Glocken läuteten; sie muss aus den Reden der Mönche erfahren haben, dass sie dich zur Hinrichtung führen wollten, sie ist ihnen entgegengetreten im Dunkel und hat ihnen wie mit erstickter stimme, wodurch sie getäuscht worden, erklärt, dass sie alle Bande zerrissen, dass sie aber freiwillig sterben wolle. Die Mönche haben sie ergriffen und in stiller Feierlichkeit zum Richtplatz geführt. O mein Sohn', rief er hier, 'wie habe ich jahrelang diese Krone bewacht, die ich nie trage! und dieses Kind, das meine Frau getragen in Liebe und Schmerzen, habe ich ohne Wache in der Welt irren lassen!
Erst als sie entauptet, erkannte der Laienbruder ihr Geschlecht, und diese Herrlichkeit schmetterte sie alle nieder, denn sie wussten nun alle, dass sie getan, was nimmer zu vergüten und mit jeder Stunde, bis zur letzten, immer schwerer auf ihnen lasten, dann aber sie alle in die Gewalt ewiger Glut bringen werde. Der Abt, den das verwirrte Geschrei herbeizog, verfiel in wilde Raserei; er wütete mit dem Beile gegen den schönen Körper und gegen alle, die ihn zurückreissen wollten; endlich wurde er mit Steinen von ihnen darniedergeschmettert, sie bereiteten einen Holzstoss und verbrannten die beiden Leichname; wie eine länderverödende Pestilenz zog der Qualm des Abtes über die Stadt, aber die Leiche der Tochter wollte die Flamme nicht ergreifen, ihre Wunden bluteten noch nach mehreren Tagen frisch wie am ersten. Da erwachte das Gewissen eines Mönchs, er lief in die Stadt und verkündigte die Missetaten; da kam der Ritter von Lilienfeld, der sich einst aus Liebe zu ihr in den Krieg geflüchtet, drang in das Kloster und erkannte ihre Züge. Es drangen die Bürger von Kostnitz in das Kloster, und jeder erkannte sie; da zerfiel sie in Asche, der Wind hob sie empor wie den fliegenden Sommer, von dem wir nicht wissen, woher er komme, noch wohin. Schnell war die Verhaftung der Schuldigen erfolgt, du wurdest gepflegt von Mönchen, die unschuldig erfunden; ich erhielt in Rom meines Elends Kunde, mein Jammer hallte in den Toren des Vatikans, und mir ward gewährt, dich zurückzuführen in die Welt, in dir mein Geschlecht und die schweren Pflichten, die auf ihm ruhen, erfüllt zu sehen.'
So endete mein Vater, als ginge ihm Atem und stimme für immer aus; mich aber ergriff ein Schwindel, als hätte alles Blut einen andern Lauf genommen und flöhe mich, – mein Sohn, mein Sohn! stehe mir bei, denn mir wird wieder, als wäre ich ohne Sinne zu früh auf die Welt geboren – mein Sohn, mein Sohn, steh mir bei, denn ich zerfliesse wie ein Tropfen, der aus dem milden Auge meiner Mutter hundert Meilen tief auf den harten Scheitel meines Vaters gefallen – mein Sohn, mein Sohn..."
Bei diesen Worten stürzte Graf Rappolt nieder; Anton sprang trotz seiner Wunde auf, aber der Schmerz und die Schwäche des Beines stürzten ihn zurück; Susanna war schon mit liebevoller Sorgfalt zu dem Ohnmächtigen getreten und rief die Diener von dem Feste zu ihrem leidenden Herrn. Die Bestürzung war gross; alle waren um ihn beschäftigt, die Musik schwieg, das Getümmel erstarrte. Nach wenigen Minuten gab der alte Graf wieder Zeichen des Lebens, aber er war schwach und befahl leise, ihn auf sein Zimmer zu bringen. Anton wäre ganz verlassen zurückgeblieben, hätte nicht Susanna jetzt wieder alle Sorgfalt auf ihn gewendet; sie rief bald einige Leute zusammen, die ihn auf sein Zimmer brachten. Erst hier sammelten sich alle zerstreuten Züge der Erzählung; das Schreckenvolle aller Ereignisse, welche die Seinen teils überstanden, teils das Gefährliche des Dienstes, wozu er berufen, drückten ihn nicht nieder, aber nichts von seiner alten Weise stimmte mehr dazu; selbst seine Frau fügte sich nicht in diese Entbehrungen und Anstrengungen, um einen so ungewissen Zweck zu erreichen; dass er nun erreicht habe, wonach er sonst fröhlich gestrebt hatte, ein ritterlicher Mann zu werden, das war ihm noch nicht so nahe und deutlich. Er brütete so in sich, wie er noch nie getan, forderte zuweilen Nachrichten von seinem Vater, der sich besserte, und schlief endlich ein, so tief, so fest, dass er erst erwachte, als die Sonne schon hoch am Himmel gestiegen.
"Susanna", rief er erwachend, "guten Morgen! Schaff mir ein tüchtig Frühstück, denn gestern abend ist es mir zum erstenmal begegnet, dass ich das Abendbrot vergessen habe."
"Herr", sprach sie, "von wem soll ich's Euch schaffen? sie sind alle fort."
"Was? Wer?"
"Ja, Herr! es mochte Morgens zwei Uhr sein, da ward ein Gelaufe; ich fragte, sie antworteten mir, der alte Herr befinde sich schlechter, sie müssten ihn fortbringen; ich sah ihn vorbeitragen, weiss aber nicht, wohin sie ihn gebracht; sie schlossen mich ein, und ich kann noch nicht heraus aus dieser Reihe von Zimmern."
Anton seufzte: "Gewiss ist mein Vater tut, oder sterbend; so habe ich ihn gestern zum letzten Mal gehört und seine Leiden, aber nicht das Geheimnis vernommen, das ich bewahren soll. Wo werde ich die Kronenburg finden? Wie werde ich erkannt werden! – Alle Herrlichkeit ist mir wie durch Zauberei gezeigt, aber wie ich hingreifen möchte, so vergeht alles wie Luft."
Als Anton nun so traurig