fliegenden Haaren, einen Degen in der Hand, aus der offenstehenden Küche gesprungen, die ihn mit grosser Geschicklichkeit entwaffnete. Mehrere sprangen jetzt auf ihn und rissen ihn näher zum Lichte, da schwankte er aber und redete so durch einander, dass sie ihn entweder für schwer verwundet oder für trunken halten mussten; das erstere widerlegte sich bald, er war unversehrt, da banden sie ihn an eine Leiter und legten ihn in ein Seitenzimmer.
Jetzt gab man erst auf Anton acht, der vor Schmerz aufschrie, ihm war im Gefechte das obere Glied des kleinen Fingers, woran der Trauring sass, halb abgehauen worden; er behauptete, es müsse gleich im Anfange geschehen sein, denn indem er mit der Hand den Tisch zu halten gesucht, sei er durch einen Hieb darauf schmerzlich aus der ersten Betäubung über das Ereignis geschreckt worden. Seine junge Retterin verband ihm den Finger, aber das war jetzt seine grösste sorge nicht; er suchte den Ring, der von dem Gliede abgehauen worden, der aber nicht aufzufinden war; man scharrte in allen Dielenritzen, aber vergebens; endlich gewann die Vermutung, er sei in das Feuer gefallen, die Oberhand, und da war jetzt nichts zu suchen und nichts zu finden, ohne Feuerschaden zu stiften.
Anton ärgerte sich über diesen Verlust, er kam sich selbst nicht recht vollständig vor; inzwischen suchte er keine Bedeutung in den Vorfällen des Lebens, und das wunderliche Mädchen, das ihn errettet hatte, zog seine ganze Aufmerksamkeit auf sich, er dankte ihr, sie hörte kaum darauf; sie war mit seiner Wunde beschäftigt und fragte ihn, ob er gute Pflege in seiner wohnung habe. "wohnung", fragte Anton, "daran habe ich noch nicht gedacht; wo wohnt Ihr, Bruder?" – "Wir sind bei den Bürgern eingemietet", sagte einer; "hast du dich bei dem Musterrollenschreiber nicht gemeldet?" – ANTON: "Keinesweges, ich meinte, Seger würde das besorgen, wie steht's mit dem?" – "Der ist in vierundzwanzig Stunden noch nicht nüchtern, es muss ihn einer hier bewachen, bleib du hier, du hast frisches Geld, sie werden dir ein Nachtlager nicht abschlagen."
Die beiden Frauen, die das Fechten bisher auseinander geschreckt hatte, kamen jetzt wieder aneinander, indem sie beide in seine blonden Locken griffen und ihn zu sich zu ziehen suchten. Das Zerren tat ihm wehe, der Wirt befreite ihn endlich, indem er die Mädchen in entgegengesetzten Ecken des Zimmers an Bänke festband. Jetzt hatten sie Zeit, wie Hähne, die zum Kampfe angeleitet werden, in verschlossenen Behältern einander gegenüber sich gegenseitig zu ärgern; wie eine losgelassene Mühle ergossen sich schäumend die Schimpfreden dieser beiden Zwillingstöchter des Müllers; ihre Schönheit hatte ihm viel Mahlgäste gelockt, bis Dido (der Name war ihr von einigen gelehrten Bacchanten geblieben, die mit ihr verkehrten, gleichwie der Name Semiramis ihrer Schwester) ihrer Lust die Weltfreiheit gewährte und die Schwester aus Liebe zu ihr die Mühle verliess.
Dido machte jetzt ihrer Schwester harte Vorwürfe: "Wie hast du dich verstellt vor mir; wie schienst du kalt gegen die Männer? – wie schienst du allein mich zu lieben?" – Semiramis antwortete: "Was hast du je mir zur Liebe getan? und doch habe ich Jahre lang dir gedient – deinem Eigensinn und deiner Lust; warum habe ich dir Hunderte zugeführt, die sich mir ergaben, und willst mir den einen rauben, den ich liebe." – DIDO: "Was willst du mit ihm, willst du eine Rose auf Eis betten, du kannst nicht lieben, du hast nur den Schein des Lebens, aber in deinen Adern ist kaltes Blut, du bist eine kalte Schlange." – SEMIRAMIS: "Und bin ich eine Schlange, so will ich mich um ihn winden, um seinen Hals, mit ewigem Knoten meine arme in seinem Nacken verknüpfen und seines Mundes Küsse aussaugen." – DIDO: "Sieh, du Schöngelockter, so denkt sie, so träumt sie; sie kennt nicht die Liebe; ich will dich schützen gegen Sonnenstrahlen wie ein Dach von Weinlaub; deinen Lippen will ich feurigen Trank und süsse Speise reichen, und willst du schlummern, da soll dich das Beben meiner linken Seite, in der das Herz schlägt, sanft einwiegen, und dann will Ich mit deinen Haaren den Vögeln Schlingen stellen, dass du beim Erwachen von ihren Gesängen wie die aufgehende Sonne begrüsst wirst." – SEMIRAMIS: "Ich kann nicht reden wie die Schwester, die verliebt zu allen gesprochen hat; aber sieh dieser arme Glanz, wo sie von schwarzen Fesseln gebunden; so weich, so voll sind sie, so hart das Band; ach viel weicher und voller ist meine Seele; und viel härter liegt sie in den Fesseln meiner Neigung zu dir." DIDO: "Sieh mich, ich bin gelblich von dem Feuer des Goldes in mir, ein reiches Bergwerk und die reichen Stufen warten auf dich, dein Licht brennt hell in deinen Augen, sieh, wie das Gestein flimmert und funkelt, sieh meine Spangen mit Granaten umglänzt, sieh die Schnallen meiner Schuhe von gelben Topasen flammend."
Da fuhr der Wirt, der etwas eingenickt war, auf; "ihr habt die Peitsche wohl lange nicht gesehen, wollt ihr schweigen, wollt ihr wieder Händel anstiften!" – Anton hielt ihn und sagte: er könne so harte Zucht nicht zugeben; darauf