Enten, die zusammen schwammen, zu denen sang das Bübchen in grosser Angst: "Entchen, baut ein Brückchen, dass ich kann hinüber, kriege sonst das Fieber." Die Enten sprachen: "das soll geschehn" und schwammen dicht zusammen in einer doppelten Reihe verkehrt, dass Steiss gegen Steiss zu schwimmen kam, und die Kinder gingen trocknen Fusses über ihren rücken hinüber. Kaum sah das der Wolf, so wurde er grimmig und wollte ihnen nach; als er aber mitten auf der Entenbrücke war, da schwammen sie mit grossem Geschnatter aus einander und der Wolf fiel plumps ins wasser, worüber dem kleinen Mädchen vor lachen der Bauch platzte.
"Den werde ich wohl zunähen müssen", sagte ein fremder Mann mit aufgestreiften Hemdsärmeln, der in das Zimmer trat. "Herr", sagte er zu Anton, "das Bad ist fertig, wie mir die Frau befohlen."
"Wer hat's befohlen?" fragte Anton.
"Mutter hat's befohlen", sagte Georg. Es ist der Zuckerkasten des Wolfs, worin ich mich noch einen Tag pflegen soll, bis ich fett bin, dachte Anton für sich, was aber geschehen mag, das Bad ist darum nicht zu verschmähen, mag ich auch das Weib verschmähen, mein Haar ist mir fast zu krausig, es liegt mir auch noch genug alt Pflaster von den Wunden auf der Haut.
So folgte er ziemlich heiter dem Bademeister, der ihm in einem engen Zimmerchen den Bart und das Hauptaar abschnitt, ein feines Badehemde anlegte und ihn dann durch einen langen gang in das grosse Stadtbad führte, das hochgewölbt, herrlich mit Blumen verziert, von hellfarbigen Lampen dämmernd erhellt, die vornehme Jugend der Stadt in abwechselnden Kreisen umspannte in einem Teich. Rings umher lief ein gang für die Zuschauer, welche mit Blumenkränzen, die sie herabwarfen, die schönsten Mädchen begrüssten und dafür von ihnen mit Gesang belohnt wurden, sich auch häufig eingefunden hatten, unter denen auch der Ratsherr mit seiner Gesellschaft und Doktor Faust zu bemerken waren. Ein schönes Mädchen, nach deren Saitenschall sich erst mehrere andere im wasser tanzend umgedreht hatten, wandte sich jetzt zu den Zuschauern; ihr Badekleid hatte sich etwas erhoben und schwamm auf dem wasser, dass sie in einer Muschel zu schweben schien, sie bat scherzend um eine Gabe bei den Zuschauern und im Augenblicke war sie mit herabgeworfenen Blumenkränzen wie eine Wiese im Frühlinge bedeckt, sie dankte artig und warf dann die Blumenkränze auch den übrigen Frauen zu, dann aber sang sie zu einer Reihe Frauen, die dieses Bad besuchten, um sich des himmlischen Segens der Kinder zu erfreuen, und die in einem Kreise unter frischem Weinlaube sassen, das seinen grünen Schein dem wasser mitteilte:
In den laulich blauen Wellen
Schwimmt die Hoffnung unsichtbar,
Jedem mag sie sich gesellen,
Und umschliesst die ganze Schar,
Doch die Kränze, die da fallen,
Und die Lieder, die da schallen –
Wer sie auch gespendet hat –
Nicht bezahlen sie das Bad.
Nur die gute Hoffnung lohnet
Reichlich aller Herzen Gunst
Und die Hoffnung gerne wohnet
In der Bäder warmem Dunst.
Gar verschieden sind die Gaben
Guter Hoffnung unsichtbar,
Jede möchte ihr Abbild haben
Und sie stellt sich keiner dar.
Jede muss die Freunde denken
Als die Hoffnung unsichtbar,
Eilt nach Haus mit den Geschenken,
Kehrt zurück im nächsten Jahr.
Anton stand bei diesem Anblick wie versteinert in einem Winkel; alles, was er aus heidnischen Dichtern in der Schule von Meernymphen und Bacchanten gelesen hatte, das alles kehrte ihm in diesem reizenden Bade versinnlicht wieder, es war ihm ein Anklang frohen Lebens, den sein Ohr nie vernommen hatte, Unglück, was ihn bedrohte, war aus seinen Gedanken gewichen, als ihm eine mit Luft gefüllte und mit Schellen besetzte Blase plötzlich mit hellem Geklingel auf den Kopf fiel. Es war ein neues Spiel, das auch ihn mit fortriss; die Mädchen hatten eine besondere Geschicklichkeit im Auffangen dieser schelmischen Bälle, ihm ward so leicht in dem Bemühen danach, dass er sich einer der Mitgötter wähnte, als er plötzlich im Durchschreiten des Wassers auf die Wirtin zukam, die jetzt sich unter die Badenden gemischt hatte.
Sie konnte ihm aber seine Lust nicht verderben, vielmehr nahm er den Rosenbusch, den er in seinen Händen trug, und schlug damit lachend auf die Entblösste; seinem Beispiele folgten die andern im Scherze, und die Frau, welche das immer noch für eine Ehre anzunehmen geneigt war, musste sich doch endlich zurückziehen, weil nach den entblätterten Rosen sehr scharfe Dornen blieben, die ihre leidenschaft anspornten.
Sie war nicht lange fort, so wurde Anton von dem Bademeister herausgerufen; alle seine neuen Bekannten grüssten ihn zärtlich, er stieg traurig ans Land, auf welchem seine Sorgen ruhten, das wasser der Vergessenheit wirkte kaum so lange, als er darin geschwommen hatte. Als er in das Wirtszimmer zurückgekommen war, dachte er sich zuerst einen sehr unfreundlichen Willkommen von der mit Rosen gepeitschten Wirtin, sie hatte sich aber die grosse Aufmerksamkeit, die sie erregte, gänzlich zum Guten ausgelegt und küsste ihn als den Bringer und Geber dieser Ehre. In diesem Augenblicke wünschte sich Anton lieber dem Teufel in die arme und Faust und Mephistopheles traten herein. Faust hetzte gleich die Wirtin hinaus, nahm Anton bei Seite und sagte ihm, dass er das Geld morgen notwendig brauche, um seine Spielschulden in der Ratsgesellschaft zu bezahlen, seine Ehre sei verloren, wenn er sie nicht am andern Tage abtrage. Anton gab