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Willen, wie ich künftig still und fleissig leben will?"

SUSANNA: "Ich habe ihr alles gesagt, aber sie schilt über Euch, sagt, dass Ihr die silbernen Pokale verkauft habt."

ANTON: "Gott ist mein Zeuge, das hat mich oft gereut, aber meiner grimmen Not wird sie sich darum doch erbarmen, sie hat doch noch Geld und Gut genug für mich und sich, wenn sie das viele Hausgerät verkaufen lässt."

SUSANNA: "Lieber Herr, ich war dort zur Versteigerung, aber die arme Frau war so verwirrt, so betrübt über den Tod ihres Söhnleins, dass sie mir alles versagte; sie meinte, andre Soldaten brächten von ihren Zügen Geld heim, Ihr aber brauchtet immer mehr Geld dazu, sie könnte Euch nichts schicken als dies Andenken."

ANTON: "Zeig her, liebe Seele, was ist's? Was, diese rostige Klinge und dieser zerrissene Beutel!"

SUSANNA: "Es mag wohl ein Geheimnis darin sein; sie schwor, dass sie erst, wenn Ihr diesen Beutel gefüllt mit Gold zurückbrächtet, Euch in ihrem Bette wieder aufnehmen wolle, das schwor sie mir und da musste ich gehen."

ANTON: "So sei verflucht..."

SUSANNA: "Flucht nicht im Unglück, denn das reuet im Glücke."

ANTON: "Was bliebe mir, wenn ich nicht fluchen dürfte, fluchen aus ganzer Seele meinem..."

SUSANNA: "Für einen Fluch ist des Menschen Mund zu klein und seine stimme zu schwach."

ANTON: "Ich aber kann Steine zermalmen mit meinem mund und Gläser zersprengen mit meiner stimme, fluchen will ich, dass die Erde verdorrt, wo sie hintritt, das gottlose Weib, für das ich tausendfach mein Leben gegeben hätte, das verbunden mit mir durch alle heilige Gewalt mich aller Not, allen Teufeln und Hexen überantwortet, gleichgültig höhnisch, vergangener Lust mich erinnert, des Bettes meines Glückes, verflucht sei die Stunde..."

SUSANNA: "Haltet inne, ich halte Euren Mund zu."

ANTON: "Fort von mir, ich ersticke in meiner Wut, verflucht sei der Tag, die Nacht, der Augenblick, wo ich ihr Bett besteige, und flehte sie Voll mir die Liebe wie ein Almosen, ein Schlag soll meine Glieder lähmen, die sich ihr überlassen, und wie ein glühendes Eisen soll mir ihr Mund auf den Lippen glühen, verflucht sei der Glanz ihrer Brust, dass er Schnee trage statt Liebesfeuer, – ach, wer ist ärger verflucht als ich."

SUSANNA: "Herr! Wie ist Er so schrecklich, so verwandelt."

GÜLDENKAMM: "Lass ihn doch austoben, da wird ihm wohl."

ANTON: "Wohl soll mir werden, das schwör ich! – will leben wie ein Gott, freudig in jeden Genuss wie ein Meer, das nimmer auszutrinken ist. Wie sah das Weib aus?"

SUSANNA: "Schön, aber traurig und blass."

ANTON: "Ja so sah sie gewiss aus, schön aber traurig, ich weiss, dass sie schön ist, aber traurig soll sie werden, dass sie alle Spiegel zerschlagen muss, ich will ihr zeigen, wie ich bin, im Glücke wohl zu gängeln, aber das Unglück mag jahrelang mit mir ringen, ich bin glatt wie ein fisch und will ihm doch entschlüpfen, will aufziehen vor ihr in ritterlicher Pracht und meinem Überflusse soll sie zum Auffangen ihren Schoss ausspannen, mich aber empfängt sie nimmer. Wie ist der Oswald gestorben?"

SUSANNA: "Der Anton hat ihn in kindischem Spiele geschlachtet."

ANTON: "Das tat wohl der Mutter wehe? der Oswald war immer ihr Liebling; er hätte es nicht tun sollen, aber er versteht's doch schon, seinen Vater zu rächen, – jetzt sehe ich wohl, Faust hat in allem recht gehabt. Ist Oswald in einem Sarge begraben?"

SUSANNA: "Nein Herr, in einem Schrank von Nussbaum, worin die Ausstattung des ersten Mannes bewahrt gewesen."

ANTON: "Richtig, du wunderlicher Doktor, du hast einen Arm wie die Könige, du kannst weit greifen und die Seelen aus dem Körper wie einen Splitter herausziehen, wie sticht diese Seele, so lange sie in uns, und ist sie von uns, dann schmerzt sie doch; du und dein Teufel, ihr mögt mir vom leib bleiben, habe nichts mit euch zu tun. – Nun euch wird dursten nach der Reise, mich auch. Heda Wein, vom besten!" –

So tobte er fort und brachte den Hausknecht an den Haaren gezogen, der ihn zu langsam bediente, schenkte ein und trank selbst wild hinein, jetzt klopfte es und der Wirt trat mit einer Rechnung herein. Anton lachte ihn an, biss in sein Glas, zerkaute das Stück zu weissem Schaum und bespie ihn damit; "wer das verbeissen kann, der schluckt Eure Rechnung noch dazu." Bei diesen Worten hatte er die ganze Rechnung zerkaut und heruntergeschluckt; dem armen Ratsfreunde verging aller Rat, er zog sich fort und wusste nicht warum.

Der Doktor Faust war der zweite, der seine Rechte bei ihm geltend machen wollte; Anton empfing ihn artig und entliess auf sein Begehren die beiden Gesellschafter. Faust hielt ihm seine Rechnung vor, Anton zeigte ihm seine flache Hand: ob da wohl ein Bart sässe. Als Faust darauf ein scharfes Nimmermehr antwortete