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"Sprech Er nur nicht zu lange", sagte der Trompeter zu dem Feldherrn, "ich habe meine Zeit auch nicht gestohlen!"

"Was ist Er?" sprach der arme Konrad; "Er ist Trompeter, also schweig Er, wenn sein Kriegsoberster redet, wie soll ich Krieg führen, wenn jeder Schliffel drein spricht."

"Recht so", sagte Anton, "Ihr versteht's, das ist Kriegsordnung."

"Nun hört Er wohl", sprach Konrad, "der Herr sagt's auch, immer soll ich unrecht haben, sie sehen es mir alle an, dass ich nur ein dummer Bauer bin. Sie hören mich doch noch an, was ich so in meiner Dummheit rede, aber die Ochsenpantoffel lachen mich immer aus." Nun gnäd'ger Herr, da kam die neue Pfennigsteuer und die neuen Masse in unser Land, das fand ich ganz unrecht, Mass ist Mass, und was wir zu geben hatten, das gaben wir lange; als wir so zusammen waren, sprach ich darüber und alle gaben mir recht; da nahm ich meinen Stock, machte einen Kreis und sagte: 'Wer den Pfennig nicht geben will, der komm in diesen Kreis.' Da gingen sie alle hinein und so weit war es recht gut mit dem Spass, aber da war gleich der Geisshirte und der Hammelmann, die sagten, ich solle ihr Feldoberster werden, oder der Teufel sollte mich auf der Stelle holen. Es waren ein paar starke Kerls, rechte Knochenbrecher, was sollte ich mich wehren, ich sagte ihnen: 'Meinetwegen, wenn's nicht anders sein soll'; wenn unser Herr Treibjagen hielt, hatte ich oft schon die Jungens angestellt. Da war alles richtig."

Ein Bauer kam jetzt mit grossem Zorne: "Oberster, wir hauen Euch das Fell lederweich, wenn Ihr nicht bald den Kram abschliesst."

"Bedanke mich für eure Dienste", sagte Konrad, "mag nicht mehr euer Feldoberster sein, alle Tage Prügel zu kriegen, man mag tun, was man will, das hält kein Mensch auf die Länge aus; wenn es Euch recht ist, gnäd'ger Herr, so gehe ich mit Euch in die Stadt, Ihr braucht doch wohl einen Hausknecht, ich bin fleissig und diese geschichte soll meinem Vorwitz eine rechte Warnung sein."

Die andern Bauern und der Trompeter wollten über den armen knickbeinigen Kerl mit derben Fäusten herfallen, aber Anton schmiss sie zurück, versicherte ihn seines Schutzes und liess den Bauern durch den Trompeter sagen, wenn sie nicht liefen, dass ihnen die Beine ausfielen, so möchten sie wohl nimmermehr gesund nach haus kommen, dann ging er mit seinem armen Konrad in die Stadt, den er sogleich als Knecht in seine Dienste einsetzte und bestallte mit dem amt eines Stallknechtes.

Der Übergang ihres Oberfeldherrn Konrad, die Nachricht von Segers und der Seinen tod hatte schon gewirkt, noch ehe Anton dem Rate Bericht über seine Sendung abgestattet hatte, die Bürger sahen mit jubel den schnellen Rückzug der Bauern und sangen Schandlieder hinter ihnen her: "Vor einem Knall sind sie geflohn, gelobt sei unser Herr Anton." Alle dankten ihm jetzt feierlichst für seinen Heldenmut und Klugheit, die Tochter des Ratsherrn, die ihn gestern erstechen wollte, überreichte ihm mit einem zärtlich verwirrten, beschämten Blicke einen Kranz und einen herrlichen roten Mantel mit Gold gestickt. Beides musste er anlegen, um zu dem Rate hinauf zu gehen, der ihn in einer ernsten Rede begrüsste und den Ritterschlag durch des Kaisers hohe Hand ihm zusicherte. Anton achtete wenig auf diese Rede, denn hinter dem Redner im Dunkel begrüsste ihn die zärtliche Gestalt mit solcher Heftigkeit, dass er erhitzt vom Kampfe sich kaum bemeistern konnte; alle lieblichen Jungfrauengestalten, die ihn mit Gertraud umgaben, unter denen auch viele waren, die er im Bade gesehen hatte, verschwanden gegen den glühenden Reiz, die schamlose Lockung der zärtlichen Gestalt, alles, was zu seiner Ehre gesprochen war, schien ihm zum Ärger gesagt, denn seine ganze sehnsucht strebte nur nach dem Augenblicke mit der frechen Schönen allein zu sein. Neue Qualen hinderten ihn, als jetzt noch die verwundeten Gefangenen, nachdem die Frauen entlassen, in seiner Gegenwart zum Verhöre geführt wurden, aber die Lichter, die jetzt den Saal erhellten, verdrängten den zärtlichen Schatten, er gewann der Fassung und Überlegung genug, die Entwirrung alles Rätselhaften in den begebenheiten der letzten Tage mit Ruhe abzuwarten und abzuhorchen. Der fahrende Schüler, welchen er niedergestreckt, wurde noch lebend hereingetragen; er litt fürchterlich in den Qualen seines Gewissens, mehr als an seinen Wunden, und erklärte, dass er in Rom von Mönchen mit Seger und vielen hundert andern, die sich nur aus Zeichen kannten, ausgesendet worden sei, die Länder, in denen sich ein Anhang Luters zeigte, durch Brand und Aufruhr zu verwüsten. Ihm wurde ein Geistlicher gerufen, dem er sein Bekenntnis schwer atmend in abgerissenen Sätzen ablegte, die Reihe seiner Brandstiftungen übertraf seine Kräfte; durch geheime Zeichen, die nur den Seinen bekannt waren, heftete er das Verderben an friedliche Wohnungen, deren Bewohner sie sahen und als kindische Spielerei duldeten, wo bald das Feuer zu ihrem Verderben eingelegt wurde; selbst den Vögeln, deren Schutz sonst Segen über die Häuser bringt, den frommen Schwalben, hatten sie oft brennenden Zündschwamm an die Füsse gebunden, womit sie in ihre Nester geflogen sind und ihre Jungen zuerst