feiern, denn mich durstet; lasst mich unten in den Garten tragen, Vater, schafft mir junges Volk, das tanzen und springen kann; die Ankunft des verlornen Sohnes muss gefeiert werden."
Einem Grafen von Stock, meinte der alte Rappolt, zieme sich wohl eine andere Art der Freude, inzwischen zieme es sich recht gut, dass heute die Hirten herantrieben, um ihre Abgabe dem schloss zu entrichten, wobei sie fröhlich zu tanzen und zu singen pflegten. Wirklich liessen sich schon die Feldschalmeien auf den Waldhügeln in Gruss und Gegengruss hören; die Glocken des angetriebenen Viehes richteten die Aufmerksamkeit nach allen schönen Waldgründen, die sonst in dem grossen Eindruck des Ganzen leicht übersehen werden. Rappolt befahl einigen Dienern, den Sohn in der Bettstelle herunter zu tragen, wobei Susanna achtung gab, dass nirgends von den steifen alten Männern angestossen wurde. Auf dem grossen platz vor dem Jagdschlosse waren schon die jungen Stiere und Kühe aufgestellt, alle mit Blumen und bunten Bändern geschmückt; die Hirten nahmen von ihnen zärtlichen Abschied und übergaben sie den alten Dienern des Grafen, die sogleich Befehl erhielten, einige nach der Kronenburg zu führen. Dann wurden grosse Fässer mit Bier auf hohe Steine festgelegt, es wurde in grosse hölzerne Krüge gezapft und von den Mädchen umhergetragen, die zierlich gekleidet in roten Jacken mit silbernen Ketten und kurzen blauen Röcken, die Haare in langen Flechten, erschienen waren. Ein lustiger Tanz vergalt ihnen die Mühe, vier Paare tanzten in bunter Abwechselung, die Einladung und das Geheimnis der Liebe immer zierlicher zu verhüllen, dass es sich endlich ohne Schamröte kund machen konnte, während die übrigen alles spottend aussangen, selbst das, was noch nicht wahr geworden. Da hiess es:
Auf, schwenkt die Mädchen rum!
Es tanzt sich gut im grünen Wald,
Und seid dabei nicht stumm,
Damit es lustig schallt
Ju ja, ju ja!
Lustig wollen wir springen
Allhier im grünen Wald.
Nun waren einige Paare über einander gefallen, da sangen sie weiter:
Das Moos ist gar zu weich,
Das Moos ist gar zu glatt:
Es war ein grüner Zweig,
Der uns zu Fall gebracht;
Ju ja, ju ja!
Auf grünen Zweig wir kommen
Allhier im grünen Wald.
Wir trudeln uns herum
Auf weichem glatten Moos,
Der Maulwurf ist nicht dumm,
Der wohnt im Erdenschoss;
Ju ja, ju ja!
Wir wollen uns begraben
Allhier im Erdenschoss.
Deck mich mit Rosen zu
Und mit Vergissmeinnicht,
Sonst hab ich keine Ruh,
Wenn mich die Sonne sticht,
Ju ja, ju ja!
Lass mir den Haber stechen
Allhier auf grüner Heid.
Gehört das Laub dem Baum?
Gehört das Laub der Luft?
Es spielt damit der Baum,
Es spielt damit die Luft.
Ju ja, ju ja!
Jetzt will ich dich erst küssen,
Dann küsse mich einmal.
Anton hatte seine Herzensfreude an all dem jubel, an dem plumpen Schwenken der Mädchen, an dem Stampfen der Knechte; er sprang im Bette hoch auf, wenn der Dudelsack, ein altes Ziegenfell, woran der Kopf mit messingenen Hörnern und Korallenaugen, in eine andere Melodie umsetzte, und ärgerte sich über Susannen, die sich hinter seinem Bette wie ein geängstigter Hund verkrochen hatte und auf jeden schlug, der sie wieder aus dem Zufluchtsorte herausbringen wollte. Der alte Rappolt hingegen meinte seinen Sohn zerstreuen zu müssen; er sprach von manchen ernstaften begebenheiten und befahl bald, dass sein Völkchen, welches allmählich in der Erhitzung und Bewegung allzustark nach dem Stalle roch, sich in eine weitere Entfernung begebe.
"Weisst du, lieber Sohn", sagte er, "dass ich meine Jugendzeit als Kapuziner verbetet habe?"
"Nein", sprach Anton zerstreut und sah in die Ferne, wo getanzt wurde, "da muss Euch das Hosentragen nachher schwer geworden sein."
"Die Kapuze lag heiss auf mir, als wär sie von geschmolzenem Blei gewesen, lieber Sohn; wenn du eine hohe Klostermauer erblickst, denke nicht mit den Leuten von heute, dass da lauter Üppigkeit die müssigen Leiber füllt; gemeiniglich ist das nur ein aufgegebenes Leben, das sich in Trunkenheit zu vergessen strebt, nachdem Not und Sünde, und Hass und Bosheit, eigne und fremde, viele Jahre die arme Jugend gegeisselt hat."
Bei diesen Worten weinte Susanna; der Alte sah sie an und sagte: "Du bist ein schöner Reiterknabe, flennst wie ein altes Weib, geh fort zum Tanz und kriech hier nicht herum wie eine Katze; was ich hier zu sprechen habe, geht dich nichts an; fort, lauf, such dir ein Mädchen und sing ihr zärtlich vor, das andere wird sich finden."
Susanna aber klemmte sich fester an Anton, den eine Lust zu ihr durchdrang, wie er ihren festen Bau berührte; er spielte mit ihren Haaren und bat den Vater sie zu dulden: der Knabe sei treu, aber schüchtern.
"Nun, so sei wenigstens ganz ruhig", sagte der Alte, und sie konnte sich jetzt nicht wehren, als Anton sie heimlich umfasste.
Die geschichte des alten Rappolt
Der alte Rappolt erzählte nun mit einem schmerzlichen Ernste sein Leben.
"Ich bin das jüngste von drei Kindern, die meine Mutter, Katarina von Blanken, meinem Vater Wolf, als er schon hoch betagt war, geboren hatte. Gott habe sie beide selig und lasse sie niederschauen auf diesen ersten Freudentag meines Alters! Meinem Vater habe ich die Augen auf der Kronenburg zugedrückt;