: 'Vergnügen ist nicht viel dabei, das muss ich selbst gestehen, doch manche Kunst, die gar sehr künstlich ist!' Bei diesen Worten hatte sie die Stirn sich eingesalbt und setzte sich auf eine Ofengabel und schwankte bebend um den Feuerherd, dann sank sie tot zu Boden, dass ich sie nicht erwecken mochte, doch plötzlich krachte schwer das Dach, da wachte sie aus ihrer Ohnmacht auf und erzählte vergnügt von tausend Dingen, die sie auf ihrer Reise nach dem Blocksberg wollt gesehen haben, wohin der böse Geist sie in der kurzen Zeit entrückt hatte, sie sprach von der Musik, vom Tanz, vom Glanz der grossen Herren, als ob ich noch in meines Vaters Schloss gewesen, und sicher hätte sie mich in das Garn gelockt, wenn sie mir nicht von dem Konfekt geboten hätte, was sie dort eingesteckt, das war..."
GÜLDENKAMM: "Ein Dreck."
KAtARINA: "So eine fremde Losung mocht es sein. Seitdem vermied ich sie und suchte mir im Dorf Bekannte und mancher Freier kam, mich zu besuchen, doch wenn sie sich bei uns zum Tisch gesetzt und sahn die Schlangen in der Suppe und den Salat von Spinnen und gebackene Frösche, was sie als Leckerbissen ihnen vorgesetzt, da liefen sie mit grosser Übelkeit vom haus fort und ich ward bald verlacht. Seht Herr, mit solchem Haus wollt Ihr Euch kühn verbinden."
GÜLDENKAMM: "Es macht mich eifriger nach deiner Liebe, weil sie dir nützlich ist und mir nichts kostet als die Keuschheit, die ich doch gegen dich bewahren müsste, wenn ich dich nicht besässe; wohlan, nimm meine Hand, ich will dich führen zu dem Bruder."
Sie gingen beide auf das Schloss zu, und wie Katarina den Schatten der Bäume am Boden so zuschaute, winkte sie Güldenkamm mit einem Drucke der Hand auf einige Schattenbilder von Menschen zu achten, die in den Zweigen versteckt an mehreren Bäumen hervorsahen. Güldenkamm sah mit einem heimlichen Herz- und Händefrost diese sonderbare Erscheinung, wären es Geister gewesen, die jene Bäume bewohnt, so hätten sie keine Schatten geworfen, es mussten versteckte Mörder sein, denn die leben wollten, fanden es herrlich lebend im schloss, wo jedermann gut aufgenommen war. Stillschweigend gingen sie in das Schloss, immer in der sorge, dass der Druck eines Fingers eine Kugel oder die Spitze einer Lanze gegen sie aussende, doch kamen sie unverletzt in den Rittersaal, wo alles in tobender Freude durcheinander sang und lag. Anton goss durch eine Trompete den Wein an die Erde und blies abwechselnd hinein, dabei sang er:
Trompete, du willst lustig sein,
Und giesst den Wein von oben rein,
Und unten läuft er wieder aus,
Da bleibt das liebe Gut im Haus,
Du blecherne Trompete,
Du willst ein rein Gelöte.
Trompete, du willst lustig sein,
Ich blase dir von vorn hinein,
Du bläst von hinten gar nicht fein,
Du grunzest wie ein wildes Schwein,
Du blecherne Trompete,
Was spricht von dir die Flöte?
Nur mit Mühe konnte Güldenkamm Anton in diesem Gesang stören, um ihm die sonderbare Erscheinung auf den Bäumen zu melden, die Anton weiter nicht achten mochte. Aber der Zufall hatte ihm besser gedient als seine Klugheit, der Schall seiner Trompete hatte die Knechte geweckt, dass sie die Pferde gesattelt herausführten; die Bauern, die auf den Bäumen versteckt die müde Frühheit zum Überfalle erwarteten, wurden über die Trompete, über das Lärmen im schloss bedenklich, ein paar glaubten, der alte Niklas, der sich aus dem haus weggeschlichen, werde sie den Herrn verraten, fielen über ihn her, banden ihn und brachten ihn mit grossem Geschrei ins Schloss, wo jedermann ihn noch in festem Gewahrsam vermutete. "Er hat uns allein verführt", rief einer, "die gnädigen Herren heute auf den Kopf zu schlagen, ich verstehe, dass wir es haben tun wollen, er hat uns viel Geld dafür versprochen." Alles fuhr auf und sprach untereinander, nur Anton blickte ihn ruhig scharf an und fragte ihn, warum er das habe tun wollen.
"Ihr habt meinen Fabian umgebracht", sagte der Alte, "meinen lieben Fabian."
"Bist du Niklas?"
"Ich bin es, Herr!"
"Hab ich dich, du Verruchter", wütete Anton, "wie hast du meinen armen Vater verfolgt; wie kann ich das je genug an dir rächen."
"Herr", sprach er, "er hat Euch wohl nicht gesagt, dass wir ausgeglichen sind, er ist ein Sünder wie ich, hab ich ihm wehe getan in der Jugend, so hat er mich in späteren Jahren vernichtet; o du mein Himmelchen, meine Barbara, die hatte ich mir für meine alten Tage ganz allein für mich geheiratet und als er von seiner Frau erst keine Kinder hatte, da hat er mir Hörner aufgesetzt, – und da seht Ihr sie stehen, Eure Halbschwester."
"Dem Teufel Hörner aufzusetzen, das ist ein liebes wertes Stück", sagte Güldenkamm; Anton aber sah den roten Streifen um Katarinens Hals, der sein Geschlecht bezeichnete, er fasste seines Vaters Ähnlichkeit in ihrer hohen Gestalt, stürzte in ihre arme und nannte sie Schwester. "Niklas", sagte er, "Euch sei verziehen um dieser Schwester willen, die Ihr mir auferzogen habt, aber sagt mir Bescheid, Ihr seid nun ein alter Mann, Euer Haar fällt