und wütete in sich, mochte sich das aber nicht merken lassen; der Befreier der ganzen Stadt von einem Mädchen überwunden, das schmerzte ihn, er suchte dies hinter Liebkosungen zu verstecken und seine Siegerin beantwortete diese in den abenteuerlichsten Abirrungen einer Romanphantasie, wollte er aber seiner Lust gemäss sich an ihr erfreuen, da drohte sie ihm mit dem Degen. Ergrimmt darüber wollte er sich in den Degen stürzen, aber sie wich vor ihm und flüchtete sich mit dem Zauberdegen von ihm fort. Seine Wut war entflammt, er ging in Konrads Nebenzimmer und fragte, warum er nicht ihm zu hülfe gekommen sei, er sei von einem Fremden überfallen worden. Konrad kam schweisstriefend unter der Decke heraus und sagte: "Herr, das war unmöglich, erst hörte ich Degen klingen, da verkroch ich mich unter der Decke, davon kriegte ich solche Hitze und solchen Schweiss, dass wenn ich aufgestanden wäre, ich mich sicher erkältet hätte, die Nächte werden wahrhaftig schon kalt." Anton konnte über den armen Teufel nicht lachen, er hätte sich gerne Luft gemacht, seine Unruh liess ihn nicht zum Schlaf kommen, gern hätte er den Schimpf vergessen, aber er durfte nicht laut schimpfen; er hoffte auf das zärtliche Gespenst, um seine Galle dagegen auszuspeien Aber auch das blieb aus und nachdem er die Stunden auf und nieder schreitend in seinem Zimmer gemessen hatte, wurde es hell, da wurde es ihm wehmütig in seinem Herzen, er liess sich auf ein Knie nieder und betete zu dem Gestirn, das in alle Naturen klarheit gösse, ihn von diesen grauenvollen Wunderlichkeiten, die ihn umdunkelten, zu erheben, in die arme der einen ewig einigen Liebe zu legen, die einst im gemeinsten Leben ihn so sicher und fest, so erfüllt von einem, so erheitert von allem in ruhiger Tätigkeit geduldet hatte, "vorher aber", rief es in ihm, "räche mich an dem weib, das mich in diesen Abgrund von Zweifeln durch Geiz und Zank gestürzt hat, lass sie erblinden, dass du der Welt nicht dein strahlendes Auge entziehen musst."
Susanna trat jetzt zierlich gerüstet herein, sie sagte, dass alles auf sei, und eine Schar der edelsten Bürger habe beschlossen ihn zu begleiten. Anton sah sie nicht an, er musste die Augen niederschlagen, ein Ekel vor der Nacht schlug ihn selbst nieder und als sie nach dem Zauberdegen fragte, da wusste er kaum, was er antworten solle. Er zwang sich zum lachen und sprach: "Sieh, ich habe gut getauscht, was hältst du von dieser damaszierten Klinge, von dem herrlichen Gefässe?"
"Recht schön", sagte Susanna, "dieser trägt seine Schönheit ausserhalb, jener hatte sie in sich."
Anton schwieg, er fühlte, dass sie recht habe, er hätte heute den ganzen Tag schweigen mögen und still und einsam seinen Weg fortreiten, aber nun musste er noch so viel Grüsse, so viel Feierlichkeiten ausstehen, schon stand der Haufen reitender Bürger in einer Reihe vor dem haus, die Trompeter schmetterten lustig in die Morgenluft, die Pauker wirbelten und liessen ihre Paukenhämmer durch die Luft spielen, die Fahne wehte und die Glocken läuteten. Jetzt gab ein Schiessen mit kleinen Gewehren das Zeichen der Feierlichkeit, die Bürgerschaft rückte von allen Seiten an, der Ratsherr trat in sein Zimmer und bereitete ihn auf ein feierliches Lebehoch, das ihm von den Einwohnern, verbunden mit den fremden Badegästen gegeben werden sollte. Er trat mit ihm ans Fenster, der Ratsherr wollte das Fenster ausheben, konnte aber damit nicht fertig werden, Anton griff zu und hob es mit einem Drucke aus den Angeln, welche Freundlichkeit der ganzen Bürgerschaft ungemein wohlgefiel. Jetzt begannen die Zünfte mit ihren Ehrenzeichen den Zug vor dem Fenster; da trugen die Zimmerleute ein gezimmertes kleines Haus mit bunten Bändern geziert, die Maurer alle Säulenordnungen in grossen Modellen, die Bäcker liessen ihren weiss angezogenen Fahnenschwinger durch eine grosse Brezel springen, kurz jedes Gewerk trug sein eigenes Zeichen mit Pracht und Zierlichkeit, jedes machte ein eigenes Geschenk und jedermann nahm an dem geretteten Wohlstand der Stadt einen gemeinschaftlichen Anteil, einen Ausdruck mit allen, der allen ein neues Band gegenseitigen Vertrauens wird. Nachdem sich alle Zünfte im Kreise gestellt, rief der Ritter Blaubart, wegen des ausgezeichneten Mutes, den er am Tage der Bestürmung bewiesen, dem tapfersten und weisesten Führer, Ritter Grafen von Stock, sein dreifaches Lebehoch, alles rief dreimal mit, dass Pauken und Trompeten kaum zu hören waren. Alle waren entzückt, nur Anton sah mit innerer Scham seinen guten alten Degen in den Händen des Ritters, und seufzte in sich nach gelegenheit ihn mit offener Gewalt wieder zu gewinnen. Seine Pferde wurden jetzt vorgeführt, sowohl die mit eignem Gold und Geschenken aller Art beladenen, als auch die Ritterpferde, da gab es ein Anstaunen der Pracht, er nahm einen herzlichen Abschied von seinem Hausherrn und hing ihm eine goldne Kette um, auch Gertraud zeigte sich ihm ganz unbefangen und fröhlich, als sähe sie ihn zum ersten Mal, aber es war ihr noch eine Beschämung zugedacht und die blieb nicht lange aus.
Der arme Konrad hatte ihre stimme in der Nacht recht wohl vernommen, er meinte einen seiner bäurischen Spässe an ihr vollbringen zu können und hatte ihr im Vorbeigehen, wo er ihr den Rock zu küssen schien, einen Faden hindurch gezogen, den gab er so geschickt über seine Schulter mit den Zügeln in Antons Hand, dass dieser, indem er sein Pferd anspringen liess,