wollte erst seine Ahnen wissen, worauf Seger beschwor, es sei ein ehelicher Sohn des Grafen von Stock, dann verlangte der Junker, dass er in gleichen Waffen wie er mit Brustarnisch und Schienen sich darstellen solle.
Anton sprach: "Schmeisst Eure Rüstung ab, so sind wir gleich gewaffnet, hab ich gleich nur einen alten rostigen Bratspiess, glaube ich doch gegen Eure Strahlenklinge zu bestehen." Dem Anton war ungemein behaglich; wenn er den Degen ansah, dachte er an seine Frau und es war ihm, als könne er sein ganzes Gift gegen sie damit auslassen, er lag ihm so leicht in der Hand wie sein Pinsel und er wollte sein Bild heute rot anlegen. Der Junker hatte ihm noch mancherlei gesagt, aber er hörte nicht darauf, sondern versuchte für sich die Klinge; der Anhang des Junkers wurde selbst ungeduldig, was daraus werden sollte, und ermahnten ihn dringend, so viele Umstände und Kosten nicht umsonst angewendet zu haben. Seger besonders erhitzte das junge Gemüt dieses Helden, indem er sanft von einem Hundejungen etwas fallen liess, der Männer herauszufordern wage. Der Junker warf endlich mit einem Fluche seine Rüstung weg und um sich aus dem Froste in die Hitze zu bringen, liess er einen Strom von Schimpfreden gegen den Stocknarren los, so nannte er den Grafen von Stock, der es wage, sich mit ihm zu messen; er schwor, die Leute sollten etwas sehen, dass sie die Augen wegdrehen möchten und doch nicht könnten, und schwor, so gewiss ein Teufel in der Hölle, so gewiss wolle er auf dem Flecke in Antons Jacke, sie war am Herzen, ein Loch stossen, das kein Mensch zustopfen solle.
Die Trompeter stopften ihm den Mund, er ging auf Anton mit grosser Heftigkeit, die aber nach den ersten Wendungen und Stössen immer mehr abnahm. Anton begriff sich selbst nicht, er war kaltblütig und führte seinen Degen fast bloss verteidigend aber der Degen zog seine Hand zu den ungeheuersten Stössen fort Stösse von so seltener Geschicklichkeit, wie er sie in der Zeit bester Übung nicht ausführen konnte, auch liess er sich nicht hemmen und halten. "Gott sei mir und dir gnädig", rief er einmal über das andere, wie Unglückliche, die von scheuen Pferden dicht an einem Abgrunde fortgerissen werden, und zwar bisher ihren Weg schneller gemacht haben als sie es erwartet, aber darum doch diese Art der Beschleunigung in keinem Fall loben mögen. "Gott sei mir und dir gnädig", sagte Anton wieder, da steckte seine Klinge, die den Koller des Junkers schon mehrmals gefärbt hatte, in dessen Herzen, dass er niederstürzte und mit dem letzten Worte jammernd bekannte, er sei schuld an diesem unseligen Streite gewesen. Die Seinen sprangen zu seiner hülfe herbei. "Ade Gertraud, süsse Braut, ade mein geliebtes Rotross, ade mein Leibhund Waidewund, das ist meine letzte stunde." Mit diesen Worten verschied er und Anton stand neben seiner Tat wie ein Kind, das mit ängstlicher Neugierde ein schauerliches Märchen hört, es wünscht es bald zu Ende und darum horcht es desto aufmerksamer. Aber nicht lange dauerte seine Unempfindlichkeit. Ein schönes adliges fräulein, prachtvoll rot gekleidet, ihr Hals mit goldnen Ketten behangen, in ihren Haaren eine hohe mit Karniolen besetzte Heftnadel, stürzte sich durch die Menge der Staunenden auf den Entseelten; ihr Jammergeschrei mischte sich mit dem Gurren der Tauben, die sich eben auf einem hohen Ratausturme niedergelassen hatten. "Rächen will ich dich", seufzte sie, "rächen soll ich dich" – zog die Nadel aus ihren Haaren, dass die Locken wie die Tränen bis zur Erde herunter fielen, und warf sich mit Wut gegen Anton, der sich von dem Jammer weggewendet hatte, aber Güldenkamm hatte mit seiner Ziter so schnell zwischen beide gehauen, dass die Nadel in einem klirrenden Zusammenklang durch die saiten fuhr und im Holze stecken blieb.
"Auch deine Adern sind verzaubert und klingen wie Erz", rief sie in Verzweiflung, "aber leben will ich nicht, wenn ich den Geliebten nicht räche, will mich allen Fürsten zu Füssen werfen, dass sie mich rächen, dem will ich mich verloben, der mich rächt, den will ich lieben, der mich rächt, dem bin ich ewig eigen, der mich zu rächen sein Schwert in diesen verruchten Zauberer stösst." Aber keinen der vielen Ritter schien die Liebe, die er nach dem tod geniessen sollte, zu einem Kampfe mit Anton zu reizen; ein jeder flüsterte seinem Nachbar einen andern Grund zu, warum er in diesem Augenblicke mit dem Riesen nicht kämpfen möchte, die meisten aus Misstrauen, dass so ein Versprechen aus Not nicht gehalten werden dürfte. Als keiner für sie streiten wollte, warf sie sich wieder bei dem Toten nieder. "Hier will ich sterben, an deiner Seite ruhen bis ich am jüngsten Tage Rache schreien kann." Güldenkamm hatte jetzt die Nadel aus seiner Ziter gezogen und sang zur Trauernden hingeneigt:
Mit dem Dolch reg ich die saiten,
Dass sie in den Sonnenstrahlen
Flammen von der Liebe Qualen,
Tönen von dem harten Streiten,
Rächend seiner Jugend Glanz,
Decken mit dem Lorbeerkranz.
Leben nehmet an für Leben,
Der gefallen unterm Schwerte,
Soll sich in dem Lied erheben
Und bestehn auf weiter Erde.
Wie auf einem Demantschild
Trag ich hoch sein herrlich Bild.
Ehre diesem tapfern Knaben,
Der dem Mächtigsten entgegen
Schwang den hellen Ritterdegen,
Denn sein Ruhm wird nicht begraben,
Der Geliebten