1817_Arnim_006_177.txt

ihm die besten Hoffnungen; morgen ist die Sündflut, dachte er in sich, da ist alles ein Aufwaschen, ass und trank ohne Unruhe und erzählte so viele Historien, dass der Diener des Faust mehrmals hinter dem Stuhl des Herrn zu lachen anfing, ohne den Befehl seines Herrn ihm Wein einschenkte und mit seinen Zusätzen die Gesellschaft erheiterte. Halb selig taumelte Anton zu Bette, er erwachte am Morgen ziemlich spät, dann setzte er sich ans Fenster und sah die Strasse nach Waiblingen hinunter. "Herr", sagte Mephistopheles, der leise zu ihm getreten, "was starren Eure Augen wie ein Wegweiser die eine Strasse hinunter? Wolltet Ihr mich nur sorgen lassen, Euch sollte niemand etwas anhaben."

"Was kannst du mir helfen?" sagte Anton, "der Teufel und ein altes Weib haben mich in ihrem Rachen."

"Grämt Euch nicht, mein lustiger Herr", sagte noch einmal Mephistopheles, "ich sehe nach nichts aus, aber ich gebe Euch doch vielleicht noch einen Rat, der Euch angenehm ist, nur wünsche ich, dass Ihr mir aus gefälligkeit für die Dienste, die ich Euch noch leisten werde, einen Brief an meine Geliebte schreiben wollt, denn seht, ich kann nicht schreiben und bin darum doch nicht weniger verliebt."

Anton versprach's ihm und der Diener drang auf schnelle Erfüllung; "schreibt alle Perlen, Samt, Edelsteine in den Brief", sagte der Diener, "dass er nur recht zärtlich wird." Anton sah den zerbröckelten Kerl an und konnte sich so etwas wie Liebe gar nicht in ihm denken; halb lachte er, dann aber dachte er in sich an Frau Anna und Susanna abwechselnd und so wogte sein Herz in voller Zärtlichkeit, und seine Feder jagte wie der Helmbusch eines frohen Ritters über das Papier.

"Meine Geliebtedie süsse Strasse, die zu Dir führtauf die mein Auge Tag und Nacht blickt, wird mit den Augen nicht befahrenmeine Seele aber wandelt sie blind und versenkt sich darein und hat keine Rast und kann an keiner Stätte weilen, bis ich sie vollbracht haben werde. – Schaudernd in Lust denke ich aber in die Weite, fern von Dir festgehalten, und bin ein fröhlicher Knecht, wenn ich nur der Fahrt zu Dir gedenke und derer, die darauf wandeln; die beiden, die bei Dir sind gewesen und mit Deinem liebreichen Troste bald zu mir heimkehren, lieben werde ich sie, weil sie Dich gesehen; bald bin ich Dir nahe wie sie, und dann will ich Dich festalten wie meine Feder, die ich sonst beisse mit meinen Lippen, mein Bart soll Dich wärmen, denn es wird bald Winter, bewahre Dich, Du geliebter Abgrund aller Zärtlichkeit, vor allem Fremden und bleibe rein und bleibe mein."

Anton fragte, ob es so richtig und wie er unterschreiben solle. "Sie nennt mich kurzweg Anton", sagte Mephistopheles, und Anton schrieb seinen Namen ruhig unter das Briefchen, das er dem armen Kerl einhändigte.

"Was will der verliebte Racker wieder hier?" erhob sich plötzlich vor der Tür ein Geschrei, "an die Tür will ich dich annageln, wenn du bei deinen Gästen horchen willst."

Dieses war Fausts stimme, dagegen gellte ein Strom von Flüchen aus dem mund der Wirtin, die von seiner Seite mit grimmigen Nasenstübern beantwortet wurden; er schien schlagfertig und sie war wirklich im Unrecht, da sie gehorcht hatte, sie fing nach den Nasenstübern an, ein paar Worte Französisch zu reden, dann sehr vornehm etwas Spanisches, was sie aber nicht endigen konnte, denn der Doktor hatte sie sehr geschickt die Treppe hinuntergleiten lassen, ohne grossen Schaden, doch zur grossen Beunruhigung ihres Sitzfleisches, indem er sich vorne wie ein Einspänner an ihren Unterrock angespannt hatte. Nach diesem Geschäfte trat er zu Anton herein und erinnerte ihn an sein Geld. Anton antwortete aus dem traurigen Schicksale der Welt, dass es sich gewissermassen auf Geld reime, zugleich konnte er sich diese Einrichtung nach Gottes Weisheit nicht erklären. Faust lachte hochmütig und sprach: "Da seid Ihr weit zurück, wenn Ihr Gott als den Schöpfer der Welt anbetet, die Welt ist dem viel zu klug, sie hat sich selbst am besten zu machen gewusst; so wie ein paar Nachbarn es bald einsehen, dass es ihnen beiden besser sei, ihre Gärten durch einen Zaun zu trennen, als gemeinschaftlich auf demselben Fleck Landes bauen zu wollen, so merkten auch bald die Erde und das wasser, wenn sie beide etwas eigen haben wollten, so müssten sie einander gewisse Strecken abtreten; in Hinsicht der übrigen blieben sie zweifelhaft und sind noch bis jetzt streitig, im Menschen haben sie aber beide ihren Anteil, und Erde und wasser scheidet sich auch in ihm."

Bei diesen Worten führte sich Mephistopheles so unanständig auf, dass sie das Zimmer verlassen mussten, aber eben dadurch auf die Schöpfung der Luft und des Feuers geführt wurden. Ihr Gespräch setzten sie beim Mittagessen fort, wo diesmal die verliebte Wirtin nicht erschienen war, wogegen der Wirt eine ganz andere Rolle spielte. Bei der mindesten Nachlässigkeit des Hausknechts fuhr er heftig auf, auch mischte er sich sehr weise in alle gespräche der Gäste. Zu der Weltschöpfung sprach er: "Eine Welt ist immer gegen die andere, wenn die eine lacht, muss die andre weinen, darum sollte man sich über beides nicht sonderliche Gedanken machen, sondern die Tränen laufen lassen und das lachen