mochte und alle nur aus Rücksicht, weil sie mit den Fremden gekommen, es beim Zischeln bewenden liessen. Als der Hunger aber so mächtig in ihr wurde, während die meisten andern schon den Käse schabten, dass sie die fortgeschobenen Teller einen nach dem andern vornahm und mit dem Brote bis zum letzten ausputzte, da konnten sich viele nicht mehr des Lachens entalten. Sie wollte trotzig die Ursache wissen eine dreiste Frau vertraute es ihr, da wurde sie so beleidigt, dass sie mit so elendem volk gar nicht mehr ausdauern mochte und die Gesellschaft verliess. Kaum war sie fort, so legten die Pforzheimer mit allen sonderbaren Geschichtchen los, die sie von ihr unterwegs erfahren, wie sie ein Kind gehabt und doch Jungfrau sei, dass sie ein unehelich Kind und ihre Mutter eine Hexe.
Zum Unglück war Güldenkamm und Susanna bei diesen Erzählungen nicht gegenwärtig, sie hätten ihnen sonst Einhalt getan, beide waren gleich nach der feierlichen Rede in die Stadt gegangen ihren Anton aufzusuchen, den sie im Ratskeller oder sonst bei alten Bekannten vermuteten und dem Feste zuführen wollten.
Nach Tische begann die Traubenlese, freilich an diesem Tage mehr zum Schein als des Nutzens wegen, denn jeder durfte essen was er brach, jeder durfte sich die reifsten Trauben auslesen und sich damit nach der grossen Weinlaube begeben, wo ein Fass Wein auf gemeinschaftliche Kosten ausgetrunken werden sollte.
Beim Weine fiel es dem unbescheidnen Junker Blaubart ein, dem Waiblinger Burgemeister einen Pforzheimer Mut zuzutrinken, wenn die Bauern einmal wirklich vor die Stadt zögen und nicht ihre arme Kinder so voraus zu schicken.
Der Burgemeister rief Arnold, er möchte einmal hören, was der Pforzheimer spreche, ob es auch nicht ihrer Stadt zum Nachteil gereiche. Da gab es harte Worte von beiden Seiten; eben sollte es zum Losschlagen kommen, als eine grosse Schar Winzer mit verdeckter Trage und grossem Geschrei zur Gesellschaft heranzog.
Es war nämlich die Sitte des Landes, dass die Winzer gegen Abend auszogen und Mädchen, die etwa müssig umherliefen, auf ihre Trage legten, um sie unter dem Namen der Herbstsau zum Gelächter aller in die Gesellschaft der Fleissigen zu bringen, solch ein Mädchen musste sich mit allerlei Geschenken loskaufen.
Welch eine Verwunderung, als jetzt die stolze Katarina aus der geheimnisvollen Verhüllung hervorkam und mitten im Geschrei und Gelächter wie eine Königin sich gebärdete. Da sie den Gebrauch nicht kannte, weil im Gebirge kein Weinbau getrieben wurde, so hielt sie die Winzer für Abgeordnete, die sie auf eine recht ehrenvolle Art als Königin des Festes der Gesellschaft zurückführen sollten und war natürlich jetzt verwundert, von allen als Sau! Sau! Sau! sich anrufen zu hören und die Neigen aus aller Gläser wie einen Regensturm auf sich fallen zu fühlen.
"Güldenkamm!" rief sie mit lauter stimme; der war aber mit Susanna im Ratskeller so gutmütig festgehalten von der Wirtin, dass er seiner Geliebten nicht gedachte, "ach", seufzte sie, "wäre mein Wilhelm hier, er liesse mich nicht ungerächt, warum habe ich die treue Seele verstossen – nun macht's nur nicht gar zu grob", fahr sie fort, als ihr Brot und Käserinde an den Kopf flogen. Dies war das Ziel ihrer Demütigung, denn mit einigen kräftigen Schlägen lagen plötzlich die Winzer, die sie auf dem Schandsitze festgehalten hatten, am Boden; "Katarina – Wilhelm – dein – mein – mein Leben um deine Ehre!" – mehr konnten sie nicht mit einander reden, Wilhelm wütete gegen die Menge und wäre sicher verloren gewesen, wenn nicht die Waiblinger in der Meinung, er sei ein Pforzheimer, der den alten Streit erneuern wolle, gegen diese Gäste losgeschlagen hätten.
Da gab's ein Schlagen, Junker Blaubart hatte bald auch blaue Augen, und hätte er nicht ein Messer gehabt, so war er verloren; vielleicht wäre alles nicht so schlimm geworden, wenn nicht, sonderbar war es anzusehen, die Weinlaube, deren Stützen zum Schlagen ausgerissen wurden, endlich über die Fechtenden zusammenstürzte, die in ihrem grünen verflochtenen Netze die Drohenden festielt. Manche Traube kühlte den zornigsten Mund, indem sie sich auf ihm zerdrückte, und es schien, als ob sie der Freude erzogen den Streit nicht leiden wolle.
Aber Katarinas beleidigter Stolz litt keine Hemmung, sie verhöhnte die Waiblinger mit bittern Reden, indem sie alle weibische Männer nannte, welche die Ehre einer Jungfrau nicht zu achten wüssten.
Wilhelm und die Pforzheimer, die bessere Messer und ein paar Degen hatten, arbeiteten sich zuerst von dem Flechtwerke los; da sie nun auf vielen hart herumtrampelten, die darunter vergraben lagen, so erweckte ihr Geschrei Furcht in den andern, als erst einige flohen, wuchs die Zuversicht der Pforzheimer ungeachtet ihrer geringen Zahl, dazu kam, dass in der Dunkelheit die halb berauschten Waiblinger, die sich unter der Laube allmählich erhoben, einander verkannten und mit Faustschlägen sich einander gegenseitig traktierten. Nach einer halben Stunde waren die Waiblinger, so viele deren noch gehen konnten, ausserhalb der Mauer des Hofes, der aus alter Zeit her noch wie eine Burg befestigt war und nur einen Zugang hatte. Wilhelm zog die brücke auf und sah jetzt als der einzig ganz Nüchterne nach den Verwundeten auf dem Schlachtfelde.
Katarina kam ihm mit einem goldnen Sporne entgegen, den sie einem verwundeten Ritter Landschaden abgenommen, auch nahm sie ihr Schwert wieder, das sie hatte in der Laube stehen lassen, und schlug ihren Geliebten zum Ritter mit dreimaligem Ausrufe: "Besser Ritter als Knecht!" erst dann