, so fuhr Anton fort, "eben so wenig wachsen mir hier hundert oder tausend Gulden und Euer Teufel, der ist ein übermässiger Zinsfuss mit seinem Pferdefuss, ich mag ihn nicht anerkennen." Faust lächelte dazu und sprach, es sei ja nicht so arg mit dem Teufel gemeint, es wären nur einige Stücke, die er nicht ohne einen Mann ausführen könne, der nackt in seinen Kreis träte und einige unschädliche Zeremonien über sich ergehen liesse, dann sei der Schatz gehoben. Anton dachte einen Augenblick nach, dann sprach er: "So gescheh es gleich, will heute alles abtun und Feierabend machen, geht nur in die dunkle kammer, zieht Eure Kreise, ich komme entkleidet zu Euch, will Euch so viel Zentner Schätze ausheben, als der Hort der Nibelungen nimmermehr gewogen." Mit diesen Worten trieb Anton den erhitzten Faust, der die Verschreibung ihm übereilt wieder zustellte, in die dunkle kammer, denn er hörte schon die nahenden Schritte der Wirtin, die mit dem ersten Dunkel zu ihm bestellt war, er fiel ihr um den Hals in scheinbarer Zärtlichkeit, dann bat er sie, sich zu entkleiden und in die kammer zu gehen, wohin er durch den gang kommen wolle, wenn er die Sicherheit der Gänge erst belauscht hätte. Sie schwor ihm zwar, die Vorsicht sei unnütz, sie wisse im haus ihren Befehlen Nachdruck zu geben. Anton liess sich nicht abhalten, sondern sprang fort und verschloss die Tür hinter sich. Die Wirtin hatte kaum ihres Schmuckes sich entledigt, so rief schon Faust, der Kreis sei beendigt, sie glaubte Antons stimme zu hören und schwebte mit offenen Armen in die dunkle kammer, aber welcher Schrekken dämpfte ihre süssen Erwartungen. Faust entdeckte schnell, er sei getäuscht, und schmetterte sie in einen Winkel; sie schrie nicht, sie brüllte Rache und Verzweiflung und hätte ihn vernichtet, hätte er nicht gleiche Wut ihr entgegengesetzt. Das Geschrei wurde bald so furchtbar, dass Anton ungescheut Mord aus dem Gange auf die Gasse rufen konnte, die Masse Volk drang mit Licht in die verschlossenen durchtobten Zimmer, aber die beiden Streiter, uneingedenk ihrer Blösse benutzten die ersten Strahlen nur allein um sich noch fester zu fassen und zu verbeissen; die Hunde des Hauses wollen ihrer Frau beistehen, aber der Pudel Fausts biss so grimmig um sich, dass sie bald heulend den Kampfplatz verlassen mussten. Der Wirt allein von allen hatte genug kaltes Blut, ein zweckmässiges Mittel zur Beschwichtigung dieses sonderbaren Religionsdisputs verschiedener Konfessionen, er brachte die Handspritze des Hauses gefüllt in eine richtige Entfernung und liess auf die Streitenden den Wasserstrahl fallen; das erkältete ihre letzte Wut und sie wendeten sich verschüchtert und verwundet von dem Kampfplatze fort.
Susanna hatte die Zeit schnell benutzt, um den Beutel und den Degen, welchen sie mitgebracht, vor aller Gefahr zu retten, sie zog Anton und Güldenkamm fort und so gingen sie mit der Menge ungestört nach dem wirtshaus zum Anker, wo sich Güldenkamm durch sein Lied von dem tod des kleinen Oswald bald ein Unterkommen verschaffte, während er Anton und Susannen zu Tränen rührte. Die Abendgäste, die dort ihren Schoppen zu trinken gewohnt waren, kamen jetzt nach einander von dem sonderbaren Vorfalle mit der Wirtin zum Hopfenblatte, der fremde Doktor sei mit entsetzlichen Drohungen gleich fortgeritten, auch sei von dem Augenblicke aller Wein im Keller verdorben, die Wirtin rase und sei auf Befehl des Rats in Verhaft genommen, worüber der Mann sehr vergnügt scheine.
Anton fühlte sich sehr erschöpft von dem Tage, oder vielmehr war ihm das Wachen so überdrüssig, dass er ewig hätte schlafen mögen, er eilte auf einen Heuboden, wo ihm zuerst ein weiches Lager vorkam, und entschlummerte sehr sanft. Es mochte in der Mitte der Nacht sein, da weckte ihn eine Hand, er wachte auf und meinte noch zu träumen, doch hörte er unter sich die Pferde an den Halfterketten sich umlegend bewegen; der Mond schien durch die Luke in das Angesicht einer Gestalt, die ihn bis zum gänzlichen Verstummen verwunderte. Zwei Gestalten, die einander so wenig glichen, wie Anna und Susanna, jene hochgewachsen mit blondem Haar, diese klein und mit dunklen Locken, schienen einander durchdrungen zu haben, um diesen Bund alles Reizenden, was Antons Sinne erregen konnte, zu errichten. Freimütig trat dieses Gemisch seiner Liebe zu ihm und sagte, dass sie auf seinen zärtlichen Brief, den ihr Mephistopheles übermacht habe, weite Wege gegangen sei, sie zeigte ihm dabei den Brief, jetzt sei sie erschöpft und müsse einige Stunden ruhn. Schon krähten die Hähne und die Fledermäuse flatterten pfeifend in die Winkel. Bei diesen Reden sank sie müde in seine arme; er sah im Mondschein den Brief, den er für Mephistopheles geschrieben, er sah im Mondschein ihrer Reize Fülle, die süsse Unwissenheit von Susannens Lippen, den erfahrnen Scherz von Frau Annen, er hielt sich nicht, er wünschte sich, recht bald Frau Annen untreu sein zu können, aber seine Freude war nicht gleich seiner Begierde, denn einer Toten gleich schlummerte sie, er mochte sie nicht berühren. Bald – so hoffte er, werde der Morgen ihm alles für einen törichten Traum erklären, und schlief darüber endlich ein.
Die Knechte holten Heu für die Pferde am frühen Morgen, das erweckte ihn, er sah sich um, halb in der Furcht, dass sein Schlafgesell verraten sein möchte, halb in der Hoffnung, dass er nie und niemals vorhanden gewesen; mit einiger Beruhigung sah er nichts, doch wie er