Pferde und wo die Menschen untergebracht würden. Sie traten ein; da war eine Hitze, weil trotz des Sommers in dieser Waldgegend eingeheizt wurde, ein Gestank, weil sich da jeder die unreinen Kleider auszog und lüftete, dass Susanna fast umzusinken vermeinte. Güldenkamm fragte nach einem Zimmer, da sagte der bärtige Hausknecht, der wie ein Hauslumpen in allen Winkeln gelegen zu haben schien, wenn sie mit der stube nicht zufrieden, möchten sie wo anders einkehren.
Was war zu machen! Es gab keine andere Herberge, Susanna suchte wasser, um sich zu waschen, sie musste aber zum Brunnen gehen, denn jenes im Zimmer war von den Kohlenbrennern schon so geschwärzt, dass sie zwei andre wasser nötig gehabt hätte, um sich wieder davon zu reinigen. Sehr schlimm war es, dass die Hitze vielen übel bekam, so wie das viele Essen; da gab's erst Gestank, dass Güldenkamm ein Fenster aufmachen wollte, wie schrie ihn aber der Bartmann an! wenn er in die Luft wollte, möchte er sich hinausscheren. Da sah er nun wohl, dass er unter groben Leuten sei, die von den Nürnbergern noch sehr verschieden waren. Nach langem Harren wurde ein Tuch, grob wie Segeltuch, über den Tisch gebreitet, Teller ausgesetzt, Messer und Gabel beigelegt mit Brot; alle setzten sich heran und schabten beinahe eine halbe Stunde bis die Suppe fertig, an der schmutzigen Brotrinde. Endlich kam dieser ungeheure Kübel voll Suppe, bald darauf ein Gemüse in gleicher Brühe, dann gekochtes Fleisch in eben solcher, endlich nach einer Stunde etwas gebratenes Fleisch und fisch, nachdem alle satt waren; ein saurer Wein stand dazu auf dem Tische, wovon jeder so viel trinken mochte als er wollte, denn alle bezahlten gleich. Da brachte der Bartans einen Schinkenteller, worauf er einige Ringe und halbe Ringe mit Kreide gemalt hatte, das verstanden viele und legten ihre Zeche auf den Tisch. Güldenkamm verstand es aber nicht, er hatte all sein Geld zum Mittagessen aufgehen lassen; er wusste nichts Besseres zu tun, als den Schalksnarren zu spielen, worauf er sich schon in Nürnberg beflissen hatte. Er stellte sich wie ein blökendes Kalb und machte allerlei lächerliche Sprünge, die aber Susannen herzlich zuwider waren; zuletzt sprang er auf den Tisch, streckte hände und Beine in die Luft, drehte sich auf dem Bauche herum und wischte sehr geschickt alles auf dem Kreideteller aus. Der Schwank gefiel allen; ein Kaufmann bezahlte für ihn und für Susannen und schenkte ihm noch Reisegeld obenein. Susanna nur empfand von dem Augenblicke gegen ihn einen unerklärlichen Widerwillen, er war ihr einen Augenblick wie eine lächerliche widerliche Spinne erschienen. Als er so wohl aufgenommen, liess er sich in allerlei Trinksprüchen hören, die um so lauter belacht wurden, je kräftiger der Schmutz sie würzte. Endlich wurde eine Streu über den Boden ausgebreitet, schmutzige Tücher mit Kopfkissen und wollene Decken darauf gelegt; Güldenkamm legte sich zu den Füssen Susannens. Die Lampe wurde ausgelöscht, und Güldenkamm stieg die Glut des Weines ins Herz; er näherte sich leise Susannens Füssen und küsste sie mit einer Inbrunst, dass sie erwachend aus unwiderstehlichem Widerwillen ihm einen Tritt gegen den Kopf gab, der sich für den Augenblick zurückzog. Aber mit erneuter Liebesmacht drängte es ihn zurück, doch ein heftiger Stoss gegen die Nase erleichterte ihn vom Blute und kühlte ihn dadurch.
Früh Morgens ging es davon; der Fuhrmann fluchte, dass die Kinder ein Stück von seiner Peitsche abgeschnitten, Güldenkamm war verstimmt durch seine aufgeschwollene Nase, Susanna konnte ihn gar nicht mehr ansehn, und das Stossen des Wagens schien ihnen heute so ganz unerträglich, dass sie abstiegen, stillschweigend ihre Strasse zu gehen. Sie hatten jetzt den Kamm des Gebirges erreicht und sahen in ein weites reiches Tal, alle auslaufenden Spitzen des Gebirges waren mit glänzenden Schlössern besetzt, in den grünsten Tälern schimmerten ferne Klöster; ein Wohlleben war überall, und ihre Augen schwankten von einem Anblick zum andern wie Füllen, die im Überflusse das Gras durch den Mund gehenlassen, ohne es abzubeissen, und sich lieber drin strecken und wälzen. Die beiden Reisegefährten waren plötzlich versöhnt, und Güldenkamm liess seine Ziter so anmutig klingen, dass der Fuhrmann den Takt dazu knallte, bis sie die Stadt Waiblingen erreicht hatten.
"Das heisst lange geschlafen", sagte der Wirt, als er gegen Mittag eintrat; "wollt ihr denn nicht heute nach dem haus des gewesenen Bürgermeisters gehen? das wird heute von den Schuldleuten verkauft."
Susanna erschrak bei diesen Worten, sie vernahm so unerwartet, dass die Umstände von Frau Annen viel schlimmer ständen, als Anton ihr gesagt hatte; sie beschloss sogleich zu ihr hinzugehen. Als sie vor das hohe Haus trat, da dachte sie ihres Anton recht in Liebe, sie dachte ihn, wie er da aus und ein gegangen; sie hatte eine ungemeine sehnsucht, sein Weib und seine Kinder zu sehen, da dachte sie, würde ihr recht wohl sein, da wollte sie für alle arbeiten, allen dienen. Die Haustür stand offen, eine harte gellende stimme tobte im haus mit höchster Verzweiflung; ein ernster Mann in Ratskleidung führte einen kleinen kräftigen blondgelockten Knaben, den kleinen Anton, zur Tür hinaus. Eine Frau von ernstem Ansehen, von schönem Bau, hohen, etwas starken Leibes, in der Kleidung vornehmer Bürgerinnen, fluchte hinter dem kind: "Du Kain, meine Schläge kriegst du nicht, aber das Rad wird dich schlagen, Tunichtgut, wie dein Vater