Klagelied
Rächt durch Ruhm, der nicht verblüht.
Held, du lebst in ihrem Herzen,
Strahlst aus ihren Augen mächtig,
Und es zieht die Nacht so prächtig
Nun herauf zu ihren Schmerzen,
Deines Ruhmes ew'ge Glut
Brennt in ihrer Adern Blut.
Der junge Ritter war jetzt auf die Bahre gehoben und wurde von den Griesswärteln fortgetragen, ihm nach ging Gertraud, von andern Frauen gehalten, dann folgte der trauernde Ratsherr, ihr Vater, dessen stolze Eitelkeit dieses Unglück zugelassen hatte; hart sah er in die Welt und die andern Ratsherren in Besorgnis bedenklicher Folgen, die dieser Vorfall für sie und für die Stadt haben könne, hatten sich von ihm abgewendet, die Bürger folgten paarweis. So gingen sie bei Anton vorüber, der sich nicht verdammen konnte und doch fühlte, dass er zu allem Unglück verdammt sei.
Als der Markt leer geworden, zog ein Sturmregen herauf, der das Blut auszulöschen von raschem Winde hinübergetrieben wurde. Anton trat unter den Bogengang des Ratauses mit seinen Gesellen, und wie er gegen das Dunkel sah, erschien ihm wieder die zärtliche Gestalt, die aber jetzt auch von dem unglücklichen fräulein Gertraud eine Beimischung zeigte. Er stach mit Wut gegen die Mauer, wo er dieses Bild gesehen, aber es wich ihm so geschwind aus und zeigte sich wieder so freundlich in einer andern Ecke, dass er hätte verzweifeln mögen, seine Begleiter glaubten, er habe den Verstand verloren; die Gerichtsdiener hingegen, die schon wegen des Kampfes eine gelegenheit suchten, an ihn zu kommen, nahmen dies für einen Angriff gegen den Rat und die Stadt, er weigerte sich nicht; als sie ihn fangen wollten, gab er seinen Degen an Susanna, die vergebens flehte mit ihm zusammen eingesperrt zu werden. Er wurde in einen Turm am Markte gebracht, sein Fenster hatte die Aussicht auf den Kampfplatz, seine Freunde konnten an den Gittern mit ihm reden und fragten ihn, ob er etwas bedürfe. "Ihr habt ja nichts mir zu geben, könntet Ihr Steine in Brot verwandeln wie ich, da könntet Ihr noch zufrieden sein", so sprach Anton, und Güldenkamm schwor ihm, dass er für ihn noch heute etwas verdienen wolle, und so ging er beratschlagend mit Seger und Susannen ins Wirtshaus zurück.
Dort fanden sich ein paar aufgeweckte Bettelmönche, die sich mit Seger sogleich in ein lustiges Gespräch einliessen, der ihnen den Vorschlag auseinandersetzte, für einen Freund, der in den Narrenturm gesetzt sei, einen lustigen Schwank aufzuführen; die beiden Mönche schlugen aus Vergnügen mit den Händen zwischen den Füssen zusammen und hoben sich während des Vortrags auf den Zehen, als ob sie überfallen wollten. Seger ging gleich umher und schrie in der Stadt das schöne Schauspiel von dem Kriege auf der Wartburg aus. Die Tische waren unterdes schon an einander gerückt und die Anzüge zusammengelumpt; ein sehr gemischtes Völkchen füllte bald den grossen Wirtssaal. fräulein Helena von Eschilbach, von Susannen in den Kleidern der Wirtin, die sie über die eignen gezogen, dargestellt, erschien zuerst und betrauerte, dass die Ungeschliffenheit ihres Bruders alle Menschen von ihr zurückschrecke, sie sprach sehr zärtlich von ihrem vielgeliebten Heinrich von Ofterdingen und erzählte, dass er jetzt zu ihr komme, die Bekanntschaft mit dem rauhen Bruder zu machen. Güldenkamm kam nun als Heinrich von Ofterdingen mit seinen zärtlichsten Liedern aufgetreten, so dass Helena ihm ihre Hand fest verlobte. Diesen schönen Augenblick störte die Ankunft Segers als Wolfram von Eschilbach, er brach sogleich in erstaunliche Schimpfreden gegen die Gesangsweisen Heinrichs aus, worüber dieser sehr entrüstet ihn zum Kampfe forderte. Der Landgraf von Türingen, einer der Bettelmönche, der auf diesen Lärmen aus seiner Regierungsstube heraustrat, erkundigte sich nach der Ursache des Streites und als er vernommen, dass die beiden Edelleute mit einander kämpfen wollen, so hatte er Mitleid mit der zierlichen Schwäche Heinrichs, über den der ungeschliffene Wolfram kopfhoch hinausragte, und befahl ihnen, sie sollten den Streit mit den Waffen ausmachen, die ihnen besser als die kriegerischen anständen, mit der Geschicklichkeit ihrer Rede, sie sollten Helenas Schönheit preisen, und wer besiegt werde, solle gehangen werden. Beide nahmen den Vorschlag an; der Landgraf hoffte, dass Wolfram, den er hasste, unterliegen müsse, da jener in dessen Schwester verliebt sei. Der grosse Kampf wurde angeordnet, Helena sass auf einem hohen Sessel, dass beide sie sehen konnten, aber Heinrich wurde von ihrem Anblick so wonniglich durchdrungen, dass ihm die Worte wie eine überreife Saat früher entfielen, ehe der Saitenklang sie ernten konnte; wenn er nicht singen sollte, sang er leise zu ihr sein feuriges Lob, sollte er aber vor allen auftreten, da verstummte er. Wolfram und alle Kampfrichter verdammten ihn deshalb zum Galgen, ehe sie ihn aber ergreifen konnten, hatte er sich unter den Mantel Helenas geflüchtet und der Landgraf erkannte ihn als sicher in diesem heiligen jungfräulichen Schutze. Heinrich unterhandelte nun hinter der Schürze seiner Helena mit dem Gegner, er wolle seinen Freund Klingsohr für sich stellen; wenn auch der überwunden würde, wolle er sterben. Wolfram nahm spottend den Kampf an und der andre Mönch, ein lächerlicher runder Kerl mit doppeltem Kinn trat mit einem Gesange auf, den er in der Dreiteufelweise gesetzt hatte und worin er Wolfram aufforderte fortzufahren. Wolfram fand diese Forderung unchristlich, er wolle nur in christlicher Weise singen, und da jener nicht abstehen wollte, so rühmten sie sich beide des Sieges und Klingsohr drohte jenem beim Abschiede, er wolle ihm in der Nacht so viele Teufel zusenden