so in das Dunkel des Heues blickte, sah er einen dünnen Schatten, der ihm die Erinnerung jener reizenden Nachtgestalt wieder ganz lebhaft zurückführte, sie erfüllte alle seine Sinne, aber sie erfüllte nicht sein Verlangen und er wendete sich trostlos von ihr und stieg herunter zu Susannen und Güldenkamm, die Abends ihn gesucht und schlafend gefunden hatten; aus ihren Reden schloss er, dass sie eine fremde Gestalt bei ihm gesehen hatten. Güldenkamm scherzte darüber und Susanna sah still vor sich nieder. Mit Umschweifen suchte sich Anton zu unterrichten, was sie gesehen hätten. Er gab vor, dass es ihm in der Nacht vorgekommen als ob sich ein Mensch, wahrscheinlich ein Trunkener, zu ihm aufs Bett gelegt, am Morgen habe er aber niemand gesehen. Güldenkamm meinte, es wäre sonderbar, wer es aber wohl möchte gewesen sein, der ein so schönes Mädchen in solchem Zustande von sich entliesse. Anton brach hier ab und fragte, was sie zu ihrem Unterhalte beginnen wollten, denn er sah wieder den wunderlichen Schatten im Dunkel des Zimmers, der ihn von den Gegenwärtigen fort hin zu sich locken wollte, er drehte sich deswegen gewaltsam nach dem Fenster.
Güldenkamm sprach: "Ihr habt in der Not unterwegs eine Kunst erfunden, die ich mit höchster Verwunderung angesehen, Ihr habt so viel Steine heruntergeschluckt, dass ich meine, Ihr müsstet ein Bergwerk im leib haben, doch hat es Euch nichts geschadet bei der Ausfuhr, darum dächte ich, Ihr könntet diese Beschaffenheit Eures Leibes als ein silberhaltiges Bergwerk ernstlich benutzen und Euch für Geld damit sehen lassen, auch seid Ihr so riesenhaft stark, wie ich oftmals bemerkte, dass auch dieses aufsehen erregen wird. Meine Singerei kennt Ihr, ich will Euch verkündigen, Susanna mag recht artig das Geld einfordern; schade, dass wir den Seger nicht bei uns haben, da liesse sich auch zuweilen allerlei tragieren."
Anton seufzte bei diesem Vorschlage, er dachte mit einem tiefen Ausrufe der Kronenburg und seiner grossen Ahnen, und seiner Bestimmung in der Zukunft und seines jetzigen Elends, und er meinte gewiss, wenn er so etwas treibe, müsse es jenem Alten im grab bittern Schmerz machen, aber wieder sah er den zärtlichen Schatten im Dunkel des Zimmers und freute sich durch diese Beschäftigung den wunderlichen Gedanken entrissen zu werden. "Gut", sprach er, "der Vorschlag mag gelten, ich will Steine fressen, dass sich die Steine erbarmen, mach's nur schnell bekannt, doch muss ich dir sagen, wir dreie sind noch zu vornehm zu solchem Unternehmen; wir müssten den Seger haben, der gäbe erst dem Dinge einen gemeinen Beigeschmack, dass es allen gefiele."
"Da ist der Seger", rief dessen bekannte stimme, die seinem haarigen Körper voreilte, "was soll er wieder? er ist doch zu allem gut und keiner dankt ihm, da habt Ihr Fasanen und Rebhühner, heute soll es ein Fressen geben."
"Steine werde ich fressen sollen", sagte Anton traurig.
"Meinetwegen auch Haare und Karbatschenstiele", sagte Seger, "jetzt aber lasst uns zusehen, es wird auf dem Markte ein grosser öffentlicher Zweikampf gehalten werden!"
"Da müssen wir gleich hin", sagte Güldenkamm, "wer will fechten?"
"Der Ritter Blaubart", sagte Seger, "mit einem unbekannten Ritter, der ihn in unserm alten wirtshaus gebunden hat."
"Das bin ich", rief Anton, "bei allen Heiligen, den Lumpenkerl hatte ich ganz vergessen. Schnell gebt mir Waffen, verflucht dass wir unsre guten Degen im wald weggeworfen, die Meisen pfeifen jetzt darauf, und mir will der Tod dafür auf seinen alten Knochen flöten. Her da, gebt her das alte Schwert, das mein schändliches Weib mir spöttlich zugesendet hat, es ist wohl unansehnlich, es mag aber geheime Kraft führen."
Vergebens suchten ihn Güldenkamm und Susanna abzuraten und zurückzuhalten; Seger trieb ihn mit kaltem Spotte in die Schanze. Die Tore waren schon geschlossen, der Markt mit Sand bestreut und die Schranken, die von alter Zeit her standen, mit Griesswärteln besetzt; an einer Seite stand eine Totenbahre mit Kerzen und Bahrtüchern. Der Junker stand mit seinen Freunden an einer Seite und liess ausrufen, dass dem Fremden, der ihn beleidigt habe, vom Rate ein freier öffentlicher Kampf, mit welcher Art gleicher Waffen es sei, zugesagt worden, es sollten sich deswegen alle Weiber und Knaben unter dreizehn Jahren entfernen; bei Lebensstrafe solle aber niemand durch Wink und Zuruf sich in den Kampf mischen. Ritter Blaubart hatte diese ganze Festlichkeit seiner Braut zu Ehren durch den Schwiegervater anrichten lassen, der gegen die Meinung der andern Ratsherren das alte Recht der Stadt, solche Kämpfe und Gottesgerichte, das seit einem Jahrhundert nicht in Ausübung gebracht worden war, geltend machte, der festen Überzeugung, dass sich niemand einfinden werde und dass diese schnöde Flucht des Gegners, den er mit Faust verwechselt hatte, der fortgeritten, seines Eidams Ehre in der Stadt herstellen werde.
Die erste Viertelstunde war schon verlaufen und der Herold wollte eben zum dritten Male ausrufen, als Anton mit seinem alten Degen in seinem Soldatenwams und Ratsherrenhosen in Begleitung des rauhen Seger, des feinen Güldenkamm und seines schönen Knaben in die Schranken trat. Der Junker lachte verächtlich über den wunderlichen Aufzug, doch bebte ihm heimlich das Herz. Der riesenhafte sichere Mensch stand da so fest, als ob er wie die steinerne Rolandssäule zum ersten Gericht hingepflanzt sei. Der Junker