1817_Arnim_006_162.txt

meine Bücher, Und ward, wenn nicht gelehrt, doch siecher; Der trüben Lampe Licht Entfärbte mein Gesicht, Wie in dem Schacht die weissen Moose sprossen, Und sind doch auch des Lebens Mitgenossen. Da regte sich der erste Frühlingstanz Vor unsrer Stadt auf erstem Grün; Der zarten Blumen erstgeborner Glanz Verschien, als eine Jungfrau drin erschien; Ihr Leib war schlank gestreckt, doch voll und rund. Es öffnete sich leicht ihr roter Mund, Dass ihre Lippe zeigt der Zähne Bund. Und dieser Bund stand gleich dem Kriegesheer Der Tempelherren weiss und gleich im Feld, Das rings von süssem Blut ein wogend Meer; Da stand es fest, als hätt es Gott gestellt. Und dieser Zähne Glanz ward jetzt der Felsenriff, Den ich für eine sichre Küste hielt; Mit vollen Segeln lief darauf mein Schiff. Ich glaubte sie von hohem Geist umspült; Ich reichte ihr im Tanze meine Hand Und blieb so Hand in Hand, bis uns das Licht Den rücken hatte zögernd zugewandt. Das gute Kind zu mir kein Wörtchen spricht. Ich war begeistert wie von jungem Wein Und sprach zu ihr in manchem lust'gegen Wort; Sie fuhr nach Haus, ich stieg da hinterdrein, Wo sonst nur der Bedienten schlechter Ort. Mir war's ein Tron, ich sprang am Haus herab; Sie sah mich an und lächelte so dumm; Sie stieg heraus, ich diente ihr als Stab. Statt alles Danks blieb sie noch immer stumm; Ich trat mit ihr ins Haus, ich wusst nicht wie, Und eine Frau begrüsst uns nah am Tor; Ach, warum beugt ich nicht vor ihr die Knie, Ich war ein Tor, dass ich den Tag verlor. Wie jene, hochgeschmückt, mit braunem Haar, War diese fein und zierlich, blond gelockt; Ich wusste nicht, ob ich im Himmel war, So hat mein Herz bei ihrem blick gestockt. Der blick war blau, so wie Vergissmeinnicht, Und ihre Worte wie ein Perlenkranz, Doch war ich treu dem vollen Angesicht; Es wogte noch in mir der Rausch vom Tanz. Du bist ein gutes Kind, ich sag's dir hier, Ich war, bei Gott, dir vierzehn Tage treu, Studierte mich fast tot, was ich nur sagte dir; Du sagtest nur ein Ja, ein Nein dabei. Die blonde Frau hob alles sorgsam auf, Was meinem frohen Mund mit Lust entfiel, Und gab ihm Federkraft zum raschen Lauf, Es traf ihr Witz stets alle neun im Spiel. allmählich ward's mir lieb, wenn sie allein, Ich setzte mich zu ihr, ich liess dich stehen, Ich brachte dir den grossen Hund, der mein, Und liess ihn dir, damit du mich liesst gehen. Du warst vergnügt und ich war voller Glut, Wie ein Kamin voll hellem Flammenschein; So trieb die Schwägerin herum mein Blut, Ich sass so gern bei ihrsie war nicht mein; Die Lieb, die ich mit Sange angeregt, Die wandte sie zum Mann, kam er nach Haus, Und hat sich froh mit ihm zu Bett gelegt; Ich grämte mich und blieb dann doch nicht aus. Zum guten Glück kam eine Sängerin Mit kaiserlichem hof durch die Stadt, Die alle Welt bezaubert hat; Ich war beim ersten Tone hin, Ich schmiegte mich in ihres Liedes Falten; Die göttlichen Gestalten Der alten Helden, die sie schön besungen, Die hätt ich gerne dargestellt, Und wie Merkur bin ich gesprungen Ganz einsam unterm Himmelszelt, Und wie Apollo hohen Blicks, Hab ich gewartet meines Glücks. Du wolltest aber immer essen, Ich hatte es oft vergessen; Du wolltest süssen Trank, Wenn schier mein auge in Wehmut sank; Du wolltest Schmuck, Ich hatte an dem Gesang genug, Der in den Ohren ewig tönte; Da war ich oftmals der Verhöhnte Und lief davon, Eh' mich beschien die Morgensonn; Eh' noch die Schuldner konnten klopfen, Da sass ich schon, die Schuh voll Tauestropfen Bei einem schönen Pachtergut Und sah den grossen gelben Hut Auf einer festlichen Gestalt; Ich schlich mich näher zu der Schönen; Es war die Allgewalt Von allem, was mich konnte verhöhnen Und mich beglücken konnte, Als sie ihr Antlitz zu mir sonnte Und lauschte, ob ein Hase in dem Kraute, Und mich zuletzt mit grossen Augen schaute. Sie hob die hände auf, Als wollte sie in meine arme fallen, Und mitten in dem Lauf Sah sie so stolz auf mich, wie Herrscher auf Vasallen; Ich ward ihr Knecht, Und hab gelebt so arm und schlecht, Früh auf, spät nieder, Schmale Kost, viele Lieder; So hat sie mich zu prüfen gemeint, Ich hab gelacht, geweint. Nichts weiss ich mehr von der Zeit, Mit mir, mit ihr ein ew'ger Streit; Mir war's, als hätt ich einen Schatz gefunden, Der mir zu schwer; Ich hätt ihn gerne aufgewunden, Doch als das Werk bald fertig Und ich des Danks gewärtig, Da war die Grube voll und leer. Wieder lieb ich, da ich dein gedenke, Wieder leid ich, dass ich dich muss missen, Nicht zu mir die toten Augen lenke, Deine bleichen Wangen möchte ich küssen. Wieder wähn ich, dass ich dich verkannte, Wieder glaube ich, dass ich dich noch habe, Ach ich war's, den dir die Liebe sandte, Doch der Zweifel sandte dich zum