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du sienoch drei, noch vier."

Anton, durch Konrads Geschrei herbeigelockt, musste bei diesem Verfluchen mit einem reuigen Gefühle jenes Fluchs gegen seine Frau gedenken, seit welchem ihm die zärtliche Gestalt so überlästige Besuche machte, doch drängte das Mitleid gegen den armen Geschlagenen, dem die andere Frau Greten zur Gesellschaft diente; ihre Schwester, die Frau Niklassen, hatte sich nicht minder über den armen Teufel mit Faustschlägen erbarmt. Anton schmiss sie auseinander, das Weib aber so heftig gegen den Beichtstuhl, dass dieser alte baufällige Sessel umfiel und das Ansehen eines zweischläfrigen Ehebettes gewann. Der Einsiedler war dabei nicht müssig im Fluche, er rief alle Engel Gottes, dass sie Anton alles Inwendige auswärts sollten kehren, doch blieb Anton unversehrt, vielmehr setzte er sich auf die alte Bundeslade und liess sich den Fall ordentlich vortragen. Da fand es sich, dass Frau Grete ihren Mann gerichtlich hatte vorladen lassen, wegen der Gläubiger, die er ihr als Nachlass vermacht hatte, er war nicht erschienen, sie war von ihm gerichtlich geschieden, der Hof war verkauft und sie hatte ihr weniges Eingebrachte bei sich, um nach Dünkelspiel zu ihrem Bruder, dem Schleifer zu gehen. Nachdem Anton vernommen, dass sie geschieden, da schalt er heftig, was sie sich noch für eheliche Erziehungsrechte gegen ihren Mann anmasse, oder ob sie ihn etwa dadurch bewegen wolle, sich ihr wieder anzutrauen. Frau Grete verschwor sich hoch und teuer, das Schlagen sei nur eine alte Angewohnheit, sie hätte in der ersten Hitze vergessen, dass der nicht mehr ihr Mann sei, Gott sei ihr Zeuge, dass sie ihn nimmermehr wieder verlange.

Ein evangelischer Geistlicher aus Pforzheim, der sich auch in der Gesellschaft befand, die Anton begleitete, ein stiller Mann, der bloss um zu heiraten die neue Lehre angenommen hatte, sprach sehr erbaulich zu ihr aus den Worten der Bibel: "Besser heiraten als Brunst leiden." Er geriet darüber in so augenscheinliche Begeisterung, dass der alte Rautenstrauch heute an der funfzigjährigen Jubelfeier seines Einsiedlerlebens zugleich den neuen Glauben und Grete zur Frau annehmen wollte. Konrad sass ganz bestürzt unter einem Bilde des heiligen Hubertus, von welchem die Geweihe und das Kreuz ihm über den Kopf sahen, Anton sah mitleidig zu ihm, er wusste nicht, was er unter den Umständen raten solle, zwar war er der neuen Lehre nicht mehr wie sonst abgeneigt, aber sie war doch nicht die seine; dem verruchten Leben des Einsiedlers machte sie freilich ein Ende und das musste er loben. Der Geistliche, wie es denn überhaupt damals während der Bauernkriege in ganz Schwaben etwas ungleich zuging, examinierte den Einsiedler in grösster Kürze über die Hauptlehren des neuen Glaubens und nahm ihn mit einem Handschlage darin auf, Frau Grete sprach dem Einsiedler alles nach und so wurden mit ihr auch weiter keine Umstände gemacht. Jetzt hatten sich allmählich alle versammelt, der Einsiedler stellte sich in die Mitte der kleinen Kapelle und beichtete seinen ganzen sträflichen Lebenslauf; der sei ihm, von dem vorigen Einsiedler in aller Frömmigkeit auferzogen, so in den funfzig Jahren, die er nach dessen tod die Einsiedelei verwaltet, zu einer unschuldigen Angewohnheit geworden, mit Rührung sähe er die grosse Ähnlichkeit und anhänglichkeit aller Kinder zu ihm, doch habe er keine lieber gehabt, wie Konrads Kinder, die er auch künftig ganz als die seinen anerkennen wolle, er schloss mit einem Fluche, wer da meine, dass er nicht die Wahrheit gesprochen. Alle waren verwundert über seine Rede, nur Niklas konnte sich nicht entalten, über sein Schicksal zu weinen, das ihn aus der Gewalt eines Teufels in die Gewalt eines viel ärgern übergeben habe; "seht da meine verhexte Frau", rief er, "es ist das Weib, Gretens Schwester, die sich hinter dem Beichtstuhle verbirgt, wie kann ich hier meinem Seelenheile leben?"

Die Frau Niklassen kam ganz schmeichelnd hervor und gab zuckersüsse Worte, sie sagte ihrem mann, dass sie mit ihm weiter nichts zu schaffen haben wollte, denn wenn der Rautenstrauch sich vereheliche mit ihrer Schwester, so könne er es auch mit ihr tun.

Der evangelische Geistliche entsetzte sich über diese Schlangenbrut und verweigerte seinerseits alle Einsegnung diesem höllischen Bunde, der Einsiedler verlachte ihn und sprach in grosser Freude die Trauungsworte über sich und seine beiden Weiber, keiner mochte ihnen Glück wünschen, als aber ein kleiner gelber hinkender Hirte in rotem Mantel erschien, man wusste nicht, zu welcher tür er eingegangen, und auf seinem Dudelsack ein sehr schrecklich Gerumpel begann, da zogen sich alle aus dieser Teufelsgrube von Einsiedelei zurück. Da kam der Einsiedler mit beiden Frauen auf den geräumigen Platz vor der Kapelle, der Rotmantel spielte in der Kapelle so schnell, so schnell, und sie tanzten so wild, so wild, dass ihnen die Kleider stückweise vom leib fielen, dabei fluchten sie auf alle, die den Ehrentanz nicht mit ihnen machen wollten, aber jedermann hütete sich wohl bei dieser teuflischen Musik. Lange sahen ihnen die Reisenden zu, was das werden solle, sie hatten sich schon drei Schuhe tief in die Erde getanzt, waren ganz nackt und zermagert, ein schändlicher Anblick, sie mochten es nicht mehr sehen, wendeten sich weg gegen den Wiesenplan, der im Mondschein schimmerte und wo ein fest begangen wurde von lauter zarten Gestalten, die schwebten auf Schmetterlingsflügeln, in ewigem Wechsel vor einem kind, das da im Grünen ruhete, bald näherten sie den Mund es zu küssen, bald wiegten sie es in den Händen, als