Tuchhändler zeigen, weil er nicht wüsste, ob das Tuch auch in der Wolle gefärbt wäre. Anton gestattete ihm das Gesuch. Der Jude ging fort, es läutete zum Essen, aber er kam nicht wieder, Anton rief den Wirt und erzählte ihm den Vorfall, der aber fasste einen Argwohn, er möchte die Hosen schon verkauft und das Geld ausgegeben haben, denn er hätte keinen Juden bemerkt, er wurde deswegen zornig und drohte ihm, dass er nicht länger bei ihm wohnen dürfte. Anton war in grosser Not, er ward um so hartnäckiger gegen den groben Wirt, setzte ihn auf sein Bett, zog ihm die Hosen aus, die er dann gemächlich anlegte und zu der Frau ging. Der Wirt schämte sich, wie er bezwungen worden, und bat ihn flehentlich, ihn nicht in seiner Blösse zu verlassen, da er kein Hemde zu seiner Bedeckung trug, sondern nur ein kurzes Wams und Brusttuch. Anton machte demnach den Vertrag mit ihm, dass er ihn ohne Schererei bis zur Rückkehr seiner Freunde wolle in seinem haus wohnen und zehren lassen, dafür wolle er ihm jetzt von der Frau ein Paar andere Hosen holen. Die Frau war verwundert, Anton in ihres Mannes Hosen, die er mächtig aufgeplatzt hatte, hereinschreiten zu sehen, sie leistete ihm in Vorzeigung dieses Hausregimentzeichens, Gehorsam und überlieferte ihm für den Mann ein Paar weite Staatshosen. Anton brachte sie hinauf, er tauschte sie aber noch gegen die alten Küchenhosen, und der Wirt empfing wieder seine Gäste, wie sie ihn immer zu sehen gewohnt waren. Eine Not war nun abgemacht, aber eine zweite war ihm dadurch erwachsen. Die Wirtin hatte solche Hausverehrung gegen ihn durch seine neue Tracht gewonnen, dass sie ihn erst mit allen guten Brühen, Markknochen, fetten Brustknochen überlief, die er nicht verschmähte, bis sie sich ihm selbst auftrug, die er nicht anrühren mochte. Der Mann durfte zu dem allen nichts sagen, er war des Gehorsams gewohnt und hatte genug im haus zu tun; aber der Frau war nichts recht, was Anton im haus beginnen mochte, es sei denn, dass er sich zu ihr setzte ans Fenster, wo sie Mohrrüben schabte, und ihr gute Worte vorsagte.
Die Frau verlor aus Liebe zu ihm alle gesunde Vernunft; sie kam in den abenteuerlichsten Trachten, halb entblösst angezogen, mit einem Fächer von Pfauenfedern, die Röcke schnitt sie ganz kurz und schwenkte trefflich damit im Gehen; Anton sah mit Verwunderung ihr zu, er konnte sein Unglück nicht begreifen, dass er allen Weibern so zu Herzen gehe, ohne dass er es wolle. Der Frau war aber mit solchen Betrachtungen nicht gedient.
Antons Wunden besserten sich wirklich sehr schnell in der Ruhe deren er sich hier erfreute, wenn nicht seine sehnsucht nach Frau und Kindern, nach dem Vater und nach Susannen ihn ewig im haus umhergetrieben hätten, denn hinaus liessen ihn weder der Wirt noch die Wirtin.
Eines Mittags kam ein gelehrter Mann mit einem Diener angeritten, er trug ein rotsamtenes Barett auf dem haupt und einer grünen Mantel; sein Gesicht war sehr gross, bleich und abgezehrt sein Auge wild, auf seinem Degenknopfe standen geheime Zeichen Kaum war er abgestiegen, so forderte er vom besten Wein, sagte aber, dass er ihm nicht schmecke; als die Wirtin dies übel vermerkte, sagte er, dass er den Wein bald reif machen wolle, goss aus einer kleinen Phiole einen gelben Tropfen hinein und kostete ihr dann. Hierauf gab er ihn am Tische herum, und jedermann erkannte in dem Neckarwein einen spanischen Sekt. "Das ist Kleinigkeit" sagte er, "aber Blei in Gold zu verwandeln, das ist etwas wert." Darauf liess er sich jedoch nicht weiter ein; er sprach nur zuweilen von allen Hauptstädten der Welt, wenn darauf die Rede kam, mit einer Ausführlichkeit, doch ohne Prahlerei, als wenn er aller Orter zugleich gelebt habe, zeigte einzelne kleine Merkwürdigkeiten, die er daraus mitgebracht, geschnittene Steine, die heidnische Götter darstellten, meist von so schändlicher Art, dass die Wirtin lau lachen musste und Anton gar herzhaft auf den Fuss trat. Nach Tische kramte er sein Felleisen aus und brachte Spielkarten heraus dabei versicherte er Anton, dass er durchaus Nachmittags etwa spielen müsse, er möge doch ein Solo mit ihm versuchen. Anton sagte ihm ohne Umschweife, er habe jetzt kein Geld, er sei wie ein fisch im Trocknen; der Fremde versicherte ihm, dass er bloss zum Vergnügen spiele und das Geld nicht so eilig brauche, er wolle bar bezahlen und wenn Anton verlöre, so möge er ihm nur ein Handschrift darüber ausstellen. Anton spielte mit Eifer, weil er nicht gern verlieren mochte; es war ihm zuweilen, als ob Susanna ihm zurufe, er solle aufstehen, doch blieb er sitzen. Abwechselnd ging das Spiel, wie es überhaupt im Schlechten geht, bis das Verderben einen ganz umstrickt, das Blut wallend, die Zeit flüchtig, Gott und die Welt wird vergessen. Anton stampfte mit den Füssen bei jeder Summe, die höher angeschrieben wurde, er biss sich auf die Finger und merkte es nicht; endlich dachte er, es ist doch nur Papier, was du verlierst, und ganz unmöglich zu bezahlen, frisch gewagt ist schon gewonnen. So verlor er über tausend Gulden; hier hielt sein Gegner inne und sagte, er sei heute des Spieles überdrüssig, auch habe Anton allzuviel Unglück an diesem Abend. Anton schwieg und wischte sich den Schweiss von der