sie es zum Andenken immer bei sich tragen könne. Anton schwor ihr, dass er sich noch nie selbst gemalt und kaum wisse, wie er aussehe, sie möchte ihm indessen ein breites Gefäss mit wasser bringen, er wolle sich gleich an die Arbeit machen. Susanna schaffe alles in grossem Eifer schnell herbei. Anton sah sich im wasser und musste lachen; seine grossen Augen glänzten so herrlich, sein blonder Bart krauste sich so dicht und zierlich, sein ganzer Kopf hing voll schöner Locken; das Bild gefiel ihm so wohl, dass er auf einem kleinen runden Holztäfelchen sein Bild ganz so wie im Spiegel eines hellen Wassers abbildete, durch seine Locken liess er ein paar muntere Fische spielen, eine Taube sass an der Seite und trank aus dem Becken; er malte so eifrig, der Einfall war ihm so neu, dass er über sich selbst verwundert war, wie geschickt und schnell er alles herausbrächte; ja er meinte, dass ihm Susanna, die immer eifrig zusah, Farben reichte und Pinsel reinigte, ihm mit besonderen Gebeten beigestanden. Susanna war hingegen immer noch unzufrieden damit, sie fand, es sähe noch immer so tot, so starr und unbeweglich aus. Anton wusste nicht, was sie wollte, er hatte nie ein lebendigeres Bild weder gesehen noch selbst gemalt; sie hätte gern ihn selbst wie das Eichhörnchen so mit sich geführt, lebend aber klein und ihr folgsam; ihr steter Tadel kränkte endlich sogar seinen Künstlerstolz, so wenig er auch davon hatte; er meinte doch richtiger über ein Bild urteilen zu können, als ein Mädchen, das noch kein einziges gutes Bild gesehen. Als sie ihm Abends, da es fast beendigt war, noch einmal sagte, die Augen hätten nicht das volle Feuer, rief er ungeduldig: "So fahr Gott und der Teufel mit allem Sonnen- und Höllenfeuer hinein! Ich hab mich heiss genug dran gearbeitet!" und warf den Pinsel gegen das Bild. Susanna tat einen Schrei, hob das gefallene Bild auf und rief: "Seht Herr, jetzt ist Feuer in den Augen!" Anton sah hin und war verwundert, wie der Pinsel, der mit Weiss gefüllt war, so glücklich auf das eine Auge gefallen war, um ihm einen Ausdruck von Lebensfeuer zu geben, den er nie herauszubringen verstanden; er brachte jetzt den Effekt mit Absicht im andern Auge hervor, glättete und reinigte in jenem, wo der Zufall oder Zuwurf es verdorben hatte, und Susanna sprach leise mit den Augen zu dem Bilde und bewegte fast unmerklich zu ihm die hände. Anton fragte sie, was sie ihm zum Dank gebe; sie sagte ihm beschämt, dass sie nichts habe. Er wünschte sich einen Kuss und meinte, sie müsste es erraten; seine Lippen waren aufgesprungen seit dem Morgen und schmerzten ihn, er mochte sie nicht zum Kusse darbieten. In diesen Gedanken liess er sich Wein bringen, er wollte den Wunsch ertränken, aber je mehr er trank, je mehr zog es ihn zu ihren Lippen, er konnte nicht schlafen. Susanna setzte sich neben seinem Bette auf einen Stuhl; er sah sie in allen Beleuchtungen und malte sie schlafend; das Werk fesselte ihn, und er malte, bis Phosphorus schon am Himmel glänzte und Susanna, die an seinem Bette gesessen, schlaftrunken über dasselbe hingesunken war. Da legte er den Pinsel nieder und sang:
Ach Gott, wie tät mir gut
Ein Kuss auf ihren Mund!
Die Lippe wär nicht wund,
Ich wär auf meiner Hut,
Ich wäre dann gesund
Und ruhig lief mein Blut.
Ach Gott, wie tät mir gut
Ein Kuss auf ihren Mund!
Die Liebe wär dann aus,
Ich wollte fleissig sein.
Es fiel mir manches ein,
Ich zöge dann nach Haus;
Mit tausend Gläsern Wein
Löscht sich nicht Phosphor aus;
Er stehet überm Haus
Und zündet Liebesschein.
Er schaut der Erde Rand,
Auf dem ihr Himmel liegt,
Wie hat die Erd besiegt
Der Nacht verschwiegne Hand;
Es schliesst die Nebeldeck
Sie beide traulich ein,
Ganz still der Sterne Schein
Zieht über sie hinweg.
Ach Gott, so schliess mich ein
In ihren Lippen dicht,
Im lieblichen Gesicht
Ist nichts so kühl und fein;
Ich brenne hell und licht,
Erlösche mich darein;
Es kann nicht anders sein,
Und ich versag mir's nicht.
Bei diesen Worten küsste er sie; Susanna sprang auf und wusste nicht, wie ihr geschehen; sie schwor, dass sie Seger im Traume gesehen, der dem Vater Antons nachstellte.
"Mein armer Vater ist tot", sagte Anton, "ich habe wenig von ihm gewusst, als eine lange geschichte, die er mir erzählt und die ich ihm nicht glaube, wenn er gleich darauf gestorben; lass uns das Vergangene vergessen, ich bin nüchtern geworden, seit ich dich geküsst, und meine Lippen sind geheilt; ich meine jetzt ruhig zu schlafen, und hast du bei Sonnenaufgang ausgeschlafen, so lass dein Bild für dich schlafen." Susanna sah beschämt ihr Bild und sagte: "Nein Herr, so hübsch bin ich nicht."
"Hör Susanna", sagte Anton schlaftrunken, "du tadelst heute zu viel meine Kunst, was verstehst du davon? Du bist nur ein dummes kleines Mädchen, hast nichts Gemaltes gesehen, als deine Puppen und die Wirtshausschilder; ich muss am besten wissen, wie du aussiehst."
Anton schlief bei diesen Worten ein; der Wein hatte schon lange seine Zunge schwer