aus den alten zu erzwingen."
"Reiss nicht so schmerzlich in meinem Hirn, Schauder der Liebe", klagte schwächer Semiramis, "wie hat dein Hauch alle Rosen des Gartens verwelkt, wie ein giftiger Tau, wie ein glühender Wind der Wüste. Es ist heller Mittag, aber doch sehe ich schrecklich rasende Sternbilder am Himmel, greulich wüten die Wesen in einander, Menschen und Tiere vermischt. Geliebter Anton, könnte ich den reinen Himmel nur sehen, wie ich ihn noch gestern gesehen; o halte mich fest, geliebter Anton! wer lässt den Boden unter mir gleich Korn durch den Mühlstein gehen, er sinkt, er sinkt! schon fasst mich der rollende Mühlstein; mein Vater, warum hast du deine Mühle angelassen und deiner Kinder nicht gedacht."
Und die andere schrie: "Vater, warum hast du den Strom angelassen, er treibt mich in das Rad; das Bad war mir so kühl und lieblich."
"Ja, ja", sagte der Feldwebel, "werdet den Vater schon wieder finden in der Hölle; seid doch zu beklagen, was konntet ihr dafür, dass er mit euch sich Mahlgäste lockte, ihm hat's auch nicht geholfen, wie gewonnen, so zerronnen."
Aber die armen Müllertöchter hörten nicht mehr diese kalte Rede, ihr Jammer endete für diese Welt und ging in jener auf, und Anton lief in seiner Herzensangst, die ursache ihres Todes zu sein, von einer zur andern; aber die toten Leiber erkannten nicht mehr seine Liebkosungen, die noch vor wenig Augenblikken sie zu tausend Freudensprüngen belebt hätten. So sah er der irdischen Liebe Tod, und wie ein Vogel, der aus dem Nest ausgestossen, zuerst seiner Flügel Schwingkraft kennen lernt, so wurde es ihm nun zu Mute, als er überdachte, was er in den Gemütern der Menschen gewirkt; sein Gemüt selbst erkannte sich in einer Freiheit von dem Boden des Jammers, und er hörte auf, ein Leibeigner seines Bedürfnisses zu sein; er kam sich vor, als gehöre er zu Susannen, und mit dem Gedanken erinnerte er sich, wie wunderbar sie seinen Finger geheilt.
"Kurt", rief er, "wenn du mir wirklich treu bist, tue diesen armen Frauen wie du mir getan und heile ihre Wunden."
"Herr," sagte sie, "das sind Wunden der Gerichte Gottes, über die vermag alle Sympatie nichts; ich werde tun nach Eurem Befehle, aber ich meine, dass alles vergebens."
Bei diesen Worten ergriff sie ein Holz und legte es unter Gebeten im Kreuze auf die Wunden, und die armen Mädchen öffneten die Augen; da faltete ihnen Susanna die hände und betete ein Vaterunser, da verschieden sie, und das Schrecken ihrer Gesichter schien gemildert, als wäre ein Jahrhundert abgebüsst.
Neue Wildheit durchströmte jetzt den Garten, der Wirt des Frauenhauses kam mit seinen Knechten, um die entlaufenen Mädchen zurückzurufen; da er mit Beschimpfungen von den Soldaten empfangen wurde, so hieb er mit seinen Leuten, die in grösserer Zahl waren, auf diese ein. Hier zeichnete Anton sich zuerst vor ihnen aus, er tat Wunder; aber Susanna war an ihn gebannt wie ein Waffenzeichen und hielt manchen Hieb ab, der ihn treffen sollte. Von beiden Seiten waren schon mehrere schwer verwundet, als endlich der Wirt durch einen Hieb Antons mit grässlichem Geschrei fiel, worauf seine Knechte entliefen.
Im Triumphmarsche zogen nun die Knechte in die Stadt; es wirrte Anton im kopf. Seger trat zu ihm und sagte, er müsse sich an dem Wirte rächen. Jetzt sprach Anton von nichts als Zusammenschlagen des Frauenhauses; er ging so stolz einher wie ein Hauptmann, so folgte ihm jeder und keiner wusste warum. Es sammelten sich zu ihm noch mehr Soldaten in der Stadt, und sie gingen im Sturmmarsche auf das Frauenhaus, erbrachen die verschlossenen Türen, ergriffen die Feuerbrände am Herde, durchsuchten das Haus und schlugen die Hüter aus allen Ecken heraus. Die Frauen flüchteten jubelnd heraus, ihre Sündenrechnungen waren zerrissen, denn die Flamme wirbelte schon aus einem Fenster heraus, als sie noch Tisch und Bänke und alles Geräte zerschlugen.
Draussen waren indessen durch die Sturmglocken viel Bürger versammelt, die aus Ärger über den Frevler in die Flammen zurücktrieben, aus denen sie sich jetzt auf die Strasse zu flüchten suchten. Die Menge dieser Feinde war gross, aber Anton verlor den Mut nicht; er nahm die Muskete eines Soldaten, legte an und schoss los, dass die Kugel über die Häupter der Bürger hinsauste, da wussten die Hintersten nicht, dass ihrer Feinde so wenig nur waren, sie sprangen in Eile über eine Kirchhofsmauer, die ihnen im rücken lag, die andern sprangen nach, wie wir bei Schafen sehen; wenn eins emporgesprungen ist, so springen da alle nach. Die Vordersten, die hinter sich plötzlich das Geschrei hörten und die Flocht wahrnahmen, meinten, ihnen sei ein unbekannter Feind in den rücken gekommen, und fürchteten sich vor zwei Feuern und liefen nach allen Richtungen.
Die mächtige Stadt wäre in dieser blinden Furcht vor wenigen Menschen leicht zu plündern gewesen, aber die Landsknechte verachteten das; vielmehr sammelten sie sich in Reih und Glied vor Schärtlins haus, der sie mit Weisheit und Entschlossenheit sogleich aus der Stadt führte. Anton sah in dem Gerassel der Waffen, in dem gleichen Schritt, von dem die Erde bebte, mit einer wunderlichen Schwermut nach den Feuerwolken, die über der Stadt durch die Nacht schienen; erst