alle Abend kommt ein alter Fischer am Ufer herunter und fährt über."
"Du hast mich gut geführt, Kurt", sagte Anton, "wahrscheinlich wären wir sonst nirgends übergesetzt worden."
"Auf zehn Meilen", sagte der Fremde, "sind alle Fähren, der aufrührerischen Bauern wegen, versenkt; es ist ein fürchterliches Morden und Brennen überall; viele Schlösser sind von ihnen beraubt und zerstört; sie wollen an einem Tage die ganze Rechnung mit ihren Herren abmachen und nichts schuldig bleiben. Ich geriet in ihre hände, und weil ich ein Spielmann bin, taten sie mir nichts zu leide; aber welche Greueltaten musste ich mit ansehen und dazu musizieren! da warfen sie mir dann wohl etwas Geld ins Barett, letztlich nahmen sie es aber alles wieder fort. Apollon, mein rechter Vorsteher, sei gelobt, dass ich von ihnen bin; in Marbach wäre ich fast mit ihnen gefangen und gehangen!"
"Was ist da geschehen?"
"Die Bauern wollten das Städtlein ohne Mühe einnehmen und plündern; so kamen sie einzeln mit Jagdspiessen vor die Tore und begehrten friedfertig, zur Kirchweih eingelassen zu werden, um ihre Verwandten zu besuchen; die Hüter hatten kein Arg; der Aufruhr war noch nicht in die Gegend der Stadt gedrungen, auch mich brachten ihrer zehn mit, und ich musste lustig vor ihnen her singen. Auf dem Markte kamen sie alle zusammen; als sie mit einander sich zu beraten anfingen, da sah ich die Zeit ab und ging zum Untervogt und warnte ihn vor ihrer bösen Absicht, die ich erlauert hatte. Er dankte mir und bat, dass ich nun zu ihnen zurückkehre und gelegentlich wiederkäme. Der Untervogt ging darauf zum Obervogt Eitel von Plieningen, der auf dem rataus einer Sitzung beiwohnte, und fragte ihn, was er tun solle. Da wurde nun lange hin und her geraten, ob man die Bürger bewaffnen oder die Tore schliessen solle; unter der Zeit waren der Bauern schon zu viele eingedrungen; man musste ein gut Gesicht zum bösen Spiele machen. Inzwischen war den Bauern der Kamm gewachsen; sie schickten an den Rat, weil viele unter ihnen keine Freunde in der Stadt hätten, so liessen sie um Wein aus dem herrschaftlichen Keller bitten. Der Vogt schlug es erst ab, es sei gegen seinen Eid; nachher aber, als sie Rat gepflogen und die Bauern drohende Worte ausgaben, wurden ihnen einige Fässer Wein bewilligt. Während die Bauern dabei lustig wurden, sammelte der Obervogt und der Untervogt den Rat und einige sichere Männer auf dem rataus; als jene das aber merkten, drangen sie zum teil in das Rataus, teils blieben sie unter demselben stehen und riefen in voller Trunkenheit jenen zu: 'Stürzet den Rat zum Fenster hinaus!' Die Bauern im rataus wollten auch die Tür des Ratzimmers sprengen, konnten es aber nicht möglich machen. Dann stiegen sie in den Ofen und wollten durch denselben in das Zimmer einbrechen; der Ofen war aber mit einem eisernen Gitter umgeben und die Ratsherren stachen mit ihren Degen durch die Risse des zerschlagenen Ofens; sie mussten zurück. Hierauf, wie es bei Trunkenen geht, wer vom Streit müde, lässt schnell gütliche Verhandlung folgen, beschwichtigte der Obervogt ihren ganzen Unwillen, indem er ihnen mit vernehmlicher stimme aus dem Fenster des Ratauses zurief, er wolle ihnen noch einigen Wein zukommen lassen. Der Wein wurde mit neuem jubel empfangen; ich musste zum Tanze aufspielen; die alten Bauerstiefel trampelten auf dem Pflaster wie eine Ramme, bis sich das Übermass des Weines Luft machte und einer über sein Mädchen, der andere über einen Mistaufen fiel und sich nicht wieder aufrichten konnte. In solchem Taumel überkam uns die Nacht; ich schlich mich zum Obervogt, da waren schon viel angesehene Bürger bewaffnet zusammen gekommen; er stellte ihnen ernstlich vor, wie sie es ihrer eigenen Sicherheit und dem Eide schuldig seien, den sie der Obrigkeit geschworen hätten, mit allen Kräften ihm beizustehen, das bittere Bauernvolk aus der Stadt zu schaffen. Alle verschworen sich aufs neue, ihm treulich beizustehn, und er befahl ihnen, sich nach dem schloss zu begeben und zwei Feuermörser, eine Feldschlange, einen Doppelhaken und ein paar Büchsen, die in den unteren Zimmern des Ratauses standen, dahin zu schaffen. Ein ärgerlicher Umstand war es, dass der Konstabler Marx Spengler, der das Geschütz zu bedienen verstand, mit den Bauern sich vollgetrunken hatte und nur mit Mühe aufgeweckt werden konnte; in demselben Taumel war auch der Stadttrommelschläger, so dass beiden ein paar feste Bürger beigesellt werden mussten, die sie in ihrer Pflicht erhalten oder, wenn sie dagegen fehlten, sie niederschiessen sollten. Die Weiber der treuen Bürger mussten in der Zeit siedendes wasser in Bereitschaft halten, um die Feinde, wenn es zum Treffen käme, damit zu verbrühen, dass ihnen die stolzen Federn ausfielen.
Bei Tagesanbruch rückten wir aus dem schloss die Stücke voran, doch nur mit Pulver geladen, ich zuletzt, weil ich gar nichts dabei zu suchen hatte; der Trommelschläger, von den beiden Bürgern immerfort in die Rippen gekeilt, schlug das Kalbfell fast zusammen; die taumelnden Bauern und die mit ihnen einverstandenen Bürger, aus dem ersten Schlaf erwacht, liefen aller Orten gegen einander, und keiner hörte mehr Rat; da wussten sie auf einmal wieder die Namen aller Heiligen und riefen bald diesen, bald jenen an, dessen Bild sie oftmals mit Füssen getreten, er möchte ihnen sagen, was es gebe. Der Obervogt aber schrie mit grausamer