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Jedermann sah sich um, der arme Konrad pfiff in die Luft, und merkte nichts.
Anton wollte schon weiter ziehen, indem er der Zigeunerin einen Goldgulden überreichte, sie aber trat noch zu ihm und sprach: "Sorgt für Susanna, ich werde sie einmal von Euch zurückfordern."
"Wer seid Ihr, warum könnt Ihr sie von mir fordern?"
"Schweigt davon", sagte sie, "denn keine Springwurzel öffnet mein Herz, wenn ich nicht sprechen darf, gedenkt, dass Ihr von der Krone auf hohem Turm auch schweigen müsst. Gott behüt Euch, blanker Bruder."
Die Zigeuner zogen mit ihrem wunderlichen Kram von tanzenden Bären, Murmeltieren und abgerichteten Vögeln fort. Anton zog tief in sich versenkt seinen Weg, da öffnete Güldenkamm, indem er lustig zujagend seinen Gram gestossen und verschaukelt, seinen Mund und die andern sangen ihm sein frohes Reiterlied nach.
GÜLDENKAMM:
Flüchtig Dasein auf den Rossen,
Kühnes Buhlen mit dem Winde
Schaut die Erde fortgestossen,
Rollet unter uns geschwinde.
CHOR:
Schaut die Erde fortgestossen,
Rollet unter uns geschwinde.
GÜLDENKAMM:
Brausend strecken sich die Rosse
Schmal wie einer Jungfrau Leib,
Was auf Erden ich genossen,
Dies ist schnellster Zeitvertreib.
CHOR:
Was auf Erden wir genossen,
Dies ist schnellster Zeitvertreib.
GÜLDENKAMM:
Grüne Äste überstreifend,
Treiben fort die läst'gegen Fliegen,
Durch die grünen Wiesen
Gleiten wir in Wolkenzügen.
CHOR:
Durch die leichten Wolken schweifend
Teilet euch in gleichen Zügen.
GÜLDENKAMM:
Unser Hufschlag schallet doppelt
An des Waldes grüner Wand,
Und die Sonne scheinet doppelt
Bebend an der Erde Rand.
CHOR:
Seht, die Sonne scheinet doppelt
Vor dem Auge froh entbrannt.
GÜLDENKAMM:
In den Zügen, welch Geschreie,
In den Mähnen, welch ein Hauch,
Über uns kommt eine Weihe,
Eine Träne in das auge.
CHOR:
Über uns kommt ein Geschreie,
Holla ho nach Reiterbrauch.
GÜLDENKAMM:
Wir vergessen schon der Stunden,
Wo wir zwischen Mauern wohnen,
Sind vom Abendglanz gebunden
Freier Lieb zur Nacht zu fronen.
CHOR:
Abendglanz, wer dich gefunden,
Wird bei seinem Liebchen wohnen.
GÜLDENKAMM:
Lange drückte schweigend Bangen
Meines Herzens tiefen Grund,
Seit mein Ross ist durchgegangen,
Füllt mit jubel sich mein Mund.
CHOR:
Uns erfasset doch ein Bangen
Auf dem glatten Wiesengrund.
GÜLDENKAMM:
Weggeworfen sind die Bügel,
Schwebend hält mich Gleichgewicht,
Freies Ross, zerreiss die Zügel,
Jage nach dem Sonnenlicht.
CHOR:
Fallet ihm nur in die Zügel,
Dass er sich den Hals nicht bricht.
Die gute Laune der Reiter endete das gefährliche Spiel Güldenkamms, der in einer frevelnden Begeisterung diesen Abend fortphantasierte, wunderliche, oft freche Liebesabenteuer anderer als seine eigene geschichte erzählte; indem er in verkehrter Überzeugung eines heimlichen Einverständnisses zwischen Anton und Susanna seine Liebe zu ihr auszulöschen suchte in angenommenem Stolz, entfernte er sie ohne Willen von sich zu einer Zeit, wo sie ihre Freundlichkeit mehr als je zu ihm hingewendet hätte, da sie vor mancher Eitelkeit Antons zurückschreckte. Auf einer warmen Bergseite, wo in der Wiesennähe grosse Haufen des schönsten frischen trocknen Heues dufteten, beschloss Anton diese Nacht zu rasten, alles stieg ab, die Knechte sorgten für die Pferde, die sie mit verbundenen Füssen auf die schöne Wiese führten und ihrer Fresslust überliessen, die Herren hatten unterdessen schon das Heu unter dem Laubdache grosser Buchen ausgebreitet und Decken darauf gelegt. Sie suchten nach Holz und fanden Bretter, die sie als Tisch in die Mitte des Lagers zur Sicherstellung der Becher auflegen konnten, das Brennholz mussten sie aus dem häufigen Reisig zusammenlesen, alles brach man übers Knie, was vorgefunden wurde, und Anton, indem er Feuer angeschlagen hatte, legte den brennenden Zündschwamm in einen grossen Büschel trockner Blätter, die von Papier festgehalten waren, und bewegte sie dann heftig in der Luft herum. Erst rauchte es, dann fing es an, rötlich durchzuleuchten, dann brach die helle Flamme durch seine Hand, womit er schnell die angebrannte Blättermenge unter das trockene Reisig steckte, ein Wind erhob sich, und alles loderte mit Eile empor, dass sich die Bäume plötzlich in herrlicher Beleuchtung gleichsam verwandelt wie Säulen eines Tempels mit grüner Wölbung um ihn her ordneten, herrlich knatterte mit Wohlgeruch das grüne Laub des Wacholders, an welchem die Beeren fast schwarz gereift waren; die Vögel in ihrem Blätterdickicht erwachten und glaubten den Tag zu begrüssen, Güldenkamm bestärkte sie darin, denn mit wunderlicher Geschicklichkeit wusste er ihren Morgengruss nachzumachen, dass Finken und Häher, Meise und Specht getäuscht wurden. Ehe die speisen bereitet waren, wurde das Weinfass aufgerichtet, Susanna als erwählter Mundschenk musste die Becher füllen, da gab's ein Gesundheittrinken, ein Singen aus allen Kehlen, von Klingenberg am Maine, von dem guten Heu, Güldenkamm schrie seine Spässe dazwischen, dass mancher ehrliche Pforzheimer sich wälzen musste. Als er alle lustig geschwatzt hatte, machte er plötzlich einen ernsten Zug mit der Hand übers Angesicht, sah auf einmal ganz anders aus und sang mit recht bitterm Ernst:
Grimmig ist der Gott verwandelt,
Der im weine lächelnd haust,
Hat mit Schlägen mich behandelt,
In den Haaren mich gezaust.
Keiner trink vom Freudenwein,
Der ein traurig Herz verschliesst,
Denn er öffnet uns allein,
Was in Tränen sich ergiesst.
Wein verwandelt sich in Weinen,
Wie er lang den Namen äfft,
Denn die Traurigen erscheinen
Während Lust sich selbst verschläft.
Trauer sitzet auf zur Wacht,
Liebe schliesset ihr das Tor,
Und die