ob es schlafend fliege, bald hoben sie es, als regierte es ein ritterlich Ross, bald machte sich eine ganz klein, wie das Kind, kreuzte die hände auf der Brust, indem sie ein Veilchen im mund ihm bot; es gab kein seligeres Kind, keiner mochte es stören, keiner kannte es, bis am Morgen der Wilhelm, Katarinens Schäfer und seine Eltern gelaufen kamen, als aber die Gestalten in Tau zerrannen und das Kind nach ihnen schrie, es mit tausend Tränen begrüssten weil sie es von einem Wolfe fortgetragen glaubten.
Das Kind erzählte, wie es so neugierig gewesen, ob im wald keine Pflaumen wüchsen, und da wäre es hierher gerannt, wo es von lauter schönen fräulein geliebkost und eingeschläfert sei. Diese zierlichen Bilder, diese rührenden Ereignisse hatten allen die Teufelsgrube fast aus dem Gedächtnisse verschlagen, als sie die Musik wieder leise vernahmen, sie blickten hin und konnten von den drei verteufelten Seelen nicht mehr sehen, als eine Bewegung in der Erde, in die sie sich hinein getanzt hatten, die über ihren Köpfen sich bewegte, als wenn ein Maulwurf eben aus der Erde sich herausgraben will. Als sie die Teufelskinder also in des Teufels Macht selbst vernichtet sahen, da warf Anton die erste Handvoll Erde in die Grube, alles folgte ihm, und in wenigen Stunden war diese Lasterhöhle, die lange Zeit eine Zuflucht der Frommen geschienen, dem Boden gleich gemacht, auf dass der Same des allgemeinen Weltlebens sie bald mit grünem Grase bedecke, auf welchem unschuldige Lämmer weiden.
Die stolze Katarina hatte ihrer Mutter Untergang ohne ein Zeichen des Mitleidens zugeschaut; ihr Wilhelm stand in weiter Entfernung von ihr und schien es wagen zu wollen, mit ihr zu reden, aber, lange von ihren Blicken zurückgehalten, fasste er sich doch endlich ein Herz, nahete sich ihr, indem er den wiedergefundenen Knaben auf seinen Armen trug und sprach: "Auch Eurem kind wollt Ihr keinen Abschiedskuss geben, Katarina, denkt doch, dass es Fleisch von Eurem Fleische ist."
"Aber nicht von einem Geschlechte, dummer Bauer", antwortete sie kalt, "ich habe für den Knaben gesorgt, so viel ihm nötig, mit mir kann er nie sein, denn es fliesst ein gemeines Blut in ihm, auch würde es mir nach den Sitten des neuen Standes, dem ich jetzt angehöre, nachteilig sein, wenn man vernähme, dass ich als Jungfrau schon ein Kind gehabt habe, man würde es eine unanständige Herablassung nennen, mich mit einem Bauern abgegeben zu haben, darum geht nach haus mit dem Balge, gebt ihm gute Lehre, dass er der Mutter eingedenk, wie eine Sonnenblume das Haupt zur Sonne richte."
Anton war hinzugetreten und erkundigte sich, was beide verhandelten, er war nicht wenig verwundert, die stolze Jungfrau schon als Mutter begrüssen zu können, seine Gutmütigkeit sprach aber gleich drein; den kleinen Wilhelm wollte er den jetzigen Unruhen im land, der Hungersnot und der Pest nicht aussetzen, er selbst nahm das Kind auf sein Pferd, es seiner Frau statt des verstorbenen Oswald zu bringen, beschenkte Wilhelm reichlich und munterte ihn auf, da der Kriegssturm jetzt lustig durch die Welt ziehe, der manchen hoch erhöhe, der klein gewesen, er solle sein Glück suchen und für seinen Kaiser werben, wer könne voraus sagen, wie viel oder wie wenig ihm das Glück bestimme.
Wilhelm dankte ihm mit Tränen; weil er nicht oft weinte, so liess es ihm gut. Niemand machte bei dieser Veranlassung ein verlegneres Gesicht als Güldenkamm, die Stirne schien ihm zu jucken, er wollte von seiner Braut Auskunft, sie aber fragte ihn, was ihn das angehe; wenn er wegen dieses kleinen Ereignisses ihre Vereinigung aufgeben wolle, so möge er es ihr im Augenblicke sagen, dann dürfe er ihr aber nicht mehr vor Augen kommen. Güldenkamm mochte das unreine wasser nicht ausschütten, ehe er frisches hatte, mit Susanna war nun doch alles vorbei. Er nahm den weinenden Wilhelm auf die Seite und suchte ihm zu entlocken, wie er es eigentlich angefangen habe, diese stolze und spröde Schöne zu verführen. Wilhelm versicherte, dass er es aus eignem Willen nimmermehr gewagt haben würde; immer ferne von ihr, doch nur sie beachtend, habe er sich gehalten, da sei aber eines Tages die schöne Katarina von andern Mädchen der Herzenskälte und der Leibesunfruchtbarkeit beschuldigt worden, was bei allen Gebirgshirtinnen der schimpflichste Vorwurf sei, worauf sie verstummt und, zu bewähren, dass Gott ihr nicht den Segen, den er im ersten Buch Moses den Menschen erteilt hat und wodurch sie fähig werden, über die Vögel in der Luft und über die Fische im wasser zu herrschen, von ihr zurückgenommen habe; "dazu schenkte sie mir die nächtliche Zeit, wo ich zu ihr in ihre Sennhütte schlich:
Gejagt von allen Sonnenstrahlen,
Spring ich wie's Eichhorn fessellos,
Bis ich am Abend von den Qualen
Mich flüchte in der Jungfrau Schoss,
Sie könnt mit Spinngeweb mich fangen,
Doch liess sie mich am Morgen los.
Ich blieb in Augenwimpern hangen,
Doch sie die süssen Augen schloss,
Öffnet euch wieder
Augen der Nacht,
Tauet hernieder
Schimmernde Pracht,
Kürzere Tage,
Längere Nacht,
Mindert die Plage,
Dass ich erwacht."
Güldenkamm hörte ihm mit Wohlbehagen zu, er konnte es endlich mit Katarinen nicht mehr so genau nehmen, ausserordentliche Umwälzungen hatten seine Gedanken von der Liebe so oft erfahren, dass er bald mit Stolz auf die andern Menschen herabsah,