Stadt zurückzögen, dass sie sicher vor jedem Überfalle den Morgen erwarten könnten.
Herr Arnold, der glücklich entkommen war, ging diesen Vertrag ein, nur sagte er, dass sie Güldenkamm und Susanna, die von dem Lärmen aufgeschreckt ihrem Herrn zu hülfe eilten und den ergrimmten Flüchtlingen in die hände gefallen waren, zur Sicherheit des Vertrages, als Unterpfänder bewahren wollten.
In dieser schrecklichen Nacht, wo jeder für die seinen bebte, sich aber gern vergessen hätte, stieg zum erstenmal der grosse Komet aus dem Schosse der Nacht auf, der nachher noch so viel Blutvergiessen über die Welt gebracht hat; das traf in das schönste Wohlleben Deutschlands. So ist uns oft das Leben eines einzelnen Menschen ein Bild von den Schicksalen seines Volkes, oft voraus warnend, oft zu spät. – So mögen wir auch wohl erwägen, was sich zwischen Anton und Frau Anna in dieser Nacht ereignete. Er war erschöpft an einem Rebenhügel liegen geblieben, dort hatte ihn die Zigeunerin gefunden und mit einem brennenden Getränke, das damals nur den Kranken gegeben wurde und das aus der Gärung der Kirschen in künstlicher Destillation erhalten wird, wieder zu seinem verstand gebracht, er kannte sie wieder, sie gab ihm Speise und brachte ihm einen Gruss von seinem Vater Rappolt, der da noch lebe und ihn zu sich rufen lasse, ihm im schweren Dienste seine jugendlich wachenden Augen zu leihen, weil er allmählich erblinde. Diese Nachricht beruhigte Anton, er sah wieder ein Ziel, wonach er streben konnte, einen Schatz, durch den er den Waiblingern die Verwüstung ihrer Kirche vergüten könne, eine Rache gegen seine Frau, wenn er ihr seinen Überfluss und sein Erspartes zusenden konnte.
Die Zigeunerin versprach, seiner im wald zu warten, um ihn zum Vater zu führen, er eilte die Seinen von dem Feste abzuholen. Es dunkelte, als er wieder in die Nähe des Pachtofes kam, und wie er über die reiche Gegend sah, die abgeerntet wieder neu belebenden Stoff den himmlischen Strahlen ausgelegt hatte, da regte sein Herz wieder die Nähe des zärtlichen Gespenstes, es war ihm diesmal nicht unwillkommen, doch schien es scheuer vor ihm hinter jedem Busche sich zu verstecken, er lockte es sanft wie ein Schäfer das Lamm, das einem Abgrunde nahe steht, er gab ihm schmeichelnde Worte, pflückte weiches Laub von den Weinreben und mochte den Vorübergehenden wohl töricht vorkommen wenn nicht der Weg an diesem Festtage den Verirrten nur gehört hätte. Zärtlich bewegte sich das geliebte Bild vor ihm, umsonst mahnte er es, sich ihm zu verbinden, er sei ein Neugeborner aller Fesseln frei, seit er die Stunde verflucht, die ihn wieder mit seiner Frau verbinde, aber die liebliche Gestalt, bald seiner Frau, bald Susannen ähnlicher, schien den Spass wie ein törichtes Kind allzuweit zu treiben, er zürnte in seinem erhitzten Gemüte, zog sein Messer und rief: "Teufelin, ein Wort, du bist mein oder