Gleichgültig führte er sie durch die wunderbare Nacht des Gebäudes, wo Adams Fall durch den Apfel in dem flammenden Blitze durch die hellfarbig gebrannten Scheiben leuchtete; Susanna machte ein Kreuz und gedachte des Apfels wie eines wiedergewonnenen Paradieses, der heute ein gutes unschuldiges Kind von einem schmachvollen tod errettet hatte; sie fühlte in ihrer ganzen Seele Gottes Herrlichkeit, vor dem alles gut wird, was auf Erden geschieht.
Sie kamen jetzt an das hoch vergitterte Grabgewölbe der Bürgermeister von Waiblingen. Die schwere tür wurde eröffnet, da standen in einer langen Reihe mit schönen metallnen Handgriffen und Zieraten die Särge aller Verstorbenen dieses edlen Hauses dessen letzten Sprössling sie dem Vater zu Füssen setzten. – Der Glöckner fragte, ob das Wappen im Siegelring dem kind mitgegeben sei; da beseufzte die Mutter, dass sie den Schlüssel zu dem Schranke in den Mühlbach geworfen, sie trug den Siegelring noch in der tasche. Der Glöckner stellte ihr vor, dass er mit demselben Rechte dem Vater, Ihrem verehrten Bürgermeister, in den Sarg gelegt werden könnte, und hob bei diesen Worten den Deckel jenes Sarges auf, der ihn verschloss. Frau Anna stürzte bei seinem Anblick mit den Worten nieder: "Heilige Mutter Gottes, er hat sich umgedreht!" – Susanna sah hin, und wirklich lag das graue Haupt gegen das Kissen, worauf es ruhte, hingewendet, als ob er seinen Schmerz darin ausweinte. Der Glöckner wagte ihn nicht zu wenden, er steckte ihm den Siegelring über die Handschuhe und verschloss den Sarg. Frau Anna hatte sich jetzt aufgerichtet und wollte ihren geliebten Mann noch sehen; das verweigerte ihr aber der Glöckner, vielmehr trieb er sie das feuchte Gewölbe zu verlassen, weil es der Gesundheit verderblich sei. Susanna führte die Unglückliche hinaus, sie sah nicht mehr die leuchtenden Blitze, die durch das Kirchengewölbe schimmerten, sie sah immer das graue Haupt des alten Mannes vor sich und konnte es nicht aus den Augen verlieren. Frau Anna wollte im Herausgehen aus der Kirche dem Glöckner einiges Geld in die Hand drücken, er aber weigerte sich es anzunehmen, denn, sagte er, wir hätten ja alle nichts ohne Meister Antons mutige Verteidigung gegen die ketzerischen Hunde, die unser wohltätiges Marienbild verbrennen wollten.
Diese Erinnerung brachte Susannen darauf, der Frau endlich zu eröffnen, sie habe einen Brief von Anton an sie zu überbringen, aber mit diesen Worten weckte sie schon den ganzen Eifer der armen Frau gegen ihn; sie verfluchte die Stunde, wo sie ihn zuerst gesehen, nannte es eine geile Lust, was sie dazu getrieben, ihn zum mann zu machen; sie war unerschöpflich alles aufzuzählen, worum er sie gebracht, was sie aber vor allem ihm nicht verzeihen könne, das sei die Lüge und der Betrug mit dem silbernen Pokal, den er heimlich ihr entwendet, um ein Pferd zu kaufen, davon ihn die Ritter herunter geschmissen und wovon er ihr nachher erzählt dass es die Bilderstürmer gestohlen. Diesen Wunderbecher konnte sie nicht satt loben und beschreiben, sie schwor, dass er nicht ein Dritteil dafür bekommen, was er gekostet und wert gewesen. Susanna wollte die geschichte von ihrem Freunde nicht glauben sie fragte, wer ihr so boshafte Dinge weis gemacht habe.
"Weis gemacht?" fragte sie; "hat mir nicht der Seger den Becher den andern Tag, nachdem sie beide weggezogen, durch seinen Helfershelfer wieder anbieten lassen? ja was hatte ich da zu bieten als tausend Flüche für jeden, der daraus trinken würde."
"Glaubt mir", unterbrach sie Susanna, "Anton mag darin gefehlt haben, aber er meint es recht ehrlich und gut mit Ihr."
"Mag er's meinen, wie er's vor Gott verantworten kann", rief sie, "mich hat er um all mein Glück gebracht durch seine Grosstuerei, durch seine schnöden Gesellen, durch sein Fressen und Saufen; die ganze Welt hat in dem Kerl Platz, so hat er mir Haus und Hof hinuntergeschluckt und ist davon nicht einmal satt geworden; dass ihm die Pest in den Magen schlage!"
Unter so heftigen Reden und bei den gewaltigen Wetterschlägen kamen sie an Frau Annens Haus. Der Schreiner hatte sich stillschweigend fortgeschlichen, und Susanna wäre gern weit weg gewesen und hätte lieber nackt und bloss bei einer Herde die ganze Nacht gewacht, als in so schlimmem Handel Anton verfluchen zu hören. Sie trat mit ins Haus und bat Frau Anna den Brief zu lesen, sie reise den andern Morgen früh fort und der Brief sei dringend zu beantworten.
Kaum hatte Frau Anna den Brief durchlaufen, so riss sie die Augen auf und lief heftig auf und nieder. Sie schrie: "So ist der Taugenichts auch nicht einmal zum Landsknecht gut, das sei Gott geklagt, dass er solch Ungeheuer geschaffen. Andre Kriegsknechte, der Nachbar, brachte erst gestern seiner Frau einhundert Mark Silbers nach Haus, und meinem Mann soll ich noch Geld nach schicken, denkt er denn, dass ich Geld machen kann? Sicher hat er sich auf die faule Haut gelegt und geschmaust statt zu fechten. Geh mein Sohn nur schnell aus meinen Augen, dass ich nicht wild werde; wie kannst du dich unterstehen, mir solche Briefe zu bringen!" – Susanna stellte ihr mit rührenden Worten seine Not vor, sie möchte ihm doch etwas schicken, er werde alles wieder verdienen, das Glück werde ihm schon günstiger werden. – "Er mag sich auch durchschlagen, wie ich mich habe durchschlagen müssen", sagte