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die nicht wie er gewürdigt worden, ein Ehrengemahl des stolzesten Mädchens zu werden, das ihre eigne Mutter und ihr eigenes Kind verschmäht hatte. Statt Katarinen aufzugeben, sprang er vielmehr in grossem Eifer zu ihr, als er in ihrer Nähe einen Streit hörte. Sie hatte sich auf einen Schecken des Zunftmeisters gesetzt, der ihr besser gefiel wegen seiner Höhe als der kleinere, aber viel kostbarere Rappe, den ihr Anton gegeben. Der Zunftmeister konnte nun nicht anders widersprechen, als indem er heftig zankte; nun wollte er ihr recht sanft beweisen, dass es sein Pferd sei, konnte aber nichts anders herausbringen, als Beispiele von Spitzbuben, die ehrlichen Leuten das Ihre genommen, weswegen ihn Katarina sehr stolz anblickte und, ohne sich stören zu lassen, auf seinem Pferde davon ritt. Der Zunftmeister sprach hinter ihr her allerlei in guter Gesellschaft unzünftige Worte, weswegen ihn Güldenkamm eben angreifen wollte, als Anton dazwischen trat und mit einer Hand voll Gold den Tausch mit seinem Rappen zu stand brachte, so dass sich endlich der Zug fortbewegte. Anton ritt an Susannens Seite, die durch alle diese Erscheinungen verwirrt und erschöpft, wenig gesprochen hatte. "Hör", sagte Anton, "wenn ich denke, dass ich nun auch ein Kind der Frau wiederbringe, das viel schöner und herrlicher als der kleine Oswald gebildet ist, den sie verloren hat, da läuft es mir kalt übern Kopf vor lauter Vergnügen, sie soll mich kennen, was ich vermag, sie soll nach mir verlangen, aber ichich bin durch tausendfachen Fluch von ihr geschieden."

"Den Fluch nehmen Gottes Engel von Eurem haupt!" sprach Susanna.

"Wenn er nur in meinem Herzen verlöschen wollte", sprach Anton, "aber er treibt mich unaufhörlich und gibt mir wunderliche Anschläge. Sieh, es koste mir Leben und Ehre, ich kann es nicht lassen, vor meiner Frau in grosser Pracht zu erscheinen, um ihr meinen Verlust recht bitter ins Herz zu graben, um ihre Reue zu schärfen, dass sie mich so spöttisch abgewiesen, als ich in elender Not mit ganzer Seele zu ihr flüchtete."

SUSANNA: "Aber denkt doch daran, dass diese ihre verächtlichen Gaben Euch zu so grosser Segnung geworden sind, das Schwert und das Säcklein. Vielleicht wusste sie das voraus."

ANTON: "Meinst du das wirklich, kannst du das ernstlich und treulich behaupten?"

SUSANNA: "Nein, – aber der Himmel hat es doch Euch zum Besten gefügt."

ANTON: "Ich bete zu ihm meinen Dank, – konnte er mir nicht die Zunge lähmen, als ich meine Frau verfluchen wollte."

SUSANNA: "Habe ich Euch nicht den Mund geschlossen? Was hatte es denn damals geholfen; Ihr hättet sie auch dafür noch in Gedanken verflucht."

ANTON: "Weh mir, ich liebe sie noch und du hast recht."

Sie hätten wohl noch länger gesprochen, aber mit grossem Getrappel, ausschlagend nach allen Seiten lief der Scheck, welchen Katarina geritten hatte, vorbei, mit den Vorderfüssen im Zaumzeuge verwickelt, die Reiterin lag am Boden. Der Scheck war bald gefangen, da er wegen des starken Zaumzeuges nicht weit laufen konnte; schwerer war es aber, die stolze Katarina zu einem Entschlusse zu bringen, sie blieb verächtlich gegen die Pferde und gegen alle Arten des Reisens am Boden liegen; ihr ganzes Unglück, erklärte sie, sei daher entstanden, dass sie das elende Lederzeug nicht habe so lange in ihren Händen halten mögen. Ihr zu Gefallen mussten sich alle bequemen bis zum Nachtquartier, das sie auf einer Höhe vor Waiblingen einrichten wollten, zu Fuss zu gehen; sie hatte etwas Bezwingendes in ihrem Wesen und so ging sie mit ihrem Schäferstabe kühnlich voran, während ihr Güldenkamm in grosser Bescheidenheit die Wege zeigte. Durch diese Zeichen von Aufmerksamkeit fand sie sich sehr behaglich, dass sie für sich ein hohes Lied sang, während die Sterne über ihr aufgingen:

Sterne, die mich krönen,

Und der Mond auf meiner Stirn,

Strafen alle, die mir höhnen

In dem eitlen frechen Hirn:

Wer von hohem Stamm entsprossen,

Flammt in hohem Weltgeschick,

Über alle die Genossen,

Die sich heben durch Geschick,

Mich erhebt des himmels Glück.

Keine Sterne euch bescheinen,

Ordnen eurer Taten Lauf,

Denn die Sterne sind die meinen,

Meine Ahnherrn stehen darauf,

Dort der Ahnen Schwerterblitzen

Stärken mich mit Ahnungsblick,

Dass ich höher werde sitzen,

Dass mir kommt ein hoch Geschick,

Mich erhebt des himmels Glück.

Hier unterbrach sie Konrad, warum sie von dem Scheck heruntergefallen sei, wenn sie so vortreffliche Ahnung über ihre Erhebung gehabt habe? – Statt der Antwort schlug sie ihm so kräftig mit dem Schäferstabe über sein dummes Angesicht, dass er zu Boden fiel. Konrad blutete recht stark, Anton wollte ihr Vorwürfe machen, aber er war es nicht im stand. Der Konrad sagte ihr aber ungeachtet seiner Schmerzen, sie möge gedenken, wer ihre Mutter, und dass sie doch nur so eine unerlaubte Frucht sei. Ohne ihm anzusehen, doch ohne sich zu erzürnen, sang sie:

Kind der Liebe, Kind der Kraft,

Kind der höchsten leidenschaft,

Also mag mich jeder nennen,

Jeder soll an mir erkennen,

Liebe, – Kraft, –

Hohe leidenschaft.

Kind des himmels, Kind der Welt,

Bin ich über euch gestellt,

Mit dem Himmel zu beraten

Dass ich lenke eure Taten,

Himmel, – Welt, –

Sind