sich selbst lachen, wie er so eifrig einem Vergnügen auflauere, das er wohl gar verschlafen müsse, doch fühlte er dabei, dass die Lust ihren eigenen Kopf hat, und an den Leib nicht gebunden ist.
Im schloss ward es immer unruhiger, auf dem hof tanzte und schlug sich das Bauernvolk bei dem Biere; da hatten sie bunte Federn auf ihre Kappen gesetzt, da hatte einer schon seinen alten rostigen Degen gezogen, weil der Nachbar seine Frau in einen Winkel gezogen, dort hatten ein paar Weiber einander bei den Haaren und die Männer gossen ihnen ruhig kaltes Bier über die Köpfe; der Dudelsack ging nicht schlecht. Im grossen Schlosssaale ging es beim Weine noch etwas still zu, das ganze Zimmer war mit wilden Blumen aller Art gestreut, Anton und die meisten seiner Gesellschaft lagen umher und schienen in der Behaglichkeit zur Träumerei übergehen zu wollen. Endlich sprang Anton auf und sang, indem er sich an die Spitze des langen Tisches setzte:
ANTON:
Wälzt ihr träumend euch auf Rosen,
Wecken sie mit spitzem Dorn,
Lasst beim Wein der Liebe Kosen,
Denn das gärt ihn auf zum Zorn.
GÜLDENKAMM:
Kitzelt die Lust,
Witzelt die Freude.
Mir ist bewusst
Himmlische Weide.
ALLE:
Springt zum Weine, muntre Füllen,
Alle Pfropfen sollen springen;
Jeder Becher soll sich füllen
Und am andern widerklingen.
GÜLDENKAMM:
Springet in Lust,
Klinget in Scherzen,
Mir ist bewusst
Heimliches Scherzen.
ALLE:
Eitle Lichter sollen zittern,
In der Tonflut hohen Wellen,
Alle Tische ungewittern,
Trommeln mut'ge Trinkgesellen.
GÜLDENKAMM:
Trommelt in Lust,
Stürmet den Himmel,
Mir ist bewusst
Zärtlich Getümmel.
ALLE:
Höret alle Scheiben beben,
Höret alle Wände dröhnen,
Wenn die Stimmen sich erheben,
Muss der Donner uns versöhnen.
GÜLDENKAMM:
Bebet in Lust,
Tönet in Fülle,
Mir ist bewusst
Liebender Wille.
ALLE:
Überall ist frohes Leben,
Wie noch keiner je erhörte,
Alle Lustigkeit von oben
Wieder zu der Erde kehrte.
GÜLDENKAMM:
Lebet in Lust
Jauchzender Stunden,
Mir ist bewusst,
Wer sie empfunden.
ALLE:
Saget, unter welchem Zeichen
Stehen wir an diesem Tage?
Schwört, dass keiner soll entweichen
Ohne Spitz vom Festgelage.
GÜLDENKAMM:
Fraget in Lust,
Suchet die Zeichen,
Mir ist's bewusst,
Sie ist mir eigen.
ALLE:
Einer schwanket nach der tür,
Dass wir andern fester sitzen,
Schwacher Bruder, lass dich führen,
Musst dich nicht so schnell bespitzen.
GÜLDENKAMM:
Bleibet in Lust
Angeführt sitzen,
Mir bebt die Brust,
Sie zu besitzen.
ALLE:
Einer fiel, es fallen alle,
Doch in Reih und Glied wie Krieger
Harren wir mit Jubelschalle,
Wer zuletzt erst fällt als Sieger.
Alle glaubten, Güldenkamm mache einen seiner gewohnten Scherze, eine Heimlichkeit sich einzubilden, diesmal war es aber ernst, er schlich nach der hohen Eiche, an der Katarina, mit ihrem Schäferstab gelehnt, wie eine Bildsäule stand. Der Meistersänger beschleunigte seine müden Beine und wollte ihr um den Hals fallen, sie wies ihn mit dem Schäferstabe zurück. "Höre", sprach sie, "nicht zu schnödem Liebeswerk hat dich die schuldlose Schäferin bestimmt, nein du edler Sänger, ein grösseres Werk ist dir beschieden, mich sollst du führen auf des Vaters Schloss, zur Kronenburg, die mir verheissen."
"Kronenburg?" fragte Güldenkamm, "und wenn ich mein Gedächtnis wie eine tasche umdrehe, so fällt mir nicht ein, wo der Ort gelegen sei, Mädchen lass das jetzt."
"drei Schritt von mir", spricht sie, "sonst straf ich deine Frechheit; gedenke, dass ich eine Jungfrau bin, wohl aus dem herrlichen Geschlecht der Grafen Stock."
"Gut gesprochen", sagte Güldenkamm, der durch alles Feierliche in den Gegensatz des Spottes gesetzt wurde, "den Stock scheinst du führen zu können, dass ich dich immerhin als Gräfin von dem Stocke anerkennen möchte, wenn du ihn nur bei Seite stellen wolltest, aufrichtig gesagt, es kommt nichts dabei heraus."
KAtARINA: "Es kommt heraus, dass ich des Grafen Schwester bin, dem du als Sänger zugesellt; zwar nicht im Ehestand geboren, doch aus der Liebe, sieh diesen roten Strich um meinen Hals im Mondenscheine, dies wird dem Herrn mein edles Blut versichern."
GÜLDENKAMM: "Der Strich ist mit den Augen nicht zu leugnen, doch möchte ich ihn auch mit dem mund mir bestätigen."
KAtARINA: "Des braucht es jetzt noch nicht, doch biet ich dir die Wange heute zum Kuss, wenn du zur Ehe dich mir heute verloben willst, doch ohne meiner Liebe zu begehren."
GÜLDENKAMM: "Ich könnte das Versprechen immer wagen, denn nicht umsonst blick ich durch deine Feueraugen in dein Herz."
KAtARINA: "Was ich gebiete, kann ich selbst halten, doch ehe du leichtsinnig diesen Bund willst eingehen, höre, was ich dir von den Meinen sagen muss." Sie redete leiser, "ich habe Schreckliches dir zu verkünden, der Niklas, der mein Vater wird genannt, der ist der Teufel und meine Mutter hat er zur Hexenkunst verführt. Sie hat es mir vertraut, als sie mich ihm mit Leib und Seele übergeben wollte, er könne sich verwandeln, erscheine oft ein stattlich junger Jäger mit einer Hahnenfeder, wenn sie ihm wohlgedient, mit Zärtlichkeit zu lohnen. Ich tat ihr meinen Abscheu kund, da lachte sie und sprach