vom haupt und Eure Knieen beben, könnt Ihr nicht endlich zum Guten kehren? – seht diese geliebte Schwester, da so viel Herrliches neben Euch bestanden hat, so muss Gottes Kraft gross sein, entsagt dem Teufel und allen seinen Werken."
"Hört Niklas", sprach Katarina, "seht nur, wie so ein Mann noch gutmütig zu Euch reden kann, für Euch sorgen möchte, den Ihr ewig verflucht habt, wendet Euch aus des Teufels Ringen, reicht uns die Hand."
Niklas schien weinen zu wollen, er wollte auch die Hand ausstrecken, die Rührung in beiden, aus dem ersten Genusse verschwisterter Gesinnung hervorgequollen, strömte ihm aus einem Himmel, den er nie gekannt hatte; zum erstenmal rief ihm eine innere stimme zu: ich wollte, dass ich wäre wie diese! Da warf ihn die Macht des Teufels an die Erde nieder; wie der Jäger seinen Hund, der aus Mitleid einen Hasen laufen liess, und schlägt ihn mit scharfen Dornen, so zerschlug ihn der Teufel unsichtbar und er wand sich fürchterlich, seine Lippen wurden blau, sein Gesicht weiss, seine Kleider zerriss er, seine hände zerrang er. So tobte er schon lange – als ein armer Einsiedler aus dem wald geholt wurde, der in solchen Dingen erfahren war; der kräftige Fromme kniete neben ihn, packte ihn fest und schrie ihm die kräftigsten Gebete in die Ohren, besprengte auch seine Schläfe mit Weihwasser und brachte ihn dadurch allmählich zu einem tiefen Schlafe, währenddessen ihm der Einsiedler eine Tonsur schor und eine Kutte überzog. Als Niklas nun wieder erwachte, wollte der Teufel in ihm lostoben, als er aber das Kleid betrachtete, erschrak er und auf des Einsiedlers Gebet ging nun wie eine Flamme aus seinem Rachen, in welcher ein schwarzer Geist sich bewegte. "Amen", sagte der Einsiedler, "Amen", rief Niklas ihm weinend nach, so sprach er ihm jetzt auch willig alle Gebete nach.
Niklas wollte jetzt alle jämmerlichen Ereignisse seines Lebens in frommer Gesinnung beichten, der Einsiedler erlaubte es ihm aber nicht, es möchte den Teufel wieder locken, er müsse jetzt in strenge Aufsicht genommen werden. Die Neugierde Antons entschied, ihn, den Einsiedler, der sich Rautenstrauch nannte, mit dem armen Sünder nach der Einsiedelei zu begleiten, um das Leben eines Einsiedlers näher kennen zu lernen. Der Aufbruch aus dem wüsten schloss wurde durch die Trompeten verkündigt, die Reisigen stiegen zu Pferde, die stolze Katarina ritt an Antons Seite, so kamen sie vor den Bauern vorbei gezogen, die sie gnädig begrüsste, endlich zu der Herde, die sie einem jungen Hirten übergab, der ihr oft behülflich gewesen war, die verlaufnen Ziegen zusammen zu treiben.
"Liebe Katarina", sagte der schöne Schäfer, "sonst gibst du mir nichts zum Abschiede, dachte ich doch einmal deine Hand mir zu gewinnen."
"Einfältiger Bauerkerl", antwortete Katarina, "wie hat Er sich so etwas einbilden können; erst wenn dein Holzschuh mit einem güldnen Sporne geziert ist, will ich dich als meinen Herrn anerkennen."
"Geb Er sich zufrieden", rief ihm Güldenkamm, "wer das Glück hat, führet die Braut nach haus."
"Vergesst nicht die Bedingung", sagte Katarina ernstaft zu Güldenkamm.
Eine andre wunderliche Unterredung zog aber in diesem Augenblicke alle Aufmerksamkeit zu dem Einsiedler, der einen alten Bauer heftig ausschimpfte, dass er ihm keine Vögel gebracht, da er doch wisse, dass dies sein Vögelmonat sei. Der Bauer entschuldigte sich, er sei krank gewesen, aber der Einsiedler nannte ihn einen eselhaften Knollfinken, ohne Andacht, den er bis ins dritte Glied verfluchen wolle, die Vögel sollten ihm nicht nur die Saat auf dem feld, sondern auch alle Haare aus dem haupt ausraufen, der Geier seine Lämmer wegtragen und seine Kinder dazu.
Anton wollte ihm Einhalt tun, aber Rautenstrauch versicherte, dass er längst wisse, wie man mit solchen Ochsenpantoffeln und Sauschwänzen umgehen müsse.
Güldenkamm hatte noch ein schönes Bild vom Einsiedlerleben in tiefster Seele, er hatte auch diese Unterredung nicht gehört, er brachte den Einsiedler darauf, was er denn Abends in seiner Einsamkeit tue, wenn die frommen Pilger weggezogen wären und der Schlaf seine schwarzen Flügel noch nicht über die Augen breite.
"Herr", sagte er, "da hab ich erst noch genug mit meinem Fressen zu tun, denn was einem die albernen Bauern bringen, ist immer entweder versalzen oder verschmolzen, und habe ich gefressen, da muss ich mich lausen, wer tut mir das, wenn ich es nicht selbst tue, es kriecht einem immer so etwas an von den Bauernpudeln; die Knochen muss man sich doch auch waschen, ja Herr, es ist ein hart Leben, was ich so im wald führe und nun ich alt werde, kommen die Leute nicht mehr wie sonst zum Besuche."
Güldenkamm fuhr entsetzt vor ihm zurück und ergoss gegen Anton sein Missbehagen über die verfluchte natur dieses Teufelbeschwörers; dagegen hatte sich Rautenstrauch das volle Zutrauen des armen Konrad erworben, der sein Pferd an Katarina hatte abtreten müssen und sich als Fusswanderer leicht zu ihm gesellen konnte. Konrad machte ihm eine ungeheure Beschreibung von allen seinen Geschicklichkeiten, wie er kochen, backen, fischen, schiessen, alles aus dem grund verstehe und seinem Pfarrer häufig bei der Messe gedient habe, so dass sie zusammen einen grossen Gottesdienst anstellen könnten. Der Einsiedler sah den rüstigen Kerl an, der schien ihm vortrefflich, er