er gleich lieber in einer schönen Fläche geruht hätte. "Es ist ein eigner Zauber an mir", dachte er, "es macht sich alles von selbst, und wird alles anders als ich meine, bin ich etwa der Zauberer, der seine Kräfte nicht kennt? Jetzt will ich sie versuchen." Scheu wendete er sich nach dem Dunkel und erblickte die zärtliche Gestalt in grosser Nähe, sie sprach auch zu ihm, als er sein Auge nicht abwendete: "Zauberer, warum ziehst du mich aus meiner Seligkeit und stösst mit Degen und Blicken gegen mich und verachtest mich? Deiner Macht muss ich gehorchen, aber du gebietest mir nicht und mein Dasein wird ein ewiges Warten." – "Bringe dich selbst um", rief er wild, "opfere dich mir, dass ich deiner Dienste froh werde, indem ich dich verliere." Die zärtliche Gestalt wendete sich um und sprach: "Ich bringe mich um alles, wenn ich dich nicht mehr sehe." – "Vernichte dich", rief Anton, "hänge dich." – Mit einem Sprunge hing sie an seinem Halse: "Hängen will ich mich an dich, vernichten will ich mich in lauter Zärtlichkeit."
Er hatte sich nur hart gestellt, sein Herz klopfte, seine Wangen brannten, sie aber schlief in seinen Armen ein und mitten im Taumel seiner Wünsche, denen er nicht mehr gebot, die er nicht zu hemmen wünschte, machte ihn der Anblick ihres müden sinkenden Auges so schlaftrunken, dass er eingeschlafen war, ehe er es ahnte. Durch eine wilde Verwirrung von Schrecknissen aller Art wandelte er träumend und kam zu einem sicheren behaglichen Leben auf hohem schloss, er hiess der grosse Zauberer, aber er mochte nicht mehr zaubern. Nun kommen viele Gäste bei ihm zusammen, darunter auch alle, mit denen er in diesen Tagen zusammen gewirtschaftet, er sah Seger und den Junker Blaubart unter andern neben sich und jener bat ihn, an diesem seine alte Kunst zu beweisen, Köpfe abzubauen und wieder anzusetzen. Ihm ist bei dieser Rede, als ob er die Kunst wirklich verstehe, aber, so wie einen gefährlichen Sprung, der doch einmal missraten könnte, gänzlich abgeschworen hätte, aber alle dringen in ihn, er möchte es nur einmal noch versuchen. Sicher seiner Sache, aber doch ängstlich, weil es das letzte Mal ist, wo er sich damit zeigen will, haut er den Kopf mit eben dem Degen ab, den ihm Frau Anna gesendet hat, er wirft ihn spielend in die Luft und setzt ihn dann wieder auf, aber die Muskeln wollen einander nicht anpassen und der Kopf sieht ihn starr an. Gleich merkt er, dass einer der Gäste ihn daran behindert, er bittet flehentlich ihn nicht zu stören, versucht wieder das Aufsetzen jenes Kopfes, aber es ist durchaus, als wäre ein Stück verloren, es fügt sich nicht zusammen. Er warnt und droht dreimal, der Kopf fügt sich nicht zusammen. Da bricht ihm der Verstand auf, er zieht aus einem Fenstergitter eine weisse Lilie auf, der hieb er die Blume ab, im Augenblicke stürzte Seger neben ihm tot nieder, aber der abgehauene Kopf fügte sich von selbst dem Rumpfe, der Junker stand frisch vor ihm und schmähete auf Seger als auf einen verruchten Zauberer, der ihm nach dem Leben getrachtet habe. Darauf folgten Hochzeiten und hohe Freuden, es lagen aber viele erschlagene Bauern unter den Tischen.
Seger hatte während dieser Nacht, wo Anton also träumte, wenig Ruhe gehabt, er war bald zu Güldenkamm, bald zu Susannen gekommen und hatte ihnen unter grimmigen Klagen versichert, dass ihm am nächsten Tage der Tod bevorstehe, sie möchten doch für ihn beten, vielleicht könnte es ihm noch helfen, er wolle selbst sein Geld zum Messelesen tragen. Der Wirt, den er deswegen weckte, versicherte ihm aber, dass seit der Bilderstürmung keine Messe mehr in der Stadt gelesen werde, Seger schlug sich vor den Kopf und hatte im Zimmer keine Ruhe, er lief durch die Gassen in grimmiger Angst und schrie ein so entsetzliches Wehe, Wehe, Wehe durch die Stadt, dass viele ehrliche Bürger, die davon erwachten, heftig erschreckt wurden, doch schrie er so fort bis an den Morgen, wo ihn die Scharwache nach langem Kampfe festielt. Er wurde auf den Platz geführt, wo gestern das ritterliche Gefecht gehalten worden war, und stand auf dem Flecke, wo das Blut vergossen, da klagte er grimmig über Brand, aber die Wächter liessen ihn nicht von der Stelle. Anton erwachte von seinem Geschrei, halb taumelnd noch von seinem Traum sprang er ans Fenster, nach der ursache umzuschaun, da liegen die Blumen, die Susanna am Abend hatte fallen lassen, und eine Lilie legt sich an das Gitter, als ob sie daraus erwachsen wäre. Anton, halb noch im Traume, vor sich den Platz überschauend, wo er gestern den Junker niedergestreckt hatte, reisst ohne Nachgedanken, bloss in Erinnerung seines Traumes das Haupt der Lilie ab, ein grimmiger Schrei erhebt sich jetzt auf dem platz, die Wachen laufen auseinander, so schrecklich hat Seger sie angeblickt, jetzt liegt er bleich an dem Boden und scheint entseelt.
Anton wendet sich fort vom Fenster und sieht im Dunkel die zärtliche Gestalt, seine Gedanken laufen zusammen, die Angst ergreift ihn, mit einem Drucke seiner Hand reisst er die eisernen Stäbe seines Fensters aus der Mauer und steht in einem Schwunge frei vor dem Turme. Keiner