1817_Arnim_006_202.txt

wollte ihn zu allem brauchen, wozu er sich selbst nicht mehr recht tüchtig fühlte, er machte schnell alles richtig und Konrad musste noch unterwegs von Anton seinen Abschied begehren, der ihm auch ohne Umstände bewilligt wurde. Jetzt näherten sie sich der Einsiedelei, die wie in einer Wolfsgrube erbauet war, man sah sie nur, wenn man dicht davor stand; damit aber kein wasser sich an dem Boden sammelte, so hatte der Regen einen Ausfluss nach dem tieferen Tale aus der gemauerten Zisterne an der Seite des Hauses. Konrad gab sich das Ansehen, als wisse er vollkommen schon mit der Einsiedelei Bescheid, er ging mutig darauf los und fiel plötzlich durch Strauchwerk, dass er vor allen Augen wie ein Schatten verschwand.

Rautenstrauch sagte ernstaft: "So wollte ich doch, dass ihm alle Gebeine verdürrten, wenn er mir heiligem alten mann, mein bisschen Vorrat von Lagerbier zerbricht."

"Nicht so übereilt geflucht", sagte Anton.

RAUTENSTRAUCH: "Herr, warum soll ich nicht fluchen, ich weiss es doch, dass Gott solch einen Lümmel mit Strafen heimsucht, wenn er mich gottseligen Mann in seinem bisschen Armut stört. Vermaledeiter Schlingel, Konradus, Laienbruder, hast du mir mein Lagerbier in den Krügen zerbrochen?"

KONRAD: "Herr, ich koste eben, ob es zerbrochen ist, es scheint mir aber alles noch gut, ich bin jetzt beim dritten Krug."

Kaum hatte der Einsiedler das Wort mit den Ohren gekostet, so sprang er in unwiderstehlicher Wut dem armen Konrad in den Keller nach, da gab's ein Schreien, ein Fluchen in der Tiefe, als wäre ein Dutzend Dachshunde eben in einen Dachstau gelassen, und die versammelten lustigen Seelen stimmten ein frohes Jagdlied an:

Hatz, hatz, hatz,

Ein jeder auf seinem Platz,

Ein jeder auf der Lauer,

Den fetten Dachs, den Einsiedler,

Den treibet jetzt der Bauer,

Den treibet jetzt der Bierfiedler

In seinem Bau herum:

Fluchet ihn lahm und krumm,

Prügelt ihn taub und stumm,

Haltet das Loch nur zu,

Sonst kriegt er Ruh.

Nachdem sie beide in ihrer Grube Frieden versprochen hatten, wurden sie herausgelassen, der alte Niklas äusserte aber jetzt seine Bedenklichkeit, wie er bei so wüsten Händeln sein Leben bessern könne, seine Frau brauche nur hinzuzukommen, so wäre der Teufel ganz los. Anton fand diese Bedenklichkeiten gegründet und gab ihm vorläufig die Aufsicht über seinen eignen Teufelsbeschwörer, worauf ihm dieser in aller Heiligkeit die Schwerenot anfluchte. Die Gesellschaft fing schon an, ihren Ritt in diese wüste Waldgegend zu missbilligen, der Einsiedler kam vor lauter Ärger gar nicht dazu ihnen die Bequemlichkeiten seines Hauses zu zeigen, die sich endlich elend genug fanden. Es war sein Vögelmonat und er hatte durchaus nichts vorzusetzen, als ein Fass mit kleinen und grossen Vögeln, die eigentlich schon zu lange seinen totenrichtenden Augen zur Besichtigung vorgelegt waren, er befahl Konrad die Vögel am Spiesse zu braten, während er einigen Bauerweibern, die sich in der kleinen Kapelle eingefunden, die beichte abnehmen musste. Konrad hatte eben kein Arges dabei, dass er die Vögel nicht rupfte, es war ihm nur zu langweilig, er steckte sie mit den krausen Federn lustig an den Spiess und dachte, es könne sich jeder schon selbst den Gefallen tun, die Federn abzunehmen beim Essen. Mitten in der beichte kriegte aber Rautenstrauch ein Gelüsten, so einen Vogel, wenn er recht frisch gebraten, zu verzehren, er gebot also den Frauen ein paar Dutzend Paternoster zu beten und ging indessen zu seinem Vögelkameraden, der eben, als er die Butter mit dem schönsten Geknister darüber gegossen, neugierig geworden war, wie die Bauerweiber dort in der beichte wohl aussehen möchten, denn seit er von seiner Grete fort in den Krieg gezogen, hatte er kein Bauerweib in der Nähe gesehen und die Stadtjungfern waren ihm allzu schnippisch. Der Einsiedler zog sich einen grossen Dompfaffen vom Spiess und freute sich recht, wie knusprig er anzufühlen, biss auch mutig hinein, aber die Zähne blieben ihm zwischen den rauhen Federn stecken, die sich wieder aus einander taten. "Dass dir doch alle Zähne ausfallen mögen, Bruder Konradus", seufzte er vor sich, "dass dir ein Reiher im Hals niste und ein Wiedehopf dazu! – mich heiligen Mann so in der Andacht zu stören, o das ist jämmerlich, ach dass du doch eine Katze mit Haut und Haar und allen ihren Jungen aus Hunger fressen müsstest, ach Gott, du bist ungerecht gegen deinen treuen Diener!" Bei diesen Worten ging er in wildem Ekel sich den Konrad aufzusuchen, den er aber in der Kapelle schon unter viel schärferen Klauen fand, als alle seine gebratenen Vögel aufweisen konnten. Eine der beichtenden Frauen war Grete, das Eheweib des armen Konrad, die eben ihr Bekenntnis abgelegt hatte, dass ihr Mann aus Ärger über ihr Hausregiment den Krieg möchte angestiftet haben; nun kam der unschuldige Kerl, der eine fremde Frau zu necken meinte, indem er den Weihkessel über sie ausschüttete, mit einem Eimer Wassers frisch gefüllt, jetzt in ihre gewaltigen arme fiel und die Nägelmale sehr bald aufweisen konnte.

"Gnädiger Gott", rief der Einsiedler bei diesem Anblicke, "du bist allwissend, du bist die Hand deiner Getreuen, du schlägst, wem wir fluchen, darnieder, schlage noch recht tüchtig, auf dass dieser ungeratene Diener deines Wortes zum Nachdenken und zur Busse gelange. Nur sechs Nasenstüber und drei Ohrfeigen fluche ich auf dichda hast