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wieder sein Voll aus. Aber gleich fasste ihn hier der Schrecken, der andere möchte nicht wieder bieten, das Vertrauen war fort, es überzog ihn kalt und die Sinne gingen ihm fast unter, als ihm die Trümmer des Palasts von Barbarossa für sieben Gulden zugeschlagen wurden. Er wollte sich an dem Alten halten und trösten, aber der war schon fortgegangen, er fragte nach ihm, aber keiner der Nachbarn hatte ihn gekannt. Meister Fingerling ging spöttisch auf den armen Bertold los und sagte ihm: "Ihr müsset viel geerbt haben, dass Ihr das grosse Werk unternehmt, den Platz aufzuräumen und Euch da anzubauen, wünsche Euch Glück." Mit den Worten entfernte er sich und der Stadtdiener, welcher den Zuschlag gemacht hatte, kündigte Bertold an, dass er sogleich die Hälfte der Kaufsumme und den Rest am andern Morgen zahlen müsse, widrigenfalls die Hälfte verloren sei. Bertold reichte seine fünf Gulden hin, mit einem Gefühle, als wären sie verloren. "Das ist mehr als die Hälfte", sagte der Mann. "Das schadet doch nichts?" fragte Bertold. "Es schadet nichts, wenn Ihr morgen den Rest bezahlt, sonst sind fünfe verloren."

Sie sind verloren, dachte er, und mein lieber Garten dazu, und mit diesen betrübten Gedanken beladen, sollte er bei der Mutter Heiterkeit erzwingen sie merkte ihm bald etwas Trübes an und er schob es auf ein Kopfweh und liess sich alle ihre Hausmittel gefallen. Zum Glück hatte der alte Bertold die Versteigerung ganz vergessen, sonst hätte er sich doch wohl verraten. Endlich kam die ersehnte Zeit des Schlafes, er schlief nicht, aber er konnte doch unbemerkt seinem Unglücke nachdenken. Früh stand er auf, sprach von notwendigen Schreibereien und eilte statt dessen in seinen Garten. Er glaubte ihn zum letztenmal von dem frischen Morgenlichte durchstrahlt zu sehen, seine Wehmut betaute alle geliebten Pflanzen, bis endlich die Müdigkeit, als er sich noch einmal in seiner Bohnenlaube ausgestreckt, ihn überwältigte. Ganz unbemerkt versank er in eine andre Welt, die sich nur ungern mit jener befassen mag, in der wir zu wachen meinen. Es träumte ihm manches Vorüberflatternde, bis ihm das rechte Bewusstsein des Traumes aufging. Da trat zu ihm dieselbe ehrwürdige Gestalt, die ihn beim Ausgebote zum Mehrbieten aufforderte, aber er trug wieder das alte Kleid mit dem roten Steine zugeheftet. Und Bertold klagte ihm seine Not mit den beiden Gulden, die ihm fehlten. "Wenn es weiter nichts ist, was dich betrübt", antwortete der Alte lächelnd, nahm ihn bei der Hand und führte ihn in den gang der alten Linden, welche das Gärtchen begrenzten. Dort bei einer Linde scharrte er mit dem fuss die Erde auf und ein eiserner Kasten voll goldner und silberner Münzen stand geöffnet vor den freudigen Augen. "Nimm so viel du brauchen kannst von meinem kleinen Hausschatze", sagte der Alte, "aber vergiss nicht, dass es nur geliehenes Gut ist und dass alles mein ist, was du damit kaufst und verdienst, und dass ich alles zurück fordern kann, wenn es mir gut dünkt und ich es einem andern verleihen will. Der Zins ist nicht hart", fuhr er fort, als ihn Bertold bedenklich ansah, "ist doch dem Menschen unter gleicher Bedingnis die Erde geschenkt, er nimmt nichts von ihr in jene Welt, als die Einsicht und den Glauben, den er auf ihr gewonnen." Bei diesen Worten schien es Bertold, als ob er sich in diese Worte verwandelt habe, er wollte ihm antworten, aber es war, als ob eine Gewalt seine stimme zurückdrückte, endlich brachte er einen Ton heraus, erweckte sich selbst dadurch und fand sich wie ein erwachender Nachtwandler verwirrt, erschöpft und gleichsam ausser sich im Lindengange stehend wieder. Er brach halb bewusstlos einen Zweig vom Baume, zählte in Gedanken die Blätter und fand vierundzwanzig daran, warf den Zweig zur Bezeichnung der Stelle auf den Boden und wankte dann schlaftrunken zurück in sein Frühlingshaus, wo ihn der tiefste Schlaf mehrere Stunden fesselte. Als er aufwachte, stand die Sonne schon hoch, er sprang auf und sah zu seinem Ärger, dass die Gartentüre offen stand. Es kränkte ihn jede mögliche Verletzung seines Gartens, sei es durch eingedrungene Tiere oder Menschen, obgleich er des Traumes längst vergessen und seiner Armut eingedenk, den Besitz desselben bald aufzugeben dachte. Er übersah seine Blumenbeete und fand seine Maiblumen ausgeplündert, die saftigen Stengel der Hyazinten weinten noch, als ob der Frevel erst begangen. Er eilte umher, den Missetäter zu entdecken, und sah im Lindengange den rücken eines Mädchens, das beschäftigt war, einen Kranz auf ihrem Schoss zu winden. Ohne sich darum zu kümmern, wer es sein könnte, rief er mit innigem Verdrusse: "Besser tausend Augen, als eine Hand!" Da blickte das schöne Kind sich scheu um und er sah in ein Paar Augen, die der Hand wohl einen tausendfach höheren Wert gegeben hätten, als alle denkbare Blumen, die sie abpflücken konnte, Augen, die ihm schon seit dem Tage, wo sie ihm den grünen Wams schenkte, wie ein unerreichlich seliger Sternhimmel erschienen waren. Es war Apollonia Steller, die er so zornig angeredet hatte, sie stand auf, warf ihm den halb vollendeten Kranz auf den Kopf und erwiderte mit einer inneren Kränkung: "Behalte Er seine dumme Blumen, wenn Er sie mir nicht gönnt." Der Kranz gleitete aber von seinem Kopf in seine hände, bleich