ihm sprach von der Kronenburg; doch seine ritterliche Ehre widerstand ihm, er befahl, von ihm zu weichen, dass er ihn nicht für einen Teufel halten möge, der ihm die Herrlichkeit der Welt für seine Seele biete." Bei diesen Worten schlug der Alte wieder beide hände über seine Augen und sang noch jammervoller als vorher zu seinen Schafen:
Schäflein lauft nach allen Seiten,
Wenn der Wolf den Hund bezwungen;
Ihr könnt nimmer ihn bestreiten,
Lasst ihm eure zarten Jungen,
Hab es auch also gemacht.
Schäflein fort von meinem Sohne,
Seid ihr Wölf in Schafes Kleide,
Als ich wachte bei der Krone,
Brachte Satanas im Neide
Meinen Sohn in seine Macht.
Bei diesen Worten sprang der Alte auf und trieb die Schafe mit grosser Angst von dem Bette Antons fort und zur Tür hinaus; Anton wollte aufspringen, aber Susanna hielt ihn; der Alte, fechtend wie mit einem Doppelschwerte in der Feldschlacht trieb die Herde mit einem grossen Zweige nun ungestört zur Tür hinaus; als er hinaus war, bat Anton Susannen, die Fenster zu eröffnen, denn der Duft der Herde machte die Zimmerluft unerträglich Als die Luft so einströmte und die fernen Berge in der Blendsonne rötlich bekleidet ihm erschienen, da fand sich das Gemüt des Kranken von den Entdeckungen des Tages vorbewegt, in einer sehnsucht aufgelöst, die ihn in gesunden Tagen noch nie übernommen hatte; er dachte, was ist's denn mehr ein Graf zu sein in einer Einöde, oder ein froher Bürger in der Stadt; er wusste sich nicht zu nehmen, sich nicht auszulassen, er bat Susannen, zu ihm zu kommen, fasste ihre hände, spielte damit, berührte ihre Fingerspitzen und fügte sie wie schlanke Zweige, die er zu einem Kranze flechten wollte, ineinander, und hielt sie dann wieder zusammen und sah nach dem Lichte, das rötlich zwischen den Fingern durchschien. "liebes Kind", so brach er endlich das Schweigen, "warum hast du mich heute nicht verbunden, wie du es damals getan? vielleicht wäre ich jetzt schon geheilt und könnte mit dir im Freien die Wolkenzüge beschauen, die hier auf der grossen Ebene viel wunderbarer erscheinen, als bei uns, wo sie von den Bergen abgeschnitten."
"Ich hätte es wohl getan", sagte sie, "aber ich schämte mich vor den fremden Leuten, da Ihr halbtot waret." – ANTON: "Wie kommst du zu der wunderlichen Geschämigkeit, da der Ort deiner Erziehung aller Scham und Schande den Kopf hätte abbeissen müssen." – SUSANNA: "Ich habe viel Böses sehen müssen und ich werde wohl lange darum büssen." – ANTON: "Büssen, ja Kind, wie meinst du das. Du sollst bei mir büssen, gib mir einen Kuss zur Busse; du wendest dich von mir?"SUSANNA: "Ich schäme mich, dass Ihr dies von mir verlangt; ich bin Kurt, Euer Knappe, der Euch treu dienen wird in Not und Gefahr; ich diene aber nicht um Küsse ich diene um Ehre." – ANTON: "Hast du dich so in deinen Rock, in deinen Degen verliebt, Liebst du mich nicht?" – SUSANNA: "Nein, Herr, aber es wäre mir lieb, wenn ich Euch lieben könnte." –
ANTON: "Du meinst wegen meiner Hausfrau." – SUSANNA: "Von der weiss ich nichts, als was Ihr mir gesagt habt; was würde die mich hindern, Euch zu lieben, der müsste es ja Freude machen." ANTON: "Ich meine doch nicht; sie möchte wohl eifersüchtig sein, wenn sie wüsste, dass ich mit dir in einem Zimmer geschlafen." SUSANNA: "Daran habe ich nie gedacht, ich will es nie wieder tun, es geschah aber aus Vorsorge für Euch, dass ich hier blieb."
Anton dankte ihr für ihre Güte, doch mischte sich ein Ingrimm über ihre Kälte in diese erste nähere Bekanntschaft mit ihr, wie der Pechgeschmack, der das erste Glas von einer frisch entpfropften Weinflasche zuweilen verdirbt, dass wir nicht beurteilen können, ob er edel oder unedel sei; er wünschte sich einen munteren Gesellen von weniger Vortrefflichkeit, der in seiner Fröhlichkeit mitjubelte, der an seinem Halse hinge. Sie diente ihm mit einer Hochachtung, wie einem höheren Wesen, das er nicht sein mochte, dessen Schwungkraft er gar nicht in sich fühlte; so etwas wurde aber niemals in ihm zum Gedanken; er fühlte den Ärger, dann fühlte er, dass er unrecht gehabt, und suchte es gut zu machen. "liebes Kind", so sprach er, indem er sich zu Susannen hinwandte, "wie sieht es denn hier im haus eigentlich aus, lebt mein Vater ganz allein?" – SUSANNA: "Herr, es ist überaus wunderlich hier bestellt mit allen Leuten, doch gefällt es mir; die meisten sind alterschwere Männer, die gar nicht hören können, aber jeder hat sein eigen Geschäft, wie die Vögel sich jeder ein besonderes Nest bauen." – ANTON: "Hast du sie besucht?" – SUSANNA: "Sie nahmen mich stillschweigend mit; der eine zeigte mir seine Eichhörnchen; die kammer hatte Drahtfenster und war mit hohlen Bäumen verziert, und drin heckten die Eichhörnchen; kaum trat er ein, gleich kamen sie wie rote Brände aus allen Höhlen und seufzten zu ihm so durchdringend, dass mir wohl ums Herz wurde; er brachte jedem Nusskerne