1817_Arnim_006_15.txt

von Schrekken, in unbeschreiblicher Verlegenheit, wie er seine Übereilung gut machen sollte, erfror ihm jedes entschuldigende Wort. Er drehte den Kranz, als ob er einen Rosenkranz abbetete, oder seinen Schaden zählen wollte, während Apollonia den Garten eilig verliess. Und immer noch arbeitete er und zählte in bittern Gedanken an dem Kranze, während dieser auseinander fiel und ihm nur der Zweig blieb, über welchen er gebunden war. Und wieder zählte er die Blätter dieses Zweigs und fand vierundzwanzig daran und bei dieser Zahl ging ihm ein Blitz durch den Kopf, als wär's die Entdeckung einer neuen Welt. Sein Traum, der Schatz, das Haus, der Garten, alles war wieder sein, auch Apollonia glaubte er durch diesen Reichtum noch erlangen zu können, da fiel ihm erst sorgenvoll ein, dass es doch wohl nur ein zufälliges Zusammentreffen mit dem Traum sein könne. Seine Tätigkeit überwog Gram und sorge, die Schaufel war in seiner Hand, er grub in die Erde, dass der Schweiss ihm über Wangen und rücken lief. Jeder Einschnitt in den schwarzen Boden war ihm ein lohnendes Gefühl, dass er näher seiner Hoffnung, – endlich klang der Spaten gegen Metall, – noch ein Abheben der Erde und er sah die rostige Fläche eines eisernen Deckels. Nun ruhte er sich einen Augenblick, sein Schweiss tropfte auf die Fläche des Deckels und er sah schon das Gold eingelegter Blumen auf demselben. Nun hob er den Kasten mit Gebet, dass er ihm nicht entschwinden möge. Da stand er, aber das Schloss wollte nicht weichen, bis er mit einem derben Steine so kräftige Schläge gegen den vorstehenden Deckel führte, dass das Schloss zersprang und der Deckel aufsprang. Das Geld lag nicht unmittelbar im Kasten, sondern erst musste er einen alten ausgenähten, ledernen Beutel aufziehen, da stand die Erscheinung des Traumes, die Fülle silberner und goldner Münzen vor ihm. Und als er sie in beschaulicher Eile in den Kasten stürzte, so fand er noch im Beutel ein wenig verrostetes Gürtelmesser, dessen Griff in türkischer Art einen Drachenkopf bildete. Eilig nahm er zwei Gulden aus der Menge und steckte sie zu sich, wollte eilig zum rataus, den Rest der Kaufsumme zu zahlen, aber nun plagte ihn schon der Reichtum: wo sollte er seihen Schatz verbergen? Endlich glaubte er ihn unter Steinen in seinem aufgeräumten Zimmer ziemlich gesichert zu haben, nahm aber doch eine tasche voll Geld mit, um im Falle unseliger Beraubung nicht alles zu verlieren.

Sein Kaufbrief war bald ausgefertigt, der Vogt sah ihn an wie einen seltsamen Toren, der sein Geld verschwendet und obenein als verdächtig, woher er das Geld bekommen. Beim Bürgermeister erhielt er einige Verweise, dass er so spät gekommen, weil dieser zur Feier des Namenstags seiner Tochter noch ein Gedicht, das er anfertigen lassen, abgeschrieben wollte haben. Da strengte er sich an, jeder Schnörkel mehr an den Buchstaben sollte ihr dartun, wie er ihr mit allen Kräften zu dienen strebte. Als er diese Arbeit zur Zufriedenheit des Herrn Bürgermeisters beendet, eilte er, von seinem Garten mit einem Kuss, den er der Erde gab, Besitz zu nehmen und dann mit furchtbarer Reue alles Blühende zu Ehren Apolloniens abzumähen. Es war ein hoher Tragekorb voll Blumen, womit er in das Haus des Bürgermeisters einrückte, die er an Apollonien abzugeben bat. Der Bürgermeister, der gerade noch im Zimmer, nahm das Geschenk als ein Zeichen schuldiger anhänglichkeit an sein hohes Haus, im Namen der Tochter, wohl auf, er befahl, ihn zum Vesperbrot herein zu rufen. Da ward ihm gar fröhlich, als Apollonia mit ganz versöhntem, freundlichem Blicke ihm ein Glas Wein darbot, auf welchem ein breiter Schnitt Mandelkuchen mit krispelkrauser Oberfläche lag. Wie aber zu dem Dargebotenen zu gelangen, da er in der einen Hand sein Barett, in der andern einige Schriften hielt, unter welche der Bürgermeister seinen Namen setzen sollte. Nach kurzer Überlegung liess er beides fallen, denn das dargebotene Glück war zu gross. Nun hörte er hinter sich ein feines lachen, während Apollonia, in seiner Seele verlegen, die Augen niederschlug. Das war doch schön von ihr, wie sie so mit ihm fühlte, auch war es gutmütig vom Bürgermeister, dass er einen ernsten blick gegen die Lachenden aussandte und dem Bertold vormachte, wie er erst die Pergamente hätte in die tasche stecken, das Barett unter dem Arm einklammern sollen, um ruhig zu dem Glase Wein zu gelangen. Bertold tat, wie ihm geheissen, klemmte aber so heftig an seinem Barett, dass das kleine Eichhörnchen, welches er gewöhnlich mit sich herumtrug, ihn biss und mit dem ihm eignen Knurren in der Bosheit hinaus und wie ein Teufelchen im Zimmer herumsprang, während Bertold sein Weinglas zum teil überschwabbern liess und nachher ängstlich mit seinem fuss den Weinfleck am Boden zu decken suchte. Nun war das Gelächter allgemein und der Bürgermeister verliess das Zimmer, um sich nichts von seinem Ansehen gegen den Schreiber zu vergeben. Apollonia suchte ihn jetzt dreister zu machen, schenkte ihm das Glas voll, er musste trinken und der seltene Genuss des edlen Weins und Apolloniens freundliche, braune Augen erheiterten ihn ungemein, er kam zu einiger Fassung und sah sich um, wer denn eigentlich so feinstimmig gelacht hatte. Da erschrak er aber recht, es standen da zwei Mädchen, die ihm ein Paar ausgestopfte Hosen auf dem Kopf zu tragen schienen. Seine Unbekanntschaft mit den neuen Stuttgarter Trachten hatte an dieser Verwunderung schuld, es war eine niederländische