nicht verbeissen, denn die Welt bleibt Welt, so lange sie sein wird."
"Der Herr Wirt versteht sich auf Politik, wie ich sehe", sprach Faust, indem er sich ernstaft stellte; "sind derselbe vielleicht im Rate angesessen?"
WIRT: "Ich habe die Ehre, ein Ratsfreier zu sein, der bei wichtiger gelegenheit zugezogen wird, und da habe ich bemerkt, dass Bileams Esel oft schärfer sieht, als sein Herr."
FAUST: "Das wird Ihre Familie dem hof sehr empfehlen."
WIRT: "Des Herrn Gunst ist stets die grösste Tugend, der Teufel aber ist der beste Hofmann."
FAUST: "Sagt mir, werter Ratsfreund, wie seid Ihr bei so vieler Klugheit zu der dicken Sau gekommen?"
WIRT: "Sie ist bei mir gefallen."
FAUST: "Ja heute die Treppe herunter; es hat ihr doch nichts geschadet? Aber seht, das Horchen kann ich von Eurer Frau nicht leiden."
WIRT: "Von wem sprecht Ihr, mein gelehrter Herr?"
FAUST: "Ich sprach von Eurer Frau; ohne Umstände, sagt mir Freund, wo habt Ihr so viel höllische Courage gewonnen, solch ein Stock Euch aufzuhalsen?"
WIRT: "Weil ich nicht danach frage, wo dieses gebrechliche Schifflein meines Fleisches hinkomme, wenn ich nur diejenige, die darin überfährt, sicher durchbringe."
FAUST: "Aber gedenk doch auch an die dicke Seele des Dreimasters, dem Ihr als eine kleine Schaluppe angebunden seid."
WIRT: "Das Nein ist nicht Nein in eines Weibes Mund, so mag auch die meine selig werden; übrigens ist der meisten Weiber Leben nichts anderes, als der Zustand derjenigen, die im Schlafe gehen und reden."
FAUST: "Ist denn gar nichts Gutes an Eurem Rhinozeros von Frau?"
WIRT: "Ein Weib ist immerdar ein Mittelding zwischen Mann und Teufel, denn beide können sie brauchen und machen sich lustig mit ihnen."
Die Frau war hereingetreten und fragte den Mann, was er da wieder geschwätzt habe. Er sagte ihr liebreich: "Engelskind, ich sagte eben, dass mancher Esel draussen sucht, der Pferde daheim hat."
WIRTIN: "Solch töricht Zeug hat er immer im mund, was sollen dazu die Gäste sagen?"
FAUST: "Eine aufgeweichte Semmel schmeckt nicht sonderlich dazu."
WIRTIN: "Mit Ihm rede ich gar nicht, denn Er ist grob; wenn du ein Mann wärst, Mann, du gäbst ihm eins an die Ohren, statt mit ihm lange zu reden."
WIRT: "Wer eins gibt, bekommt zwei wieder, es ist leichter Krieg anfangen, als ausführen."
WIRTIN: "Du hast recht, Herzensschatz!" Dabei tat sie, als ob sie sich ihm nähern wollte und kniff ihn in ein Ohr, dass der kleine Mann vor Angst tanzte.
Anton hatte dem allen ruhig zugehört, als wenn es ihn weiter nichts angehe, er dachte an den nächsten Tag und da grauste ihm, besonders vor der Wirtin, die ihm heimlich auf den Fuss trat und in den Seiten kitzelte. Nach Tische sehnte er sich nach der Kirche, aber die Wirtin hatte schon wieder die Haustüre besetzt und wickelte Wolle. Er ging auf sein Zimmer und fühlte ein Bedürfnis sich ein frommes Bild in der Zerknirschung seines Herzens zu malen, das seine Versuchung ausdrücken könnte. Er nahm eine Kohle und verzierte erst ein Feld an einer Bogenseite seines Zimmers, worauf die Abendsonne schien; er zeichnete sich selbst verwundet, wie er kleine Steine aus Hunger isst, zwei Engel, Susanna und Güldenkamm, die vor ihm wandeln; rings umgeben ihn die Wirtin, die ihm einen hohen Becher bietet, der Faust, der ihm die Füsse hält, während er vom Teufel gefesselt wird und sich deswegen auch gegen den Junker Blaubart nicht wehren kann, der mit eingelegter Lanze gegen ihn anreitet. Als das Bild so vor ihm stand, fühlte er ein so heftiges Mitleiden mit sich selbst, dass er sicher meinte, es müsse Gott auch zu Herzen gehen. Er warf sich nieder und betete so ausser sich, so inbrünstig und gewaltig, dass er einen Rollwagen nicht hörte, der vor dem wirtshaus angefahren war.
Susanna und Güldenkamm, die von einem Kaufherrn mitgenommen waren, traten ins Zimmer, als er noch auf seinen Knieen lag; sie knieten stille neben ihn hin und als er endlich aus seiner Gottesnähe zurückkam in die scheue Ferne und aufwachte und umblickte, da waren seine guten Engel ihm nahe, er umhalste sie und konnte keine Worte finden. Endlich sprach er ausser Atem: "Nun, was macht mein Weib? Wie geht's meinen Kindern? Was schreibt meine Frau? Wie hat sie euch aufgenommen?"
"Herr", sagte Susanna, "betet noch einmal, wie uns Gott gelehrt hat in Not und Trübsal, dann will ich Euch berichten"
Anton betete und wusste nicht, was er betete, seine Freude war ihm in alle Glieder zurückgetreten. "Lebt meine Frau nicht mehr? ist mein Anton tot?" fragte er endlich.
SUSANNA: "Beruhigt Euch darüber, sie leben beide, aber der Oswald ist gestorben."
ANTON: "Zwei leben für einen, den ich misse, Gott sei gelobt! Der Oswald war nur ein kränkliches Kind. Wie geht's meiner Frau? Hast du ihr meine Not geschildert und meinen guten