Gefangenen auszuforschen, dem Feuer musste erst Einhalt getan werden, das mit unermüdlicher Tätigkeit um sich griff und zerstörte. Anton befahl, einige kleinere Häuser, die den brennenden teil mit dem übrigen Teile verband, niederzureissen, er selbst stieg voran und half mit seiner Stärke; als diese Arbeit beendigt, liess er die Spritzen an diesen Übergangsorten sammeln, jenen teil aber dem Feuer Übergeben, das ihn auch in einer Stunde nach dem Kampfe bis zu den Kellern ausgebrannt hatte. Die Wachen blieben noch immer an ihren Stellen; jetzt aber, wo man mitten in dem Jammer und in der Freude der Bürger, die siegend viele der Ihren verloren hatten, zu der Untersuchung schreiten wollte, verkündeten die Hörner aller Turmwächter die Ankunft eines Heeres. Das Zutrauen zu Anton hatte sich bis zu einer göttlichen Verehrung durch den Erfolg vermehrt, jeder wusste von seinem wunderbaren Kampfe mit dem fahrenden Schüler zu erzählen, der allerdings ein Erzzauberer gewesen sein musste; jeder fragte jetzt um seine Befehle und er liess schleunig die Tore schliessen, die Brücken aufziehen und die Bürger, die endlich alle bewaffnet waren, den Wall besetzen, die Ermüdeten mit Wein aus den Ratskellern stärken, auch speisen durch die Weiber herbeitragen.
Der anziehende Haufe wurde an seiner unordentlichen Bewegung, an dem unbestimmten Blinken mannigfaltiger Waffen, an den Feuersäulen, die hinter ihm aller Orten aufgingen, für ein Bauernheer erkannt, das sich unter Anführung des armen Konrad schon seit einem monat versammelt hatte. Bald trieb der Wind den hohen Staub über die Stadtmauer, auch klang das alte Spottlied: "Der Schwäbisch Bund kummt, die Gurr gumpt, da drunten, da droben, da kummen die Schwoben mit der kleine Gillegeia, mit der grossen Gunggung."
Anton vertrieb ihnen dieses Zutrauen, indem er auf einen Wink erst alle kleine Gewehre, dann alle grossen Stücke gegen sie losbrennen liess. Diese unerwartete Anrede wendete sie in einem Augenblick allesamt um, die Getroffenen ausgenommen, die jämmerlich am Boden schrieen; sie zogen sich in eine Entfernung, wo sie vom Geschütz nicht mehr erreicht werden konnten. Kurz darauf ritt ein Trompeter bis nahe ans Tor und begehrte eine Unterhandlung, Anton musste auf Begehren der Ratsherren zu ihnen heraustreten. Der Abgesandte bei dem Trompeter war der arme Konrad selbst, er bot der Stadt Friede und Schonung ihrer Dörfer an, wenn man ihnen alle Freunde, die wahrscheinlich bei ihnen gefangen seien, ausliefern wolle, insbesondere erkundigte er sich nach Seger, der über alle Haufen den Oberbefehl führte. Anton sagte ihm, dass er tot sei. Da wollte Konrad schier aus der Haut fahren, er schlug sich gegen die Stirne und weinte die hellen Tränen, ein paar seiner Leute begehrten von ihm Rat, er aber sprach: "Ich bin nicht Konrad, sondern kein Rat. Der arme Konrad heiss ich, bin ich, bleib ich!" -Anton erzählte ihm alle Greuel, wie es in der Stadt ergangen, ehe sie der Fremdlinge Meister geworden seien, Konrad redete granzend dazwischen: "Ja wär Seger nur nicht so früh gestorben, da wären wir diesen Morgen schon in der Stadt gewesen und hätten gewirtschaftet; da er uns kein Zeichen mit dem Tuche an der Mauer gab, so schlichen unsre Kundschafter zurück und meinten alles bis morgen aufgeschoben; was mag dem guten Bruder angekommen sein, ach gnädiger Herr, es ist mit der Mutter Maria gar nichts mehr, sonst wär es uns besser gegangen, sagt guter Herr, was habt Ihr in der Stadt für einen Patron, wir wollen uns auch darunter begeben."
"Hör du arme Seele", sprach Anton, "du bist auch wohl zum Heerführer geworden, du weisst nicht wie?"
"Ja Herr, woher wisst Ihr das?" sprach Konrad, "seht Ihr's mir an der Nase an? ja verflucht! – meine Nase hat mich immer verraten, seht nur, ich war ein armer Knecht des Herzogs von Württemberg in Beutelsbach und da sagte mir einmal der Seger, der Herzog sei ein Mensch wie ich; das kam mir gar wunderlich in die Gesinnung, ich fragte den geistlichen Herrn, was jenen zum Herzog und mich zum armen Konrad gemacht habe, der sagte mir, der liebe Gott, und weil wir beide, der zum Herzog und ich zum Konrad geboren, so seien wir auch höchsten Orts dazu gewählt und müssten wir dabei bleiben. Damit war ich ruhig und wurde bald darauf von einem hitzigen Trunk sehr krank und der Geistliche sagte, ich solle mich nur drein ergeben, ich müsse sterben. Ich sagte ihm aber kecklich: 'Nein Herr, so geb ich mich noch nicht', und er musste unverrichteter Sache abziehen, ohne dass er mich zum tod vorbereiten konnte. Da wurde ich bald darauf wieder gesund, sass einen monat nachher auf meinem Kirschbaum und pflückte mir Kirschen der geistliche Herr ging darunter weg und sah mich nicht, da liess ich ihm ein Dutzend Kirschen auf die Nase fallen. 'He Konrad' sprach er, 'seid Ihr's, wie geht's Euch?' – 'Recht gut', sprach ich 'ich bin auf einen grünen Zweig gekommen, aber sagt Herr, wo wär ich jetzt, wenn ich Euch gefolgt wäre und mich ins Sterben begeben hätte.' – Seht Herr, seit dem Tage kriegte ich einen festen Mut; was mir nicht recht war, das sagte ich und litt es nicht, wo etwas auszufechten war, da sprach ich