Teiche. Susanna nahm nichts als wasser; sie zeigte einen Widerwillen gegen Fleisch und Wein und konnte sich nur wenig erholen, während Anton mit feurigem gesicht neben ihr sass und über das Bein fluchte, dass es sich noch nicht wollte brauchen lassen.
"Marsch! fort jetzt!" rief Seger, "binde deinen Jungen auf das kleine Pferd, ich will dir aufs grosse helfen!"
"Hätten wir nur den Güldenkamm nicht nach jener Seite geschickt, um uns hülfe zu erbetteln, wir könnten jetzt zum schloss meines Vaters zurückkehren", sagte Anton.
"Ja, hätten wir nicht", rief Seger, "da wäre meine Mutter noch eine Jungfer; fort nach Pforzheim, da wird sich der Kerl irgendwo in einer Kneipe vorfinden!"
Sie ritten fort; Susanna, die nie zu Pferde gesessen, liess ihr Pferd von Anton führen und hielt sich mit den Händen fest; Seger lachte über einen so furchtsamen Burschen. Gegen das Dunkel kamen sie aus dem wald heraus und in die Nähe von Pforzheim und fanden Güldenkamm, der mit einem alten Hirtenweibe aus einem Topfe ass. Kaum konnte er seine armen Gesellen auf den schönen Pferden wiedererkennen; dann flehte er sie aber an, ihm seine Ziter, die er dem alten weib für einen warmen Brei verkauft hätte, einzulösen. Seger, ohne ihn zu kennen, sprang ab, nahm stillschweigend die Ziter fort, stülpte ihr den Breitopf über den Kopf, half Güldenkamm hinter Susannen aufs Pferd, stieg selbst auf und sagte: "Der alten Vettel soll doch endlich einmal die Lust an der Ziter vergehen; sie zittert selbst schon am ganzen leib; hört, wie sie in den hohlen Topf hineinbrüllt, sie kriegt ihn nicht ab, ohne ihn zu zerschmeissen oder sich die Nase zu zerbrechen – der soll die Wohltätigkeit auf ewig vertrieben sein." Susanna beschämte der Vorfall, aber sie waren alle zu schwach, um viel an Edelmut zu denken; also ritten sie zu Pforzheim durch das schöne Tor mit den zwei gespitzten Türmen ein und stiegen bei der Herberge zum Hopfenblatt ab.
Als sie im Zimmer sassen, schwor Anton dem Seger in herzlicher Gesinnung und reiner Dankbarkeit: Für den einen Dienst möchte er sich einmal fordern, was es sei, er wolle es ihm zu Gefallen tun. Seger schlug ein; er wird es nicht vergessen, denn der Teufel vergisst so etwas nicht. Er sorgte mit grossem Eifer für die Bequemlichkeit Antons, der nach frohem Mahle sehr bald einschlief; Susanna legte sich ihm zu Füssen auf eine Streu, Güldenkamm wusste nicht recht, was mit sich anfangen, und begleitete noch Seger in die untere Wirtsstube, wo dieser sich mit einigen Wilddieben in erbauliche gespräche einliess. Am anderen Morgen musste Anton den Wundarzt der Stadt kommen lassen, der sein Bein und seine Wunde sehr entzündet fand und einen Gulden voraus forderte, um die nötigen Salben und Umschläge anzuschaffen. Seger gab den Gulden sehr bereitwillig her, verlangte aber, Anton möchte sogleich zu seiner Frau gegen Waiblingen schicken, um etwas Geld von ihr zu fordern; sie hätte immer noch ein paar tausend Gulden übrig, das wisse er. Anton beredete Susannen, die er in Gedanken dem frohen Güldenkamm schon ganz übergeben, in dessen Schutz nach Waiblingen zu wandeln; Seger gab ihnen Reisegeld, sie sollten nur mässige Tagereisen gehen; in einem Briefe stellte Anton der Frau seine Not recht eindringlich vor, und seine sehnsucht, zu ihr zu kommen und dort ein Schmied zu werden, wenn seine Kunst sie nicht mehr ernähren wollte.
Der Zufall führte einen Güterwagen durch Pforzheim, der die Strasse nach Waiblingen ging, wo Susanna und Güldenkamm sich für ein Geringes auffrachten liessen; dem Fuhrmanne war Gesellschaft sehr willkommen, insbesondere da allgemein ein Gerede lief, dass Franz von Sickingen und Götz von Berlichingen wieder gegen den Schwäbischen Bund verfehdet seien, die Kaufleute niederwürfen und die Wagen plünderten. Anton gab beiden Bitte und Befehl, sich in kein Gefecht einzulassen, denn wer jetzt recht hätte in der Welt und wem etwas gehöre, das sei ganz unbestimmt. "Zieht mit Gott!" rief er, als Susanna mit Tränen Abschied nahm. Güldenkamm und Susanna sassen hinten auf der Höhe des stossenden Wagens, wo eine Kiste mit scharfen Leisten ihnen zum Sitz, eine andere als Rückenlehne diente; wäre die Erinnerung des vorigen Tages nicht so ermüdend in ihren Gliedern gewesen, sie hätten die bequeme Einrichtung des Wagens, der das Nebenherlaufen zuliess, weit vorgezogen; sie mussten mit solcher Kunst die einzelnen Schwankungen und Stösse des Wagens ausnivellieren, um nicht herabgerissen zu werden, dass sie, bis der lange Stadtdamm zurückgelegt war, an nichts anderes denken konnten. Erst dann überlegte sich Güldenkamm, in welches angenehme Verhältnis ihn das gute Glück zu einem lieben, zarten Mädchen geführt; er beschloss, keine Freude, die sie ihm gewähren könnte, aufzuschieben; ja er fürchtete zuweilen, dass sie ihm die schlechte Benutzung jener Nacht am wasser als einen Mangel an Zuneigung auslegen möchte. Er unterhielt sie mit vielen sonderbaren Liebeshistorien, denen sie ernstafte Bemerkungen beifügte; er las jeden ihrer Wünsche in ihren Augen, sie war ihm so freundlich; mit welcher Wonne hob er sie in Böcklingen, wo sie die Nacht verweilen wollten, vom Wagen.
In dem wirtshaus war ein grosser Lärmen; da lagen viele Handelsleute, kein Mensch kam heraus und begrüsste sie. Nach langem Schreien guckte einer wie eine Schnecke zum Häuschen heraus, der zeigte dem Fuhrmann mit der Hand, wo die