, dass er ihm doch den Sieg einräumen müsse. Deswegen ging Wolfram in die Kirche und hinderte also die Trauung Heinrichs mit Helena, die für die Nacht festgesetzt war; inzwischen gab ihnen der Klingsohr, der Heinrichs Bedienter war, einen geschickten Anschlag, durch allerlei Schrecken den Wolfram in der Kirche also zu betörkeln, dass er von dem Trauaktus gar nichts bemerkte und doch nicht leugnen könnte, als Zeuge gegenwärtig gewesen zu sein.
Es ward nun dunkler und das Teater sollte eine Kirche darstellen, Wolfram schlief und Klingsohr kam und gab ihm einen derben Schlag auf den Hintern, gleich fing jener an die Schwanenweise zu singen, aber sowie er sich umzudrehen wagte, wurde er auf alle Art von Klingsohr misshandelt, während Heinrich und Helena nicht fern von ihm getraut wurden. Beide kamen jetzt und umarmten den Bruder und Schwager, der in grosser Angst, dass sie der Teufel wären, vor ihnen in alle Winkel flüchtete. Nachdem Wolfram also abgeängstigt worden zum grossen Vergnügen des stinkenden Volkes, da erklärte der weise Landgraf die ganze geschichte und Wolfram konnte gegen die Heirat nichts einwenden, da alle, die zu widersprechen das Recht hätten, bei der Trauung aufgerufen worden, er aber gegenwärtig gewesen war und geschwiegen hatte, alles endigte sich in einen Tanz, ans Hängen wurde nicht weiter gedacht. Wolfram Seger liess zum Brautkranz künstliche Blumen aus dem Tisch wachsen, die Helena Susanna mit Freundlichkeit annahm. Nach dem Ende des Stückes musste Helena Susanna in ihren weiblichen Kleidern herumgehen, um die freiwilligen Gaben der Zuschauer einzusammeln; da sie in weiblicher Kleidung, ungeachtet ihres verbrannten Gesichtes, doch eigentümlich schön erschien, so gab jeder eine Kleinigkeit, die sie sehr verschämt in dem ledernen Beutel empfing, den Frau Anna ihr verehrt hatte, das Loch darin hatte sie vorher sorgsam zugebunden, dass ihrem verehrten Herrn nichts verloren gehe. Kaum hatte sie den Umgang mit ihrem Beutel gemacht, so schlich sie sich, ohne den Mitschauspielern etwas zu sagen in ein Nebengemach, warf die weiblichen Kleider ab und sprang hin zu dem Turme, worin Anton lag, und blickte durch das Gitter zu ihm hin, ehe sie ihm aus Rührung das Mitgebrachte reichen konnte. Nur nach vielen Bitten hatte Anton eine Lampe erhalten, nachdem ihn das zärtliche Gespenst im Dunkel wohl zwei Stunden mit zärtlichen Liebesworten versucht hatte; jetzt sass er bei einem groben Brote und einem Kruge wasser und sang, indem er Susannen, die am Fenster stand, wieder für das Gespenst hielt:
Zärtliche Gespenster,
Weicht von meinem Fenster,
Liebe mag nicht hausen
In der Erde Grausen,
Treue mag nicht dauern
In den kalten Mauern.
Mich schmerzt der süsse Blumenduft,
Der lieblich atmet in die Gruft,
Was soll mir flücht'ge Frühlingsgabe?
Ich lieg versteinert in dem grab.
Der Wächter rief die neunte Stunde vor dem Fenster ab und sang:
Wie trat ich, Herr, so oft vermessen
Vor dein allgütig Angesicht,
Ich hab dich Herr so oft vergessen,
Doch du vergassest meiner nicht,
Du liessest deine Sonne scheinen,
Als schwarze Blindheit mich bedeckt,
Nun ich will reuig vor dir weinen,
Hast du die Sterne angesteckt,
Du stellst die Wächter meines Lebens
Auf deiner hohen Zinne aus,
Kein Flehen ist bei dir vergebens,
Bewachest auch mein kleines Haus.
Ich ziehe aus mit meinem Horne,
Bewache diese Christenstadt,
O Herr, du strafst mich nicht im Zorne,
Lässt mich nicht werden müd und matt.
Will dir im Schlaf mein auge erschliessen
Du hast die Furcht mir zugesellt,
Der Wächter muss so vieles wissen,
Die Nacht ist eine eigne Welt. Susanna stand zwischen den beiden Schreckenstimmen noch voll von dem Tumulte des Schauspiels und wusste nicht, was sie tun sollte, der Blumenstrauss und das Geld schienen ihr eine jämmerliche Gabe für die Grösse der Zeit, die vor ihr auftrat, sie riss unwillkürlich den Beutel auf, wo sie ihn zugebunden, und das Geld fiel klingelnd in das dunkle Gefängnis, der Wächter rief sie an und sie musste sich von dem Fenster fortflüchten.
Anton sah das Geld am Boden und war gleich aufgesprungen, um den unbekannten Geber zu entdekken, er trat ans Fenster, wo ihm der Wächter eine ernste gute Nacht bot und weiter nichts sagen konnte, als dass jemand am Fenster gestanden und rasch davon gelaufen sei. Jetzt las er das Geld auf und erkannte alles für echte Goldgulden, es war eine Summe, wie er sie in glücklichen zeiten nicht besessen, was sollte er jetzt damit in unglücklicher Zeit? Berauschen wollte er sich vor den Nachgedanken, die auf ihn eindrängten, er hatte noch nie über sich selbst nachgedacht wie heute, und sein Wesen, was es sei und wie es mit den andern sich verhalte, wenn er im Kerker durch die Rache des Ratsherrn untergehe, ob ihm die Versprechungen der Mönche im ewigen Leben gehalten würden, das war ihm sonderbar umhergegangen und er hätte es vergessen mögen.
"Wach auf", rief er dem Gerichtsdiener, "ich will Wein haben!" – "Hat Er Geld?" – "Ja, alles mit Gott!" – Und so brachte ihm der schwarze Gerichtsdiener für einen der Goldgulden mehr Wein, als er vertrinken machte. Er setzte die Flaschen in eine Reihe neben sein Strohlager und leerte in hastiger Eile ein paar, da ward ihm das Öde und Zweifelhafte in seinem Leben bald verbunden, er glaubte sich ein Strudel, der alle Schiffe an sich gezogen und verderbt, er selbst musste sich drehen, ob