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nicht wieder, herzlichen Dank für die gnädige Zahlung, ich habe viel verloren in diesem Brande, aber meiner Frauen Tod macht aus einem geschlagenen einen reichen Mann, ich und mein Georg wissen vor lauter Vergnügen nicht, wo uns der Kopf steht; was von Gott kommt, das gedeiht durch Gott, was aber vom Teufel kommt, das geht mit dem Teufel unter, meine Frau ist wie ein Feuer in mein Haus gekommen und mit dem Feuer hinausgezogen, ich verlang nicht selig zu sein, wo sie es ist."

"Ja", sagte Anton, "es ist erschrecklich, wie leichtsinnig wir Männer zu den Weibern kommen, hütet Euch künftig davor, wenn Ihr Eure Hosen behalten wollt, Ihr habt der ganzen Stadt immer so gut geraten, aber die ganze Stadt ist dafür an Eure Frau geraten und das taugt nicht."

So schieden sie mit weisen Sprüchen auseinander, Güldenkamm kam wie aus einem Triumphzuge aus allen Kneipen der Stadt zurück; ganz behangen mit Kränzen und Bändern wie eine Festtagskerze, schüttelte er sich sehr ärgerlich, als Anton ihm anzeigte, dass er Rüstung und Pferde gekauft habe, um mit dem anderen Morgen nach Waiblingen zu ziehen. Desto froher war Susanne, ein geheimer Kummer musste sie in der Stadt beschwert haben, ihre Freude war heftig, sie sprang gegen ihre Gewohnheit hoch auf und rief: "Nun wird alles gut, Ihr kehret heim zu Eurer Hausfrau, lebet treu und ehrlich und ich kann ungekränkt in Eurer Nähe mich in allem unterrichten lassen." – "Nein liebes Mädchen", sagte Anton, "du hast meinen Fluch gehört, jenes Glück ist für mich kein Wunsch mehr, es liegt hinter mir, aber ich will seine Grabstätte noch überreiten, um seiner zu spotten, es liegt mir wie ein Balken auf meinem haupt, dass mein Weib noch immer in sich triumphiert, wie ich in Not schmachte, als ein armer Wicht und meint mich bestraft für den unschuldigen Leichtsinn, der mich erheitert hat, sie soll es sehen, dass das Glück mir ewig treu ist, ich will ihr nichts schuldig bleiben, reichlich will ich ihr ersetzen, was sie mir geschenkt, aber wenn sie dann mich verlangt, da soll sie mich suchen und nicht finden, wie ich sie nicht gefunden habe, als ich sie suchte." – Mit diesen Gedanken legte er sich auch ins Bette, er sah sich schon in stolzer Rüstung über den Markt reiten, liess sein Pferd auf den Hinterfüssen tanzen, und vergass darüber der zärtlichen Gestalt zu achten, als ein leises Pochen seine Tür erschütterte und fräulein Gertraud zu ihm ins Zimmer trat, in einer Hand eine Blendlaterne, in der andern einen schön geschliffenen Degen. Anton glaubte im ersten Erwachen, sie komme in der Absicht ihn zu ermorden, aber ihr freundliches Niederknieen an seinem Bette, der Kuss, den sie auf eine Hand drückte, liess ihn eher einen Liebesgruss hoffen, wozu sein Herz auch nicht unwillig sich regte. Er hoffte ein Wort von ihr zu hören, aber sie schwieg, sah ihn zärtlich an und reichte einen Degen mit dem etwas ungeduldigen Ausrufe: "Da, da!" – "Soll der mein sein, soll ich ihn zu deiner Ehre führen?" – Sie nickte und fing an ihn zu küssen, einerlei was sie von ihm wegriss, was Antons Begierden nicht bloss entflammte, sondern auch seine Ehre gewissermassen, die sie in Zärtlichkeit zu überwältigen strebte. Dieser Wettstreit von Höflichkeit verwirrte ihre Lage immer mehr, war ein Kuss ungewöhnlich vertraulich, so wurde der Gegengruss frei und der dritte unzüchtig, der vierte hätte Anton zur Schändung der Ehre der schönen Verlobten veranlasst, wenn sie nicht zurückgesprungen wäre und geweint hätte. Anton schauderte wie ein armer Sünder darüber zusammen. "Was begegnet Euch fräulein, welch ein Unglück schwebt Euch wie ein Gespenst vor!" – Sie aber antwortete: "Ich will allem mich unterwerfen, aber schenke mir den Degen, womit Ihr meinen Ritter überwunden habt, er wird ihn und seine wilden Launen in meine Gewalt geben, wisset, dass schon zwei Frauen durch seine Heftigkeit gestorben sind." – "Mein fräulein", sagte Anton, "der Degen ist mir lieber als das teuerste Glied meines Leibes, Ihr fordert zu viel und es ist Torheit von Euch; was der Degen wirkt, das wirkt er nur in meiner Hand, in Eurer Hand ist er eine Gerte." "Bitte, bitte", sagte sie kindisch, "ich brachte Euch dieses prächtige Schwert, dessen Knopf in Italien von Benvenuto Cellini in Stahl so herrlich geschnitten des Herkules Taten darstellt, seht ihn bei der Lampe, wie wunderbar, und Euer Degen dagegen, halb verrostet, der Korb zerbrochen und klappernd, wie könnt Ihr mir diese Kleinigkeit versagen, und dass ich ihn führen kann, bei Gott, das solltet Ihr gleich sehen; wenn Ihr ihn mir geben wolltet, ich würde Euch zeigen, und damit nieder strecken und mit tausend Küssen züchtigen, macht die probe!"

Anton konnte aus ritterlicher Gesinnung nichts dagegen einwenden, er reichte ihr seinen rostigen Flederwisch und bewaffnete sich mit dem neuen Degen. Gertraud drang lustig auf ihn ein, er vermied es erst sie zu berühren und wendete nur ihre Hiebe von sich ab, deswegen ging er einigemal zurück, der wunderliche Geist des Degens hatte sie besessen und wäre er nicht durch Zufall in sein Bette gestürzt, er möchte verloren gewesen sein. Er schämte sich