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Frau und dein Kind müssen darben; dir soll ich noch gute Worte geben, hab ich dich nicht verflucht, so fluche ich dir jetzt, dass deine arme verdürren, mit denen du mich an dich gedrückt, das die Lippen dir vergehen, mit denen du mich geküsst."

"Halt inne Weib", rief Anton, "ich habe dich längst verflucht, du gibst mir zurück alle Blitzstrahlen, die ich auf dein Haupt zusammenbeschworen, als du mich hilfsbedürftigen Kranken, der sich von ganzer Seele nach dir sehnte, der ein ehrlich Leben fleissig und fromm mit dir zu führen begehrte, mit Spott von dir wiesest, jetzt will ich dich bezahlen, wie du es verdient hast." – Bei diesen heftigen Worten ergriff er seinen grossen Sack mit Geld und warf ihn der Frau hin, dass die Gulden daraus umherflogen; "da hast du deine silbernen Becher und allen Plunder, den ich mit dir erheiratete, zehnfach wieder, kauf dir, was dein Herz wünscht." – In diesem Augenblick kam ihm der Gedanke, er möchte den wundertätigen Beutel mit dem Geldsacke verschenkt haben, doch konnte er sich nicht zu der Demütigung entschliessen, auch das Kleinste von dem zurückzunehmen, was sein Übermut ihr geschenkt hatte; "mag alles hin sein, ich bin gerechtfertigt und gerächt", tobte seine leidenschaft, und mit schneller Heftigkeit ergriff er den kleinen Wilhelm, den Susanna getragen hatte, reichte ihn seiner Frau und sprach: "Sieh Anna, dass dir nichts durch mich genommen sei, was ich nicht herrlicher dir erstatte, nimm dieses Kind, sieh wie viel herrlicher es in die Welt lacht als das kümmerliche Altmannskind, der Oswald, das sei dein, es ist meiner Schwester Kind, du wirst es lieben mehr als dein eigenes Kind, ziehe es auf nach deinem Gewissen, es wird eine Zeit kommen, wo ich es von dir zurückfordre!" – Das liebevolle Angesicht des fröhlichen Kindes hatte Frau Annens ganze Liebe gewonnen, sie drückte es an ihr Herz, seufzte, weinte und sprach zu Anton: "Herr, du hast alles herrlicher vollendet, als ich armes Weib gedachte, der Mund, der dir fluchte, kann dich auch segnen, Herr, ich werde nimmermehr froh als in deiner Nähe."

Als Anna diese Worte sprach, erstarrte Antons Angesicht; in wohliger Erfüllung seiner Wut, gedemütigt vor ihm sollte die stolze Frau erscheinen, er aber konnte nicht bleiben, und dass der Huf seines Rosses sie zerschmettert, wenn sie dessen Hufen umklammert hätte, um es festzuhalten; er riss seine Sporen durch ihre hände, die seine Beine umklammerten, er stieg auf sein hohes geharnischtes Ross, es erhob sich und liess die goldnen Hufbeschläge fallen, die Frau Anna in Verzweiflung aufhob, während der Zug in rascher Eile ihr vorbei in die Stadt jagte, viele ihrer lachten, und nur Susanna ihr einen milden blick und ein Gebetbuch zuwarf; einsam blieb sie im Staube liegen, denn die Kinder, selbst ihr eigenes, folgten jubelnd der Reiterschar, vor der die Herden im feld nach allen Seiten flüchteten und die Bürger, die aus ihrer geringen Zahl ihren guten Willen erkannten, die Tore öffneten. Da sass sie, wie ein Stein am Wege in eigner Schwere noch alle Lasten, die jeden drücken, ertragen muss, damit alle sich erleichtern, sie konnte nicht empor sehen zu Gott, denn sie hatte geflucht wie kein Frommer, aber da sah sie nieder ins Gras und sah in die Blumen und sah in die Augen des kleinen Wilhelm und es schwand ihr Wut und Fluch, Gram und Herzeleid, und das Kind war mit diesem Blicke an ihr Herz geknüpft durch ein Band fester als jenes im Mutterleibe, sie legte es sanft wiegend an ihr Herz und ihr Herz hatte Freude undder dürre Jäger, der sie hohnlächelnd durch das Gebüsche belauscht hatte, trat jetzt zu ihr und brachte ihr einen Brief von ihrem Mann, es war derselbe, den er dem Mephistopheles geschrieben, der Jäger bestellte ihr dabei, sie möchte ihm das Geld übergeben, er wolle es ihr nachtragen. Sie war so selig in dem Augenblicke, sie hätte es ihm übergeben, aber ein Lärmen erschreckte ihn, er ging zähneknirschend in den Wald, dass die Tannenäste ihm ins Gesicht schlugen. eigentlich vertrieb ihn von seinem Posten, wo er einen teil des Geldes zu rauben hoffte, das aus dem grossen Sacke fallend zerstreut lag, eine Schar von Zigeunern, die den Reisenden nachgezogen war, dieselbe die Anton und Susannen unterwegs wahrgesagt hatten. Die Zigeunerkönigin trat zu Frau Anna heran und riet ihr, das Geld, das sie um sich liegen habe, besser zu bewahren, es sei jetzt schlimme Zeit in aller Welt und wer nichts habe und wer viel habe, beide suchten mehr zu bekommen. Frau Anna erwachte wie aus einem Traume, sie kehrte zu ihrer häuslichen Art zurück, sagte Dank für den guten Rat und sammelte das Zerstreute, es wurde ihr sogar Angst vor den wunderlichen gelben Leuten, die rings mit allerlei Waffen standen. Die Zigeunerin aber hatte ein zutrauliches Wesen, fragte sie erst nach dem kind, dann nach ihrem eigenen Namen, verwunderte sich über beide und erbot sich, sie nach der Stadt zu begleiten, um ihren Schatz in Sicherheit zu bringen. Dieser Mühe brauchte es aber nicht, der gute Ratsherr Arnold hatte nicht sobald den Verlauf gehört und Anton wieder erkannt, als er schon mit einigen Ratsfreunden hinauseilte, der glücklichen Frau Anna