die Röcke des Fräuleins emporhob, die jetzt als ein Bild der Unzüchtigkeit allgemein verlacht wurde. Dabei tat er aber so eifrig, diesen Faden abzureissen, dass er das Übel noch vermehrte, ehe er es fortschaffen konnte. Ritter Blaubart, unentschlossen, ob er selbst zuspringen und den Vorhang herunter lassen sollte, oder ob dies die Verwirrung nur vermehren möchte, vielleicht auch etwas angezogen von dem Anblicke, bewegte er seinen Degen aus Verlegenheit in derselben Art, wie er mit den Trompetern verabredet hatte, wenn er ihnen das Zeichen des Tusches geben wollte, die Trompeter gehorchten im Augenblicke und der Tusch wurde hellaut geblasen und erstickte und vermehrte das Gelächter. Wütend schrie der Vater des Fräuleins, indem er seinen Mantel über die Tochter deckte, zu den Trompetern: ob jetzt der Tusch sein sollte. – Das ward zum Sprüchwort unter den lustigen Gesellen und jeder feierliche Schimpf wurde seitdem ein Tusch genannt. Der Faden war nun gerissen. Anton drehte sich um, den Vorfall gut zu machen, aber der Faden seiner Rede schien ihm auch gerissen, er musste lachen, das fräulein lag in Ohnmacht und die Gesellen riefen einander zu, wenn sie nun weiter wanderten, kennten sie doch wenigstens das Wahrzeichen der Stadt; der Zunftmeister liess auf ihr Begehren den Vorfall in Stein gehauen an dem haus des Ratsherrn aufstellen, der nach glücklicher Verheiratung seiner Tochter ebenfalls seine Freude daran hatte.
So fröhlich war nun der Austritt Antons; vor dem Tore hatten ihm die Badegäste noch eine kleine Überraschung gemacht, da die Bäder in der Stadt abgebrannt waren, so mussten sich jetzt alle in dem grossen Weiher vor der Stadt baden, er musste nahe vorbei, alle waren hinter einem hervorragenden Ufer versteckt, plötzlich rauschten sie zu ihm hin wie eine Schar Enten, vom Hunde aus dem Rohre gejagt, sein Pferd scheute sich, er hielt es. Zwei Jungfrauen erhoben sich jetzt auf künstlichen weissen Flügeln und setzten ihm, indem sie vorüberstreiften, einen Perlenkranz auf sein Haupt, dabei sangen sie sehr anmutig:
Den Nymphen der Gewässer hast du beigestanden
In ihrem Kampfe mit dem Feuer,
Du führtest sie, entlöstest sie den Banden,
Du wurdest ihrer Macht Befreier,
Und siegend drückten sie die Flammen nieder
Und brachten sie zurück zur Unterwelt,
Dich sanft zu kühlen schwingt sich ihr Gefieder,
Du hast noch weiten Weg, du kühner Held!
Anton dankte ihnen anständig und freundlich. Georg kam noch zu ihm, streichelte sein Pferd und konnte sich nicht trösten, dass er schon fortritt, und wollte ihn durchaus begleiten, er beschenkte ihn mit schönen Früchten und tröstete ihn damit, dann ging der Zug munter weiter, die gute Stadt verschwand hinter ihm, Güldenkamm ritt mit Susannen neben ihm, alle wunderlichen Abenteuer ihm zu berichten, die ihnen während ihrer ersten Reise hier begegnet waren. Es wurde beiden leichter, als sie sich so aussprachen. Die ungeheuren Dinge, die Güldenkamm auf seinem Herzen drückten, wie er sich mit Susannen stehe, was aus ihnen beiden werden solle, schwanden auf einmal in ihr Nichts.
Anton sprach nachdenklich: "Wenn ich diese mancherlei Hindernisse überdenke, so meine ich, dass ihr auf diesem Wege nicht zusammenkommen solltet, ach wäre ich so gestört worden, so aufgehalten, ehe ich meinen alten Drachen geheiratet, da wäre ich jetzt noch ein freier Mann und könnte dich heiraten, Susanna."
"Das wäre recht schön", sagte sie. – Güldenkamm entflammte von Eifersucht, aber er versteckte sich, er wollte beide erforschen, ob sie vielleicht einander schon näher verbunden seien, als er in seinem zutraulichen Sinne niemals geahnt hatte. "Wäret Ihr luterisch gesinnt", sagte er und sah vor sich nieder, "da könntet Ihr rasch von Eurer Frau geschieden sein, sie hat Euch ihr Haus und Bette versagt und Susannen könntet Ihr dann heiraten."
"sonderbar ist's", sagte Anton, "dass es in einer Lehre eine Sünde sein kann, was gleichsam die ganze Seele fordert, und die andre Lehre für recht erklärt; überhaupt seit mir selbst so viel Wunderbares begegnet ist, denke ich über das Wunderbare in unserm Glauben anders, ich bin allen den Wesen, vor denen ich in scheuer Entfernung selig in ihrem kleinsten Blicke wandelte, näher gezwungen, das Wunderbare in ihnen liebe ich nicht mehr, sondern ich meine es ein grosses Unglück, womit sie behaftet sind, aber das herrliche, rein Menschliche in ihrem Wandel schwebt mir in unerreichlicher Höhe und käme ich wieder zu meinen Farben, das würde ich auszudrücken streben; was kümmert mich jetzt die gnadenreiche Mutter Maria, die an den geheiligten Orten manchem Leidenden geholfen hat; die herrliche Mutter und Frau, deren weiser Unterricht ihr Kind so früh gereift hat, dass es im Tempel jugendlich auftreten konnte, die alten Graubärte zu beschämen, die ist mir ehrwürdig, weil Millionen zu ihr anstreben und keiner sie erreicht."
"Herr", sprach Güldenkamm, der seit den letzten Ereignissen sich zu einer Art von ernstem Verhältnisse gegen ihn gebunden fühlte, "Herr, Ihr seid schon ein Luteraner, wenn Ihr so sprecht, wenn Ihr so frei forscht über das Religionswesen, wenn Ihr nur das ehren wollt, was Euch ehrwürdig scheint."
"Da bin ich gar schon weiter", sprach Anton, "das lange Beten unverständlicher lateinischer Worte mag ich gar nicht mehr ertragen, selbst das Gebrümmle eines solchen Beters kann mich erzürnen, immerhin mag es gut sein, wenn Menschen mit Gewalt einem Glauben