bemerkt ihn, denn eben geht ein grösseres Wunder die gemauerten Stufen zum Marktplatze herunter, des Junkers bleiches Angesicht blickt aus seiner Rüstung, in der ihn die Seinen in der Kirche niedergelegt hatten, verwundert auf die Menschen herab, die vor ihm wie vor einem geist flüchten. Anton weiss alles aus seinem Traume, aber er kann es nicht ausdrücken, sein Auge ist schon auf einen neuen Zug geheftet, der von der andern Seite der Kirche die Stufen herab kommt. fräulein Gertraud und ihre jammernden Freundinnen, die den Leichnam des Ritters bekränzen, rufen in alle Winde den Frevel aus, der dieses trauernde Denkmal jugendlicher Schönheit ihnen entführt hat, ihr Schritt ist immer heftiger; wie sie aber den Markt betreten, sieht zu ihnen der Ritter mit ausgebreiteten Armen, die Liebe des Fräuleins weicht jetzt der Furcht, sie kann nicht fliehen, aber sie wendet sich von ihm und schliesst ihre Augen mit beiden Händen. Es ist ein Augenblick, wo alles stille steht, dass die Ratsuhr über den vollen Markt zu hören ist, dann aber hat die Seele aus ihrer innersten Tiefe einen Lebensmut getrunken. "Gertraud, ich lebe", ruft der Ritter, "geliebte Gertraud, sieh, mein Waidewund kennt mich und legt sich mir zu Füssen, wende dich nicht fort von mir." Kaum ruht sie selig in seinen Armen, so eilt Susanna auf Anton zu und spricht zu ihm: "Herr, waffnet Euch, oben in der Stadt, im wirtshaus wird heftig gefochten, viel fremdes Volk ist in der Stadt, die sie verbrennen wollen, alle rufen nach Seger, der muss ihr Anführer sein."
Nach diesem Zuruf reichte sie ihm den Degen der Frau und einen Helm, den sie gefunden. Schon stürzen die Ratsherren herbei und einzelne bewaffnete Bürger, viele sprechen von Gegenwehr. "Nieder mit den Mordbrennern!" schreien sie, aber keiner führt sie, keiner weiss die Macht zu richten.
Da tritt Anton in ihre Mitte und schreit: "Wer die Stadt lieb hat, der folge mir!" – Die Gewalt seiner stimme und seines Ansehens unterwirft sich alle, Ritter Blaubart selbst stellt sich an seine Seite, keiner kennt ihn und doch trauen ihm alle, denn mit rascher Einsicht teilt er die Männer ab, lässt die Halbbewaffneten zurück, teilt die Bewaffneten in drei Rotten, die eine führt er, die andere der Ritter, die dritte Susanna. Diese drei lässt er durch drei verschiedene Strassen gegen das Wirtshaus andringen, wo die fremden Mordbrenner Seger suchen. Wo sie ziehen, geben sie den guten Bürgern Mut sich ihnen zu gesellen, ihre Zahl vermehrt sich um das Doppelte, ehe sie an dem Ort des Kampfes ankamen wo die Bürger eben nach allen Seiten vor den Fremden zurückwichen, aber auf allen drei Seiten, wo sie fliehen wollten, von den frischen Rotten aufgenommen und in den Kampf zurückgedrängt wurden.
Der Kampf war über alle Erwartung heftig, die Gegner wohl bewaffnet und so entschieden auf Sieg oder Tod gefasst, dass alle Anerbietungen von Gnade bei ihnen abgleiteten; sie selbst hatten hinter sich die Häuser angezündet, dass keiner der Ihren im Wahne sich zu retten, den Kampf verlassen konnte, dabei schien eine Religionswut sie zu begeistern, denn sie riefen grimmig den Bürgern "Ketzer! Ketzer!" entgegen, auch teilte das ausbrechende Feuer die Aufmerksamkeit des Rats und der herbeieilenden Bürger. Anton half nach, wo er irgend einen Kampf zweifelhaft sah, ihn selbst scheuten die Verräter, er aber schonte sie nicht und sein Degen arbeitete in seiner Hand, dass er es selbst nicht begreifen konnte. Sein Mut drängte ihn vor, und er war fast von den Feinden umringt, als ihm die bekannte stimme Fausts zurief: "Komm, flüchte in meine arme, ich weinte mich blind, wenn dein Leib durchbohrt wäre." Aber mit grimmem Zorne, den er nicht bewältigen konnte – es war ihm, wie in der Kindheit, wenn ihn grosse Mädchen verspotteten – schlug er auf den Doktor ein und streckte ihn nieder. Jetzt aber trat ein fahrender Schüler gegen ihn auf, der einen festen Degen hatte, keiner mochte da nahe treten, viele aber ruhten einen Augenblick, denn solche Künste hatte noch niemand geschaut, aber wie zwei Ärzte, welche mit ihrer Kunst bei einer Frau, die beide lieben, gegen einander wirken und beide nichts ausrichten können, weil sich ihre Mittel und Liebestränke einander aufheben, so fochten auch diese festen Degen gegen einander ganz vergebens, bis Güldenkamm, der bisher unter den Fremden versteckt gewesen war, mit des Fräuleins Nadel, die er in seinem Busen bewahrt hatte, den fahrenden Schüler von hinten durchstach, dass er umsank. Jetzt konnte Anton erst wieder auf die Seinen sehen, da war aber alles rückwärts gewichen, ja alles wäre verloren gewesen, wenn nicht die, welche am Markte von ihm zurückgelassen worden, jetzt verstärkt ihnen zugezogen wären. Unter diesen waren endlich auch gute Schützen, die ihre Musketen geladen hatten und den Kampf entschieden, da gab es ein Bücken, ein Schreien zu allen Heiligen, ein Fluchen und Würgen; die Fremden wurden endlich in den brennenden Hof des Wirtshauses getrieben, nachdem sie ihre grösste Zahl verloren hatten. In dem Jammer dieser Glut suchten sie wieder hinauszudringen, da stürzte aber das Gebäude zusammen und die letzten schrieen mit grosser Wut, aber unerschütterlicher Festigkeit Rache und Trotz gegen die ketzerische Stadt.
Jetzt liess Anton den Bürgern noch nicht Zeit ihre Gefallenen zu betrauern und ihre