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war ihre Rettung, sie hätten sonst in dem Waldbrande ersticken müssen; aber auch dort litten sie noch von der Nähe des Feuers, das aber zu ihrem Glück nicht lange an einem Orte weilte, sondern, wenn es die Zweige und Rinde aufgezehrt hatte, dem grünen Stamme nur an der Spitze etwas anhaben konnte. Der Weg vor ihnen ward schon wieder gangbar, als das Feuer sich über den zurückgelegten Weg verbreitete; sie sahen jetzt, wie die Vögel, ihres letzten Schutzortes beraubt, sich teils in die Flammen stürzten teils flüchtend von den Dampfwirbeln zurückgerissen wurden. Der gewaltige Anblick hatte ihre Ermüdung geistig unterdrückt; sie schritten dumpf über die rauchenden Zweige fort, die in den Weg gefallen waren; hin und wieder brannten sie noch, und Anton nahm Güldenkamm und Susanna und trug sie, ihres Sträubens ungeachtet, hinüber; er kam in einen Ärger über die Hindernisse, die ihm die natur entgegenstellte; das erfrischte ihn. Nach zwei Stunden mussten sie sich an einer Stelle niederlassen; sie fanden kein Bächlein, wohin sie auch blickten; die trockene Hitze des Jahres hatte die Quellen in den Schoss der Erde zurückgeschreckt; sie groben mit den Degen eine Höhlung und stiessen bald auf dichte Felsmasse. Jetzt warfen sie alles von sich, was den Marsch erschwerte: Anton die Muskete und den Degen, Güldenkamm seinen Reisemantel, Susanna ihren Degen, und schritten erleichtert fort, wie Gefangene entwaffnet, durch die schwarzen geordneten Spiesse des feindlichen Heeres, das sie in stolzer Ruhe anblickte; denn also erschienen die verbrannten jungen Tannen. Als die Sonne über den Mittag hinaus in stärkster Hitze gegen drei Uhr brannte, sank Susanna an den Boden, sie hatte den Schmerz der wunden Füsse lange bekämpft, sie war erschöpft; Anton kniete neben ihr und hielt ihr das Haupt, sie erholte sich wieder; Güldenkamm hatte auch nicht viel Macht zum Aufstehen, als er sich neben ihr niedergelassen. Susanna sagte sehr matt: "Was mir das Herz abstösst, ist der Gram, dass ich alles dieses Unglück über dich gebracht habe, mein Anton; meine Ahnung hat dich von einem wahrscheinlichen Unglücke zu befreien gesucht, um dich einem gewissen schmerzlichen Hungertode zu opfern, lass mich hier liegen, ich kann nicht weiter; suche aus dem Wald zu kommen, vielleicht bringst du mir zur rechten Zeit noch hülfe zurück."

Anton sprach ihr Mut ein, er sei noch stark genug, sie zu tragen; nie würde er sie verlassen. Güldenkamm sagte, dass er voranlaufen wolle, weil er des Weges kundig, um ihnen hülfe zu schaffen. Dieses Anerbieten wurde angenommen; er lief, nach manchem gerührten Ausdrucke seiner leidenschaft, ohne sich umzuwenden fort; er war wie ein Schatten entschwunden, und das Elend trat immer deutlicher hervor. Anton fühlte bald, dass nur seine Kraft den Schmerz der Wunden bisher bekämpfte, beide hatten sich geöffnet, und Arm und Fuss waren so entzündet, dass er sie nicht mehr brauchen konnte; vergebens wartete er zwei Stunden, nagte Gras und Wurzeln; endlich, es mochte sechs Uhr sein, hörten sie das Auftreten, dann das Schnaufen von mehreren Pferden, sie rieten um hülfe; sie sahen mit freudigem jubel drei kräftige Pferde, von denen nur eins einen gewaffneten Reiter trug, heransprengen; der Reiter machte vor ihnen Halt, sah herab, sie sahen hinaufes war Seger.

Unwillkürlich wollte Anton nach seinem Degen greifen, da gedachte er, wie er den Degen von sich geworfen. Seger sah ihn verwundert an und sprach: "Welcher Wurm hat sich in Euer Gehirn eingebohrt, dass Ihr so unsinnig in die Welt gelaufen seid? Ihr seid doch ein Querkopf, wie noch keiner mit dem Steiss die Welt angesehen; da liegt Ihr, elend, wie geschundene Vögel zum Braten auf Kohlen, und mir kostet der Streich ein paar brave Kameraden. Hol Euch das Käuzlein! ich komme den Abend mit ein paar Gesellen, bringe Futter für Euch mit; da schrieen mir gleich ein Dutzend alte Kerle entgegen, wo ich des alten Herrn Sohn hingetragen; ich mag sagen was ich will, wie ich Schmächtling so eine dicke Sau wegtragen könnte! sie wollen uns fangen, wir wollen es nicht leiden, sie reissen meine beiden Gesellen vom Pferde, ich muss ausreissen, und die beiden Pferde laufen hinter mir her."

Anton sah nach seinen Taschen: "Lass gut sein, es war nichts zu fressen auf dem schloss. Hast du was bei dir?"

"Freilich, ich werde auch nüchtern ausreiten", sprach Seger; "einem wilden Eber hab ich eine Kugel durch das alte Fell gejagt, dass er zusammengestürzt ist, und mir die Keulen bei dem schönen Waldbrande ordentlich gebraten; mein Fässchen ist auch nicht mit Regenwasser gefüllt, um mir die Haut damit zu waschen."

Er bestätigte diese Rede mit Vorweisung der angezeigten Lebensmittel und warf noch ein grosses Weissbrot herunter, das aus dem Korbe herausfiel.

"Potz Vetter Michel", sagte er, "ein paar Brote und eine gute Wurst hab ich verloren." Aber Anton hatte schon mit Wut das Brot zerrissen und seinen teil verzehrt, als er die andere Hälfte Susannen kaum zugeworfen; er konnte kein Wort sprechen, der wilde Schweinbraten war sein Leitgericht und hielt ihm diesmal in aller Wahrheit Leib und Seele zusammen, der Wein netzte seinen Gaumen, aber er wünschte auch wasser; selbst das schaffte Seger, indem er rings umher in den Wald sprengte, aus einem versteckten kleinen